Der Goldpreis fällt, Handel in Asien lebt auf
Nach drei Monaten mit Zuflüssen kehrt sich bei börsengehandelten Goldfonds (ETFs) der Kapitalstrom abrupt um. Weltweit zogen Anleger in der vergangenen Woche netto 1,1 Mrd. USD ab.
Nach Angaben von BMO Capital Markets erreichten die Abflüsse in Nordamerika 1,7 Mrd. USD. Europa verzeichnete dagegen Zuflüsse von 485 Mio. USD. Der Rückzug folgt auf ein ungewöhnlich starkes Quartal. Laut dem internationalen Goldbranchenverband World Gold Council flossen Gold-ETFs im dritten Quartal weltweit rekordhohe 31 Mrd. USD zu. Allein im September waren es 10 Mrd. USD. Eine einzelne Woche mit Nettoabflüssen reicht deshalb nicht aus, um von einer dauerhaften Trendwende zu sprechen.
Gold gerät trotz geopolitischer Spannungen unter Druck
Die Kapitalbewegungen fielen mit einer deutlichen Preiskorrektur zusammen. Binnen einer Woche verlor das Edelmetall rund 4 % und notierte anschließend knapp oberhalb von 4.000 USD je Feinunze. Das Minus seit Jahresbeginn bezifferte BMO auf ungefähr 7 %.
Angesichts schwächerer US-Aktienkurse suchte ein Teil der Anleger nach Einschätzung der BMO-Analysten Sicherheit in Staatsanleihen. Die wachsenden Spannungen im Nahen Osten und die hohen Ölpreise stützten den Goldpreis dagegen kaum. Selbst später sinkende Anleiherenditen konnten den Preisrückgang nicht stoppen.
Bereits im September hatten steigende US-Staatsanleiherenditen und ein stärkerer Dollar den Goldpreis belastet, wie der World Gold Council analysiert. Gold wirft keine laufenden Zinsen ab und steht deshalb in besonderem Wettbewerb mit verzinslichen Wertpapieren. Auch am Terminmarkt hielten sich Anleger zurück. Die spekulativen Netto-Kaufpositionen in Gold-Futures fielen auf den niedrigsten Stand seit August.
Niedrigere Goldpreise beleben Handel in Asien
In Indien verlangten Händler zuletzt höhere Aufschläge auf physisches Gold. In der Woche bis zum 23. Oktober stiegen sie von 11 auf 15 USD je Feinunze. Der niedrigere Weltmarktpreis und die zum hinduistischen Dussehra-Fest traditionell als glückverheißend geltenden Goldkäufe dürften die Nachfrage gestützt haben.
Auch in China nahm die Handelsaktivität zu. An der Shanghai Gold Exchange erreichte das wöchentliche Handelsvolumen eines physisch erfüllbaren Kontrakts rund 430 Tonnen. Das war der höchste Wert seit April. Diese Zahl erfasst allerdings Börsengeschäfte, aus denen sich die Goldkäufe privater Haushalte nicht unmittelbar ableiten lassen.
Für das dritte Quartal meldete der World Gold Council lediglich 234 Tonnen chinesische Großhandelsnachfrage, 21 % weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem schwache Schmuckverkäufe belasteten diese Bilanz. Aus dem höheren Handelsvolumen im Oktober lässt sich daher noch keine breite Erholung des physischen Verbrauchs ableiten.
Bei chinesischen Finanzanlegern fiel die Entwicklung zuletzt günstiger aus. Im September erhöhten dortige Gold-ETFs ihre Bestände um 11 Tonnen auf den Rekordwert von 304 Tonnen. Schwache heimische Aktien und sinkende lokale Anleiherenditen unterstützten laut World Gold Council diese Nachfrage. Selbst innerhalb des chinesischen Marktes entwickelten sich die einzelnen Nachfragesegmente somit unterschiedlich.
Zentralbanken setzen auf Käufe und Verkäufe
China baut seine staatlichen Goldreserven weiter aus. Im September stiegen die Bestände von 76,73 Mio. auf 77,47 Mio. Feinunzen. Das entspricht einem Zuwachs um rund 23 Tonnen. Damit verlängerte die Zentralbank ihre Kaufserie auf 23 Monate. Im gesamten dritten Quartal kamen nach Angaben des World Gold Council 63 Tonnen hinzu.
Russland verkaufte dagegen im September 6 Tonnen Gold und reduzierte seine Bestände damit den zehnten Monat in Folge. Laut BMO liegen die offiziellen Reserven inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit 2019. Die Analysten bringen die Verkäufe mit den zunehmenden finanziellen Belastungen Russlands durch den anhaltenden Krieg in der Ukraine in Verbindung.
Auch Kasachstan erwägt eine Anpassung seiner Reservestruktur. Die Zentralbank will den Goldanteil von 78 auf 75 % senken. Bei unveränderten Preisen könnte das nach Berechnungen von BMO Verkäufe von rund 14 Tonnen erfordern.
US-Zinspolitik beeinflusst den Goldmarkt
Vor der Oktober-Sitzung der Federal Reserve hatten sich die Zinserwartungen deutlich verändert. Am vergangenen Dienstag lag die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung laut BMO unter 10 %. Einen Monat zuvor waren es noch ungefähr 70 %. Im September hatte die Notenbank ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben.
Am Mittwoch beließ sie den Leitzinskorridor schließlich bei 3,75 bis 4 %. Zwei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses sprachen sich dagegen für eine weitere Erhöhung aus. Die Federal Reserve verweist weiterhin auf eine kräftig wachsende Wirtschaft und erhöhte Inflation. Am Donnerstag wurden neue amerikanische Wachstums- und Inflationsdaten veröffentlicht, die weitere Hinweise auf die Zinsentwicklung liefern können.
Für den Goldpreis bleiben die Entwicklung der Anleiherenditen, die Währungsbewegungen und das Kaufinteresse maßgebliche Einflussgrößen. Während günstigere Preise Teile des asiatischen Handels beleben, haben nordamerikanische Fondsanleger zuletzt Kapital abgezogen. Wie dauerhaft dieser regionale Gegensatz ist, lässt sich aus einer einzelnen Berichtswoche noch nicht ableiten.

