Goldpreis hebt Newmont über die Gewinnerwartungen
Newmont US6516391066 853823 hat im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen übertroffen. Der deutlich gestiegene Verkaufspreis für Gold fing den Rückgang der Förderung auf. Für das dritte Quartal stellt der Konzern eine weitgehend stabile Produktion in Aussicht. An seiner Jahresprognose von rund 5,3 Millionen zurechenbaren Goldunzen hält das Management fest.
Höhere Verkaufspreise fangen Förderminus auf
Newmont erzielte im Berichtszeitraum einen durchschnittlichen realisierten Goldpreis von 4.414 USD je Unze. Ein Jahr zuvor waren es 3.320 USD gewesen – ein Anstieg um rund 33 Prozent. Der durchschnittliche Marktpreis des Edelmetalls legte binnen Jahresfrist um etwa 37 Prozent auf 4.506,41 USD je Unze zu. Gegenüber dem ersten Quartal, als Newmont durchschnittlich rund 4.900 USD je Unze realisierte, kühlte das Preisniveau jedoch spürbar ab.
Getragen wurde die Entwicklung von der Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen und der Hoffnung auf Zinssenkungen in den USA. Ein stärkerer USD sowie neue Inflationssorgen infolge höherer Ölpreise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg begrenzten die Kursgewinne zeitweise. Der World Gold Council beziffert die Käufe der Zentralbanken im ersten Quartal auf 244 Tonnen – 17 Prozent mehr als im Vorquartal. Polen und Usbekistan führten die Käuferliste mit 31 beziehungsweise 25 Tonnen an.
Operativ konnte Newmont mit der Preisentwicklung allerdings nicht Schritt halten. Die Goldproduktion sank von 1,48 Millionen auf 1,29 Millionen Unzen und damit um knapp 13 Prozent. Belastend wirkten seismische Ereignisse am australischen Bergbaustandort Cadia. Bei Ahafo South in Ghana, Peñasquito in Mexiko und Yanacocha in Peru führten die planmäßige Abfolge des Minenbetriebs und niedrigere Erzgehalte zu geringeren Fördermengen.
Die Jahresprognose stützt sich auf stärkere Minen
Für das dritte Quartal rechnet das Management mit einer Goldförderung, die ungefähr dem Niveau des zweiten Quartals entspricht. Cadia arbeitet bereits seit Mitte Juni wieder auf normalem Niveau. Eine schnelle Rückkehr zu deutlich höheren Konzernmengen zeichnet sich damit zunächst nicht ab.
Auf das gesamte zweite Halbjahr sollen dennoch rund 51 Prozent der Jahresproduktion entfallen. Zusätzliche Mengen erwartet Newmont vor allem aus Boddington und Tanami in Australien, Lihir in Papua-Neuguinea, Cerro Negro in Argentinien sowie Brucejack in Kanada. Geringere Beiträge aus Yanacocha in Peru, Ahafo South in Ghana und Merian in Suriname wirken teilweise entgegen. Im ersten Halbjahr lag die Förderung nach Konzernangaben leicht über den eigenen Erwartungen.
Neben den rund 1,3 Millionen Goldunzen produzierte der Konzern im zweiten Quartal etwa sieben Millionen Unzen Silber und 17.000 Tonnen Kupfer. Die Abhängigkeit vom Goldpreis bleibt damit dominant, wird aber durch Erlöse aus weiteren Metallen teilweise abgefedert.
Höhere Investitionen verschärfen den Kostentest
Gleichzeitig dürfte der Kostendruck zunehmen. Newmont erwartet höhere Stückkosten, vor allem wegen steigender Erhaltungsinvestitionen. Auch teureres Öl könnte die Aufwendungen nach oben treiben. Hinzu kommen Förderabgaben, deren Höhe an den Goldpreis gekoppelt ist: Je teurer das Edelmetall, desto höher können diese Zahlungen ausfallen.
Für das Gesamtjahr kalkuliert Newmont mit nachhaltigen Gesamtkosten von rund 1.680 USD je Goldunze. Im zweiten Quartal lagen die All-in-Sustaining-Costs, die neben den operativen Förderkosten unter anderem Erhaltungsinvestitionen, Verwaltungs-, Explorations- und Rekultivierungsaufwendungen umfassen, bei 1.621 USD je Unze und damit noch unter der Jahresannahme.
Für 2026 plant der Konzern Entwicklungsausgaben von 1,4 Milliarden USD. Damit bleibt die Kapitaldisziplin ein zentraler Faktor für die Bewertung neuer Vorhaben und Erweiterungsprojekte. Zusätzlich sind Erhaltungsinvestitionen von 1,95 Milliarden USD vorgesehen. Davon sollen 58 Prozent im zweiten Halbjahr anfallen – ein Ausgabenprofil, das die angekündigte Kostensteigerung im dritten Quartal erklärt.
Red Chris gewinnt industriepolitisches Gewicht
Die Erweiterung von Red Chris, einem Minenprojekt in British Columbia, steht weiterhin unter Finanzierungsvorbehalt. Newmont will nur investieren, wenn das Vorhaben in den eigenen Rahmen zur Kapitalallokation passt und einen zusätzlichen Wertbeitrag liefert.
Nach Angaben der Vorstandsvorsitzenden Natascha Viljoen liegen sämtliche entscheidenden Genehmigungen vor. Parallel verhandelt der Konzern mit der Provinzregierung von British Columbia über die Bedingungen für die Investition. Newmont arbeitet zudem an einer endgültigen Machbarkeitsstudie, die als zentrale Grundlage für die finale Investitionsentscheidung dienen soll.
Die zugesagte Unterstützung von 500 Millionen CAD, umgerechnet rund 355 Millionen USD, ist nach Darstellung des Managements jedoch keine Voraussetzung für eine positive Investitionsentscheidung. Ausschlaggebend bleibt, ob Red Chris die internen Rendite- und Wertschöpfungsvorgaben erfüllt. Das Projekt könnte während der Bauphase mehr als 1.800 Arbeitsplätze schaffen, in Spitzenzeiten rund 1.500 operative Stellen sichern und die kanadische Kupferproduktion schätzungsweise um 15 Prozent erhöhen. Zusätzlich stehen bis zu 44,2 Millionen CAD für den Ausbau der Stromübertragung und 195 Millionen CAD für regionale Straßenprojekte unter Vorbehalt bereit.
Der freie Cashflow erweitert den Spielraum
Unter dem Strich erwirtschaftete Newmont im zweiten Quartal einen bereinigten Gewinn von 2,10 USD je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt lediglich 1,99 USD erwartet. Der Ergebnisvorsprung zeigt, wie stark der Goldpreis den Rückgang der Fördermenge bislang überkompensiert.
Der Umsatz erreichte 6,1 Milliarden USD nach 5,3 Milliarden USD im Vorjahreszeitraum. Zugleich generierte Newmont einen Rekordwert von 2,2 Milliarden USD an freiem Cashflow im zweiten Quartal.
Seit der vorherigen Ergebnisvorlage flossen insgesamt 1,9 Milliarden USD über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner. Für das zweite Quartal beschloss der Verwaltungsrat eine Dividende von 0,26 USD je Aktie. Der hohe Mittelzufluss verschafft Newmont damit finanziellen Spielraum zwischen Ausschüttungen, Mineninvestitionen und der Prüfung von Red Chris.
Der Goldmarkt bietet Rückenwind mit Schwankungen
Im kommenden Quartal verschiebt sich der Fokus von den Verkaufspreisen auf die Kostenbasis. Bleibt die Produktion unverändert und steigen zugleich Investitionen, Energieausgaben und Förderabgaben, muss Newmont seine Margen erneut vor allem über hohe Goldnotierungen absichern.
Der Goldpreis bietet dabei keinen geradlinigen Rückenwind. Nach einem Anstieg auf mehr als 5.500 USD je Unze im Januar fiel das Edelmetall Ende Juni zeitweise unter 4.000 USD. Der World Gold Council hält unter den derzeitigen Bedingungen eine Bewegung innerhalb einer Spanne von etwa fünf Prozent nach oben oder unten für ein plausibles Basisszenario, nicht jedoch für eine konkrete Preisprognose.
Am 23. Juli schlossen die vorderen US-Goldfutures nach einem Tagesverlust von 2,4 Prozent bei 4.046,50 USD je Unze. Gold lag damit knapp 24 Prozent unter seinem bisherigen Jahreshoch, aber weiterhin rund 20 Prozent über dem Vorjahresniveau. Hohe Anleiherenditen und eine straffere Geldpolitik können den Preis kurzfristig belasten; Zentralbankkäufe, geopolitische Risiken und Zweifel an der Tragfähigkeit staatlicher Finanzen stützen dagegen die längerfristige Nachfrage.

