Silber springt um bis zu 5 Prozent, Gold-Silber-Ratio fällt unter 70

Silber springt um bis zu 5 Prozent, Gold-Silber-Ratio fällt unter 70 Fireflyphoto / Bigstock

Am Dienstag kräftig zu, nachdem sie in der Vorwoche deutlich unter Druck geraten waren. Silber sprang im Tagesverlauf um bis zu 5 Prozent, der stärkste Anstieg seit mehr als fünf Wochen, und handelte bei rund 58,92 USD je Feinunze, ein Plus von 4,67 Prozent. Gold kletterte parallel über die Marke von 4.080 USD und notierte bei etwa 4.057,60 USD, ein Plus von 1,26 Prozent, nachdem es zwischenzeitlich bis auf 4.085,10 USD gestiegen war.

Silber übernimmt die Führung, Ratio fällt unter 70

Weil Silber deutlich stärker zulegte als Gold, fiel das Gold-Silber-Ratio, das misst, wie viele Feinunzen Silber für eine Feinunze Gold nötig sind, von 71,06 am Montag auf 68,92 am Dienstag und damit erstmals seit dem Ausverkauf der Vorwoche wieder unter die Marke von 70. Das gilt als Signal dafür, dass insbesondere industrielle und physische Käufer nach dem Rückgang wieder zugriffen.

Laut Kitco war die Bewegung vor allem durch Kurzdeckungen getrieben, nachdem Anleger zuvor stark auf fallende Preise gesetzt hatten. Zugleich blieben Zinsumfeld und Dollar belastende Faktoren: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag bei rund 4,60 Prozent, der Dollarindex bei etwa 101 Punkten, während der Markt für die Fed-Sitzung im September weiterhin eine Zinserhöhung für möglich hält. Auch die Lage rund um die Straße von Hormus blieb angespannt: Die Wasserstraße war nicht vollständig physisch geschlossen, der kommerzielle Schiffsverkehr blieb jedoch massiv eingeschränkt, was den Ölpreis stützte und über höhere Inflationsrisiken auch auf die Zinserwartungen zurückwirkte.

Kupferrally zieht Silber mit

Nach Einschätzung von Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei der ING Groep  profitierte Silber neben der Sicherheitsnachfrage vor allem vom Aufschwung bei Industriemetallen, allen voran der parallel laufenden Kupferrally. Rund 58 Prozent der weltweiten Silbernachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen, wodurch sich das Metall stärker an der Stimmung bei Basismetallen orientiert als reines Gold.

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Sechstes Defizitjahr in Folge stützt den Preis mittelfristig

Unterfüttert wird die Erholung von einem strukturellen Angebotsdefizit. Laut dem World Silver Survey 2026, den das Silver Institute gemeinsam mit der Analysefirma Metals Focus im April veröffentlichte, dürfte der globale Silbermarkt 2026 zum sechsten Mal in Folge ein Defizit aufweisen, in Höhe von 46,3 Mio. Unzen (rund 1.440 t) und damit 15 Prozent mehr als die 40,3 Mio. Unzen im Vorjahr. Unter Einbeziehung der Prognose für 2026 summiert sich der Fehlbetrag seit 2021 auf 762,1 Mio. Unzen (23.705 t). Frühere Einzeljahre wiesen laut dem Bericht allerdings deutlich größere Defizite auf, das laufende Jahr markiert also eine Verschärfung des Trends, aber keinen historischen Höchststand.

Die Minenproduktion soll dem Bericht zufolge 2026 mit 844,1 Mio. Unzen leicht sinken (-0,3 Prozent), während das Gesamtangebot inklusive Recycling um 2 Prozent auf 1.066,4 Mio. Unzen zurückgeht. Auf der Nachfrageseite bricht die Industrienachfrage um 3 Prozent auf 639,6 Mio. Unzen ein, weil der Verbrauch in der Solarindustrie durch Materialeinsparung und Substitution weiter sinkt. Wachstum bei Rechenzentren, Automobilelektronik und in der Katalysatorproduktion kann das nur teilweise ausgleichen. Schmuck- und Silberwarennachfrage brechen wegen der hohen Preise um 16 beziehungsweise 20 Prozent ein, während die Nachfrage nach Münzen und Barren laut Bericht auf den höchsten Stand seit 2022 steigen soll. , verglichen mit rund 360 Mio. Unzen Anfang 2021.

ING bleibt nach der Rally vorsichtiger als noch im Frühjahr

Trotz des strukturellen Defizits ist die ING für die kommenden Monate zurückhaltender geworden. Die ING senkte am 24. Juni 2026 ihre durchschnittlichen Quartalspreisprognosen für Gold im dritten Quartal 2026 auf 4.300 USD je Feinunze und im vierten Quartal auf 4.600 USD, nach zuvor 4.850 USD und 5.000 USD. Bei Silber kappte die Bank ihre Prognose für das dritte Quartal auf 68 USD und für das vierte Quartal auf 74 USD, gegenüber zuvor 79 USD und 84 USD. Begründet wurde der Schritt mit gestiegenen Anleiherenditen und einem stärkeren Dollar, die kurzfristig stärker auf die Preise drückten als erwartet. Manthey betonte damals, die strukturellen Treiber blieben intakt und Silber dürfte Gold weiterhin leicht outperformen, gestützt durch das anhaltende Marktdefizit und die fortschreitende Elektrifizierung der Industrie.