Rio Tinto will Handel mit fremden Rohstoffen ausbauen
Der Bergbaukonzern Rio Tinto GB0007188757 852147 will sein Handelsgeschäft deutlich breiter aufstellen. Künftig könnten Rohstoffe anderer Produzenten und Finanzderivate eine größere Rolle spielen. Das Unternehmen sucht damit zusätzliche Erträge außerhalb der eigenen Förderung.
Bislang vermarktet Rio Tinto vor allem Material aus den eigenen Minen und Anlagen. Nach Angaben von Bloomberg prüft der Konzern nun einen erheblichen Ausbau des bestehenden Handels. Finanzderivate sollen dabei Positionen und Risiken absichern. Auf gerichtete Wetten auf steigende oder fallende Rohstoffpreise zielen die Pläne dem Bericht zufolge nicht.
Das kommerzielle Geschäft steht unter Leitung von Handelschef Bold Baatar. Ein eigenständiges Rohstoffhandelshaus nach klassischem Vorbild soll daraus jedoch nicht entstehen. Baatars Zuständigkeit umfasst Verkauf, Marketing, Einkauf, Schifffahrt, Logistik und Geschäftsentwicklung. Bloomberg zufolge beschäftigt das Handelsteam derzeit rund 20 Händler und soll um einige weitere Mitarbeiter wachsen.
Auch Trott kennt das kommerzielle Geschäft aus eigener Verantwortung. Er war Rio Tintos erster Handelschef, bevor er später das Eisenerzgeschäft führte und im August 2025 an die Konzernspitze wechselte. Als Handelschef baute er die konzernweiten kommerziellen Aktivitäten auf.
Glencore steht für anderen Handelsmaßstab
Das umfangreiche Handelsgeschäft von Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV spielte bereits bei Rio Tintos Übernahmegesprächen eine Rolle. Glencores Handelsnetz galt als einer der Reize eines möglichen Zusammenschlusses. In den vergangenen zwei Jahren gab es zwei Gesprächsrunden, die schließlich beendet wurden.
Der Unterschied in der Größenordnung ist erheblich. Glencore vermarktet mehr als 60 Rohstoffe und erzielte 2025 im Bereich Marketing ein bereinigtes Betriebsergebnis von 2,9 Mrd. USD. Das Handelsgeschäft nutzt unter anderem regionale, zeitliche und produktbezogene Preisunterschiede. Verarbeitung, Mischung und Logistik helfen dabei, solche Arbitragemöglichkeiten auszuschöpfen.
Rio Tinto plant in einem anderen Maßstab. Der Konzern will vorhandene industrielle Vorteile stärker für den Handel einsetzen, statt das Glencore-Modell zu kopieren.
Freie Kapazitäten schaffen zusätzliche Handelschancen
Der geplante Ausbau setzt dort an, wo Rio Tinto bereits operative Vorteile besitzt. Dazu zählen regionale Überschüsse, Versorgungslücken und freie Verarbeitungskapazitäten.
Ein Beispiel ist Aluminiumoxid, ein Zwischenprodukt der Aluminiumherstellung. Rio Tinto selbst verfügt in manchen Regionen über Überschüsse, während dem Konzern das Material andernorts fehlt. Solche bereichsweisen Unterschiede können Handelsmöglichkeiten schaffen, ohne dass zusätzliche eigene Förderung nötig ist. Vielmehr geht es darum, Mengen effizienter zwischen den Märkten zu lenken.
Das Kupfergeschäft bietet ähnliche Ansatzpunkte. Im US-Bundesstaat Utah betreibt Rio Tinto mit Kennecott einen integrierten Kupferstandort mit Tage- und Untertageminen, Aufbereitungsanlage, Schmelze, Raffinerie und Bahninfrastruktur. Zu Kennecott gehört zudem eine von nur zwei in Betrieb befindlichen Kupferschmelzen der USA. Zugleich verfügt die Schmelze über freie Kapazitäten, die zusätzliches Material von Dritten aufnehmen könnten.
Im Jahr 2025 produzierte Kennecott rund 133.600 Tonnen raffiniertes Kupfer. Damit bietet der Standort eine industrielle Plattform, auf der zusätzliches Fremdmaterial in vorhandenen Anlagen verarbeitet werden könnte. Daneben erwägt Rio Tinto den Handel mit Kupferkathoden und verwandten Produkten wie Schwefelsäure. Dadurch ließe sich die vorhandene Infrastruktur stärker kommerziell nutzen.
Handel wird Teil von Trotts Neuordnung
Trott führt Rio Tinto seit Ende August 2025. Unter seiner Führung wurde die Organisation von vier auf drei zentrale Produktgruppen gestrafft. Dabei wurde das Lithiumgeschäft mit Aluminium zusammengelegt. Die drei Kerngruppen sind seither Eisenerz, Aluminium und Lithium sowie Kupfer. Borate sowie Eisen und Titan wurden außerhalb dieser Struktur einer strategischen Überprüfung unterstellt.
Im ersten Halbjahr 2026 steuerten Kupfer, Aluminium und Lithium zusammen mehr als die Hälfte des bereinigten Konzern-EBITDA bei. Die Bedeutung dieser Geschäfte für den Konzern ist damit deutlich gewachsen. Zugleich hatte Rio Tinto bis Mitte 2026 bereits 870 Mio. USD an Produktivitätsverbesserungen realisiert. Bis zum Jahresende strebt der Konzern eine annualisierte Größenordnung von 1,8 Mrd. USD an.
Auch die Handelspläne gehören zu dieser Neuordnung. Mehr Ertrag soll aus einer besseren Nutzung vorhandener Rohstoffströme, Anlagen und Lieferketten entstehen. Nach Angaben von Rio Tinto bleibt die Vermarktung der eigenen Produktion dabei das Fundament des Geschäfts. Der Handel soll diese Basis flexibler nutzen und zusätzliche Ertragsmöglichkeiten erschließen.
Parallel laufen offenbar Gespräche mit Vitol, einem internationalen Energie- und Rohstoffhändler, über ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen für Fracht und Logistik. Kommt dieses Vorhaben zustande, könnte Rio Tinto auch den Transport seiner Rohstoffe stärker neu ordnen. Zusammen mit dem Handelsgeschäft würde das die kommerzielle Steuerung des Konzerns verbreitern.

