Kupfer auf Rekordhoch: Rio Tinto, Gunnison Copper und Algo Grande bauen Nordamerikas Projektpipeline aus
Kupfer hat an der London Metal Exchange ein neues Rekordhoch erreicht. Dreimonats-Futures stiegen Anfang September zeitweise auf rund 14.635 USD je Tonne. Seit Jahresbeginn liegt das Plus bei fast 17 %. Der Preisanstieg trifft auf eine schwache Entwicklung der Minenproduktion. Im ersten Halbjahr 2026 sank die globale Förderung um 1,1 %, während vor allem Chile, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo Rückgänge meldeten.
Auch Chile startet mit einer niedrigeren Produktionsbasis in die zweite Jahreshälfte. Die staatliche Kupferkommission Cochilco erwartet für 2026 eine Förderung von 5,27 Mio. Tonnen, 2,6 % weniger als im Vorjahr. Für 2027 rechnet die Behörde mit einer Erholung auf 5,55 Mio. Tonnen.
Der Kupfermarkt reagiert damit auf zwei Entwicklungen gleichzeitig. Kurzfristige Produktionsprobleme verengen das Angebot. Langfristig steigt der Bedarf durch Stromnetze, Rechenzentren, Elektromobilität und Industrieinvestitionen weiter.
US-Zölle verschieben Kupferströme
Die amerikanische Handelspolitik verändert zusätzlich die Verteilung des verfügbaren Metalls. Seit April gelten in den USA verschärfte Zölle auf zahlreiche Kupferprodukte. Für Produkte, die weitgehend aus Kupfer bestehen, gelten zusätzliche Abgaben von 50 %. Viele kupferhaltige Folgeprodukte werden mit 25 % belegt.
Raffinadekupfer wie Kathoden blieb von diesen Zöllen zunächst ausgenommen. Das US-Handelsministerium hatte bereits 2025 einen gestaffelten Zoll von 15 % ab 2027 und 30 % ab 2028 empfohlen. Die für Ende Juni vorgesehene weitere Entscheidung zu Raffinadekupfer steht weiter aus.
Händler haben große Mengen Kupfer in die USA verschoben, um die Preisunterschiede zwischen den Handelsplätzen zu nutzen. Dadurch konzentrieren sich Lagerbestände stärker in Nordamerika, während an anderen Handelsplätzen weniger frei verfügbares Metall liegt. Cochilco erwartet für 2026 zwar einen kleinen Überschuss bei Raffinadekupfer. Die Behörde verweist zugleich auf die starke Konzentration der Bestände in den USA und die eingeschränkte Verfügbarkeit in Asien.
Für Nordamerika rückt damit die Herkunft des Kupfers stärker in den Fokus. Förderung, Verarbeitung und der Zugang zu heimischen Lieferketten gewinnen für Industrie und Politik an Gewicht.
Rio Tinto liefert Technologie für neue US-Kupferproduktion
Im Süden Arizonas zeigt sich bereits, wie neue Kupfermengen innerhalb der USA erschlossen werden. Gunnison Copper CA4028801088 A40TP4 betreibt im Cochise Mining District die Johnson Camp Mine und arbeitet dort mit Nuton, einem Unternehmen von Rio Tinto, zusammen.
Johnson Camp produziert Kupferkathoden. Nuton finanziert ein Programm zur Verarbeitung schwer laugbarer Sulfiderze mit einer von Rio Tinto entwickelten Bioleaching-Technologie. Die Mine verfügt über eine Produktionskapazität von bis zu 25 Mio. Pfund Kupferkathoden pro Jahr.
Gunnison erzielte im zweiten Quartal 23,6 Mio. USD Umsatz. Davon entfielen 13,7 Mio. USD auf Kupferkathodenverkäufe. Weitere 9,8 Mio. USD stammten aus abgegrenzten Erlösen für Bergbau- und Verarbeitungsleistungen im Rahmen des Demonstrationsprogramms.
Der laufende Produktionshochlauf bei Johnson Camp gibt Gunnison bereits einen operativen Zugang zum amerikanischen Kupfermarkt. Das größere Entwicklungsprojekt liegt wenige Kilometer entfernt.
Gunnison investiert 15 Mio. USD in die nächste Projektstufe
Für das namensgebende Gunnison Copper Project veröffentlichte das Unternehmen im März eine aktualisierte Preliminary Economic Assessment. Die Studie modelliert einen Tagebau mit Haufenlaugung und anschließender SX/EW-Verarbeitung zu hochreinen Kupferkathoden direkt vor Ort.
Für die ersten 15 Betriebsjahre sieht das Modell eine durchschnittliche Jahresproduktion von 174 Mio. Pfund Kupferkathoden vor. Bei einem angenommenen Kupferpreis von 4,60 USD je Pfund ergibt die PEA einen Kapitalwert nach Steuern von rund 2,0 Mrd. USD und eine interne Verzinsung von 22,5 %. Die geplante Minenlaufzeit beträgt 21 Jahre.
Gunnison arbeitet 2026 mit einem groß angelegten Bohr- und Testprogramm an den nächsten technischen Grundlagen. Vorgesehen sind bis zu 120 Bohrungen mit insgesamt rund 42.000 Metern. Das Unternehmen investiert dafür mehr als 15 Mio. USD. Zwei Bohrgeräte waren Mitte August aktiv, im September soll die Zahl auf sechs steigen.
Das Programm deckt Ressourcenerweiterung, Umwandlung bestehender Ressourcen und metallurgische Tests ab. Erste Resultate werden im vierten Quartal erwartet. Die Arbeiten fließen in die laufende Pre-Feasibility Study ein, deren Abschluss für das erste Halbjahr 2028 geplant ist.
Algo Grande finanziert die nächste Bohrphase in Sonora
Algo Grande Copper CA0156071049 A41UK1 arbeitet am Adelita-Projekt im mexikanischen Bundesstaat Sonora. Das zentrale Ziel Cerro Grande liegt innerhalb eines größeren Kupfer-Silber-Gold-Skarnsystems.
Das Unternehmen untersucht den Distrikt derzeit mit zwei Bohrgeräten. Das Phase-II-Programm sieht rund 8.000 Meter in 21 Bohrungen vor. Geophysikalische Arbeiten haben mehrere tiefere Intrusionszentren identifiziert, die Algo Grande als Ziele für weitere Exploration nutzt.
Bereits die erste Bohrphase lieferte bei Cerro Grande unter anderem 18,2 Meter mit 1,8 % Kupferäquivalent, darunter 3,5 Meter mit 3,9 % Kupferäquivalent. Die Ergebnisse zeigten mehrere übereinanderliegende mineralisierte Skarnhorizonte.
Im laufenden Phase-II-Programm protokollierte das Unternehmen erneut sichtbare Kupfermineralisierung. Die Laboranalysen aus den aktuellen Bohrungen stehen noch aus.
Für die Fortsetzung des Programms hat Algo Grande Anfang September eine überzeichnete Privatplatzierung abgeschlossen. Insgesamt flossen 4,786 Mio. CAD brutto zu. Die Mittel sind vor allem für weitere Bohrungen und Exploration bei Adelita vorgesehen.
Neue Minen bleiben der Engpass
Der Kupferpreis reagiert bereits auf schwächere Minenproduktion, Verschiebungen bei den Lagerbeständen und die Unsicherheit über weitere US-Zölle. Neue Fördermengen folgen einem längeren Zeitplan. Exploration, Ressourcendefinition, technische Studien, Genehmigungen, Finanzierung und Bau bestimmen das Tempo neuer Projekte.
Nordamerika baut seine Kupferpipeline auf mehreren Ebenen aus. Produzierende Minen erhöhen ihre Ausbringung und testen neue Verarbeitungstechnologien. Entwicklungsprojekte investieren in technische Studien und umfangreiche Bohrprogramme. Frühere Explorationsprojekte arbeiten an neuen Ressourcen.
Die laufenden Programme der kommenden Jahre bestimmen damit einen Teil des Angebots, das auf den wachsenden Kupferbedarf von Stromnetzen, Rechenzentren, Industrie und Verteidigung treffen soll.

