Rio Tinto senkt Kupferkosten deutlich
Die Produktionszahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen bei Rio Tinto GB0007188757 852147 eine kräftig gesenkte Kostenprognose für die Kupfersparte. Parallel meldet der Konzern das stärkste Halbjahr in der Pilbara-Eisenerzförderung seit dem Rekordjahr 2018 und einen Steuerstreit mit der Mongolei, der einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet hat.
CEO Simon Trott erklärte in der Mitteilung, der Konzern liefere Wachstum, während er die Leistung im gesamten Unternehmen vorantreibe. Die Kupferäquivalent-Produktion legte im ersten Halbjahr um 3 % gegenüber dem Vorjahr zu, getragen vor allem von der Kupfermine Oyu Tolgoi in der Mongolei und der stabilen Aluminiumsparte.
Kupferkosten fallen deutlich
Oyu Tolgoi wächst weiter planmäßig. Die Kupferproduktion legte dort im ersten Halbjahr um 31 % gegenüber dem Vorjahr zu. Das ermöglichte eine deutliche Senkung der Kostenprognose für die gesamte Kupfersparte, zu der neben Oyu Tolgoi auch die Minen Kennecott und Escondida zählen. Rio Tinto rechnet nun mit Nettokosten (C1) von 0,30 bis 0,50 USD je Pfund Kupfer, nach zuvor 0,65 bis 0,75 USD. Der Hauptgrund liegt im Nebenprodukt Gold, das bei Oyu Tolgoi anfällt und auf die Kupferkosten angerechnet wird. Der Konzern kalkuliert dafür inzwischen mit einem Goldpreis von 4.026 USD je Feinunze, hinzu kommen Produktivitätsfortschritte im gesamten Kupferportfolio. Die Jahresproduktionsprognose für Kupfer bleibt mit 800.000 bis 870.000 t unverändert. Im zweiten Quartal selbst lag die Produktion mit 213.000 t wegen geplanter Wartungsarbeiten 7 % unter dem Vorjahresniveau.
Pilbara liefert Rekordhalbjahr
In der westaustralischen Pilbara-Region erzielte Rio Tinto durch ein laufendes Produktivitätsprogramm das stärkste erste Halbjahr seit dem Rekordjahr 2018. Die weltweiten Eisenerzverkäufe stiegen im zweiten Quartal um 5 % auf 88,8 Mio. t, allein in der Pilbara um 7 % auf 85,3 Mio. t. Ein Teil des Anstiegs erklärt sich durch die Erholung von zyklonbedingten Hafenausfällen im ersten Quartal. Diese hatten zugleich die Lagerbestände erhöht und einen Kapitalbindungseffekt von rund 1,2 Mrd. AUD im ersten Halbjahr verursacht.
Am Simandou-Eisenerzprojekt in Guinea sind Minenbau und Hafeninfrastruktur inzwischen zu mehr als drei Vierteln fertiggestellt, die komplette Schienenanbindung wurde bereits im ersten Quartal in Betrieb genommen. Simandou zählt zu den größten unerschlossenen Eisenerzvorkommen der Welt und soll die Förderkapazität von Rio Tinto mittelfristig deutlich erweitern.
Steuerstreit in der Mongolei belastet die Kasse
Die mongolische Steuerbehörde stellte Rio Tinto für die Jahre 2021 und 2022 eine Steuerforderung über 1,6 Billionen MNT, umgerechnet rund 443 Mio. USD einschließlich Zinsen und Strafzahlungen. Der Konzern zahlte den vollen Betrag im März unter Vorbehalt, wie es das mongolische Steuerrecht vorschreibt, wehrt sich aber inhaltlich gegen die Forderung. Rio Tinto hält die Berechnung für unvereinbar mit der Investitionsvereinbarung zu Oyu Tolgoi und den geltenden mongolischen Gesetzen und steht dazu im Austausch mit der Regierung in Ulaanbaatar. Zusammen mit dem Lagerbestandseffekt aus der Pilbara summierte sich der Barmittelabfluss im ersten Halbjahr auf rund 1,6 Mrd. USD.
Der Steuerstreit fällt in eine ohnehin angespannte Phase für die Mine. Erst im Juni hatten Demonstranten der Radical Reform Movement zeitweise die Kupferausfuhr aus Oyu Tolgoi blockiert und eine höhere Beteiligung der Mongolei an den Fördererlösen gefordert. Die Regierung verhandelt parallel über eine frühere und größere Gewinnbeteiligung an der Mine.
Lithium wächst von niedrigem Niveau
Die Lithiumproduktion legte im zweiten Quartal um 20 % gegenüber dem Vorjahr zu, getrieben vom Hochlauf der Rincon-Starteranlage in Argentinien sowie der ersten Produktion bei Sal de Vida und Fénix 1B, beide früher als geplant. Gemessen an Eisenerz und Kupfer bleibt die Sparte vorerst ein kleiner Baustein im Portfolio, gilt konzernintern aber als strategischer Baustein der Batteriematerial-Sparte. Die Explorationsausgaben stiegen in den ersten sechs Monaten auf 480 Mio. USD von 334 Mio. USD im Vorjahreszeitraum, mehr als die Hälfte davon floss in die Kupfersuche.
Trotz der andauernden Spannungen im Nahen Osten und rund um die Straße von Hormus meldete Rio Tinto keine wesentlichen Störungen bei Produktion oder Lieferketten. Gestiegene Dieselpreise bremsten die Kostenentwicklung in der Pilbara dagegen spürbar. Der Preis kletterte im Jahresverlauf von rund 85 auf 140 USD je Barrel und trieb die Förderkosten dadurch um etwa 0,8 USD je Tonne im ersten Halbjahr.

