Peking drosselt Tempo bei Edelmetallkäufen
Die People’s Bank of China (PBOC) hat ihre Bestände im Mai um 320.000 Feinunzen erhöht. Damit stiegen die offiziellen Reserven auf 74,96 Millionen Feinunzen (umgerechnet rund 2.331,5 Tonnen). Es war der 19. Monatszuwachs in Folge. Gleichzeitig sank der Wert dieser Bestände auf 340,07 Milliarden US-Dollar nach 344,17 Milliarden im April, da der Goldpreis nachgegeben hat.
Die Transaktionen untermauern die Strategie der Volksrepublik, das Edelmetall als zentralen Reservebaustein zu nutzen. Für den Markt ist diese Stütze jedoch nicht mehr stark genug, um die Preisschwäche allein zu überdecken. Am 9. Juni notierte Gold je Feinunze nur noch bei rund 4.327 bis 4.337 US-Dollar und damit deutlich unter den Rekordständen vom Januar. Der Markt reagiert derzeit spürbar empfindlicher auf Zins- und Dollarbewegungen als auf einzelne Käufe offizieller Stellen.
Investoren lösen die Schmuckindustrie ab
Der World Gold Council beziffert die weltweite Goldnachfrage im ersten Quartal 2026 inklusive außerbörslicher Geschäfte auf 1.231 Tonnen. Das ist nur ein moderates Plus: Der Wert der Nachfrage sprang wegen des hohen Preisniveaus aber auf den Rekord von 193 Milliarden US-Dollar. Zugleich zeigt sich eine deutliche Verschiebung innerhalb des Marktes. Bar- und Münznachfrage legten weltweit auf 474 Tonnen zu, ETF-Bestände stiegen netto um 62 Tonnen und die Zentralbanken kauften per Saldo 244 Tonnen.
Schwächer bleibt dagegen der klassische Konsum. Die weltweite Schmucknachfrage fiel im ersten Quartal um 23 Prozent auf 380 Tonnen. In China sank sie um 32 Prozent auf 85 Tonnen. Der World Gold Council nennt dafür vor allem die hohen Preise, schwächeres Verbrauchervertrauen und verhaltenes Einkommenswachstum. Das schärft die Einordnung der jüngsten Preisbewegung: Gold stützt sich aktuell kaum auf private Konsumenten, sondern primär auf Investoren und staatliche Institutionen.
Asiatische Zentralbankkäufe verlieren an Zugkraft
Die Käufe der PBOC untermauern den langfristigen Trend. Der World Gold Council hatte bereits für das erste Quartal einen Anstieg der chinesischen offiziellen Reserven um sieben Tonnen auf 2.313 Tonnen gemeldet. Im April kamen weitere acht Tonnen hinzu. Mit dem Mai-Zuwachs setzt sich diese Linie fort. Das spricht für eine fortgesetzte Diversifizierung der Reserven und für die strategische Funktion von Gold in einem Umfeld geopolitischer Spannungen und unsicherer Währungsbeziehungen.
Der Markt liest diese Käufe aber nüchterner als noch zu Jahresbeginn, denn parallel dazu haben sich ETF-Zuflüsse verlangsamt. Zudem erhöhen hohe Renditen auf Staatsanleihen die Opportunitätskosten eines unverzinsten Vermögenswerts. Selbst geopolitische Risiken wirken inzwischen nicht mehr eindeutig preistreibend. Jüngste Marktberichte zeigen, dass Gold zuletzt trotz der Spannungen im Nahen Osten unter Druck blieb, weil Anleger zugleich mit höherer Inflation, festeren Ölpreisen und länger hohen Zinsen rechnen.
Zinsen dominieren, Peking bleibt struktureller Anker
Diese veränderten Rahmenbedingungen bremsen den Markt. Pekings fortgesetzte Käufe zeigen, dass der offizielle Sektor Gold weiter als Absicherung gegen politische und finanzielle Risiken betrachtet – sie sind kein Nebengeräusch, sondern ein struktureller Anker. Der Preis folgt diesem Impuls aber nicht mehr automatisch. Solange die Schmucknachfrage schwach bleibt und die Zinsfrage den Markt dominiert, dürfte Gold anfällig für weitere Schwankungen bleiben.
Der World Gold Council erwartet für 2026 anhaltende Unterstützung durch geopolitische Risiken, solide Zentralbanknachfrage und Interesse an Barren, Münzen und ETFs. Doch die entscheidende Variable ist eine andere: Erst wenn die Zinswende kommt oder die Investmentnachfrage wieder breiter anzieht, dürfte Gold seinen nächsten strukturellen Schub bekommen. Bis dahin kauft Peking – und der Markt wartet ab.

