Niedrige Lithiumpreise erschweren den künftigen Minenausbau

Niedrige Lithiumpreise erschweren den künftigen Minenausbau xura / Bigstock

Bis 2050 könnte die Lithiumbranche zusätzliche Förderkapazitäten im rechnerischen Umfang von 134 durchschnittlichen Minen benötigen. Das entspräche Investitionen von mehr als 100 Mrd. USD, schätzt das Rohstoffanalyseunternehmen Benchmark Mineral Intelligence. Ein solcher Ausbau müsste jedoch in einer Phase angestoßen werden, in der die Rohstoffpreise schwanken und Investoren zuletzt weniger Geld für Batteriemetalle bereitgestellt haben.

Finanzierungsdruck erfasst die Rohstoffsuche

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) gingen die weltweiten Investitionen in kritische Rohstoffe 2025 um neun Prozent zurück. Bei Unternehmen mit Schwerpunkt auf Batteriemetallen sanken sie um rund 20 %, bei Lithiumunternehmen sogar um etwa 40 %. Auch die Ausgaben für die Erkundung neuer Lithiumvorkommen verringerten sich laut IEA um etwa 40 %.

Während der Markterholung 2025 und Anfang 2026 hatten sich die Lithiumpreise laut IEA zwischenzeitlich mehr als verdoppelt. Im dritten Quartal 2026 folgte allerdings eine deutliche Korrektur. In China kostete batterietaugliches Lithiumcarbonat zum Quartalsende umgerechnet 19.025 USD je Tonne, 20,8 % weniger als im Vorquartal. Spodumenkonzentrat aus Australien verbilligte sich nach Benchmark-Daten im selben Zeitraum um 23,5 % auf 1.780 USD je Tonne.

Lange Entwicklungszeiten erhöhen Risiken

Für die Entwickler neuer Minen sind solche Preisbewegungen besonders problematisch. Niedrigere Preiserwartungen schmälern die Attraktivität geplanter Anlagen, während Genehmigungen, Verarbeitungstechnik und Infrastruktur schon vor dem Produktionsbeginn finanziert werden müssen. Cameron Perks, bei Benchmark für den Lithiumbereich zuständig, sieht deshalb die kontinuierliche Finanzierung über unterschiedliche Preiszyklen hinweg als zentrale Herausforderung. Bergbauvorhaben konkurrierten dabei auch mit Investitionen in künstliche Intelligenz, Verteidigung und andere Bereiche der Energiewende.

Wie lange der Weg von der Entdeckung eines Vorkommens bis zur Förderung dauern kann, zeigt eine branchenübergreifende Untersuchung des Finanzdaten- und Analyseanbieters S&P Global Market Intelligence. Bei 232 untersuchten Bergbauvorhaben mit unterschiedlichen Zielrohstoffen lagen zwischen der Entdeckung und dem tatsächlichen oder geplanten Produktionsbeginn durchschnittlich 16 Jahre.

Nordamerika und Europa könnten Förderanteile ausbauen

Neben der Finanzierung prägt der Standort die Aussichten neuer Förderprojekte. Für Nordamerika erwartet Benchmark einen Anstieg des Anteils an der weltweiten Lithiumproduktion von 1,7 % im Jahr 2026 auf 13 % bis 2050. In Europa könnte der Anteil von weniger als einem Prozent auf 5,5 % wachsen. Allerdings entfielen auf die Region dann acht Prozent des weltweiten Lithiumbedarfs für die Batteriezellproduktion.

Die Kosten für die Erschließung neuer Lagerstätten unterscheiden sich jedoch erheblich. Technisch anspruchsvolle Projekte, Umweltauflagen und Einwände betroffener Gemeinden können Vorhaben in Nordamerika und Europa verzögern. Ein steigender regionaler Förderanteil sagt daher wenig darüber aus, wie schnell zusätzliche Lithiummengen tatsächlich verfügbar werden.

Auch unter den etablierten Förderländern erwartet Benchmark Veränderungen. Australiens Anteil an der weltweiten Lithiumförderung könnte von 29 auf 20 % sinken, während China bei rund 25 % bleiben dürfte. In der Verarbeitung ist die Konzentration noch wesentlich stärker. Auf China entfallen nach Schätzungen von Benchmark rund 70 % der weltweiten Produktion raffinierten Lithiums.

Die IEA weist zudem auf ein Ungleichgewicht beim Ausbau der Lieferkette außerhalb Chinas hin. Die dort geplante Lithiumförderung übersteigt die vorhandenen und vorgesehenen Kapazitäten zur Raffination und Herstellung von Kathodenmaterial. Eine vollständig regionalisierte Batterielieferkette setzt daher neben neuen Minen auch ausreichende Verarbeitungskapazitäten voraus.

Mit unserem kostenlosen Newsletter bleiben Sie stets zu interessanten Rohstoffthemen und Minenfirmen auf dem neuesten Stand. Verpassen Sie keine Marktkommentare und Hintergrundberichte zu spannenden Metallen mehr.

Mit dem Absenden bestätigen Sie, dass Sie unseren Disclaimer / AGB, unsere Datenschutzerklärung und Informationsvertragsbedingungen gelesen haben und akzeptieren.
Sie haben es fast geschafft!

Öffnen Sie Ihr Email Programm (eventuell den Spam Ordner prüfen) und klicken Sie in der Email mit dem Betreff: "Miningscout: Bitte Anmeldung bestätigen" auf den Bestätigungslink.

Fügen Sie info@miningscout.de als Kontakt in Ihrem Email-Programm hinzu, damit unser Newsletter nicht aus Versehen als Spam markiert wird.

Lithiumbedarf könnte sich mehr als verdreifachen

Benchmark leitet den zusätzlichen Kapazitätsbedarf aus einem erwarteten Nachfrageanstieg um etwa 4,8 Mio. Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent ab. Mit dieser Maßeinheit lassen sich die Mengen unterschiedlicher Lithiumprodukte vergleichen. Für 2026 setzt die Prognose einen weltweiten Bedarf von 2,11 Mio. Tonnen an, für 2050 rund sieben Millionen Tonnen.

Bei einer angenommenen Jahresproduktion von 36.000 Tonnen je Mine ergibt sich daraus ein rechnerischer Bedarf von 134 zusätzlichen Minenäquivalenten. Allein der erwartete Nachfragezuwachs zwischen 2040 und 2050 entspräche der Jahresförderung von 44 Bergwerken dieser Größenordnung.

Elektroautos bleiben nach Einschätzung von Benchmark der wichtigste Faktor für den wachsenden Lithiumverbrauch. Ihr Anteil an der weltweiten Nachfrage könnte von derzeit 55 % auf 76 % im Jahr 2050 steigen. Insgesamt entfallen laut Benchmark 2026 bereits 92 % der Lithiumnachfrage auf Batterien, verglichen mit rund 70 % im Jahr 2020.

Auch stationäre Stromspeicher benötigen zunehmend Lithium. Nach jährlichen Nachfragezuwächsen von mehr als 60 % in den vergangenen beiden Jahren erwartet Benchmark bis zum Ende des Jahrzehnts allerdings nur noch ein Wachstum von etwa fünf Prozent pro Jahr. Auch staatliche Förderprogramme, die Entwicklung der Batterietechnologie und die Effizienz der Zellen beeinflussen den Verbrauch. Die langfristige Nachfrageprognose bleibt damit von mehreren Annahmen abhängig.

Recycling beeinflusst den Bedarf an neuen Minen

Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ist die Menge an Lithium, die sich künftig aus gebrauchten Batterien zurückgewinnen lässt. Benchmark hält es für möglich, dass Recyclingmaterial 2050 fast 50 % des gesamten Lithiumangebots ausmacht. Voraussetzung dafür sind ausreichend verfügbare Altbatterien und wirtschaftlich tragfähige Aufbereitungsverfahren.

Nach einer Analyse der IEA vergehen zwischen dem breiten Einsatz neuer Fahrzeugbatterien und ihrer Rückkehr in Recyclinganlagen häufig etwa 15 Jahre. Ausgediente Antriebs- und Speicherbatterien dürften deshalb erst ab Mitte der 2030er-Jahre zur wichtigsten Rohstoffquelle für das Batterierecycling werden. Bereits heute entfallen laut IEA mehr als 85 % der weltweiten Batterierecyclingkapazität auf China. Die regionale Versorgungssicherheit ist damit auch bei wiedergewonnenen Rohstoffen ein Thema.

Für die Lithiumversorgung bis 2040 veranschlagt Benchmark Investitionen von rund 64 Mrd. USD. Dabei ist ein erheblicher Beitrag aus dem Recycling bereits berücksichtigt. In einem Szenario für eine stärkere Nachfrageentwicklung erreicht der weltweite Lithiumbedarf 2050 knapp neun Millionen Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent. Das entspräche rund 180 Minenäquivalenten und Investitionen von deutlich mehr als 150 Mrd. USD, zunächst ohne Recyclingbeiträge.

Für Batteriehersteller und Autobauer kommt es deshalb wesentlich darauf an, wann zusätzliche Förder- und Recyclingkapazitäten verfügbar werden. Verzögern sich Minenprojekte oder bleibt die Rückgewinnung hinter den Erwartungen zurück, könnte das Lithiumangebot den langfristigen Bedarf nur unzureichend decken.