Chinesische Nickelkonzerne erwägen Produktionskürzungen in Indonesien

Chinesische Nickelkonzerne erwägen Produktionskürzungen in Indonesien picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Dita Alangkara

Indonesien will den Nickelpreis mit niedrigeren Förderquoten stützen. Für die heimischen Verarbeiter bringt diese Politik jedoch erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Sie beziehen immer mehr Erz von den Philippinen, während große chinesische Konzerne angesichts hoher Kosten und schwacher Metallpreise über Produktionskürzungen beraten. Nach OECD-Angaben stammten 2025 nahezu 65 % des weltweit geförderten Nickels aus Indonesien.

Nickelverarbeiter suchen eine gemeinsame Linie

Die möglichen Einschnitte betreffen einen wichtigen Teil der indonesischen Batterieindustrie. Wie die US-Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg berichtet, erwägen mehrere Konzerne, ihre Produktion in Nickelverarbeitungsanlagen gemeinsam zu reduzieren.

Genannt werden der private chinesische Nickelkonzern Tsingshan und der chinesische Recycling- und Batteriematerialhersteller GEM CNE100000KT4 A1CYYM. Hinzu kommen der Nickelproduzent Lygend CNE100005M34 A3D4ZM und der Nickel- und Kobaltverarbeiter Zhejiang Huayou Cobalt CNE100001VW3 A14TEC. Es geht vor allem um Anlagen, die mit Hochdruck-Säurelaugung (HPAL) nickelhaltige Erze chemisch verarbeiten. Dabei entsteht unter anderem Mixed Hydroxide Precipitate (MHP), ein nickel- und kobalthaltiges Zwischenprodukt für die Herstellung von Batterierohstoffen.

Zur Debatte steht eine Produktionssenkung von rund 30 % je Unternehmen, ausgehend von der bisherigen Auslastung. Bereits im August hatten Führungskräfte entsprechende Maßnahmen erörtert, ohne sich auf eine gemeinsame Linie verständigen zu können. Nun waren weitere Gespräche über den Umfang einer möglichen Reduzierung vorgesehen. Allerdings sind bislang weder die Durchführung des geplanten Treffens noch eine gemeinsame Vereinbarung bestätigt.

Förderquoten verändern den Handel mit Nickelerz

Während die Verarbeiter ihre Auslastung überprüfen, sind sie zunehmend auf importiertes Erz angewiesen. Indonesiens genehmigte Fördermenge liegt 2026 nach Angaben des Nickelbergbauverbandes APNI bei 260 bis 270 Mio. Tonnen. Im Vorjahr hatte die Quote noch 379 Mio. Tonnen betragen. Tatsächlich gefördert wurden 2025 laut der internationalen Nachrichtenagentur Reuters jedoch nur rund 320 Mio. Tonnen.

Wie groß die Versorgungslücke ausfallen kann, verdeutlicht der Rohstoffbedarf der Industrie. Der Verarbeiterverband FINI beziffert die jährliche Kapazität indonesischer Nickelverarbeitungsanlagen auf rund 2,7 Mio. Tonnen. Bei vollständiger Auslastung wären dafür 340 bis 350 Mio. Tonnen feuchtes Nickelerz erforderlich. Der rechnerische Bedarf liegt damit deutlich über der genehmigten heimischen Fördermenge.

Die Regierung will durch ihre Beschränkungen das Überangebot verringern und höhere Nickelpreise erreichen. Bergbauminister Bahlil Lahadalia hat erklärt, an der Steuerung der Fördermengen festhalten zu wollen. Zusätzliche Genehmigungen könnten laut APNI bevorzugt an Standorte vergeben werden, deren Verarbeitungsanlagen nicht mehr ausreichend mit Erz versorgt sind.

Bereits im Juni berichtete FINI über Produktionsfolgen der Rohstoffknappheit. Bei Anlagen mit dem konventionellen Drehrohrofen-Elektroofen-Verfahren (RKEF) war die Auslastung von 84 % im Vorjahr auf 76 % gesunken. Diese Technik dient vor allem der Herstellung nickelhaltiger Vorprodukte für die Edelstahlindustrie. Die Entwicklung lässt sich deshalb nicht unmittelbar mit der Auslastung der HPAL-Anlagen vergleichen.

Philippinen werden zum wichtigen Erzlieferanten

Einen wachsenden Teil ihres Rohstoffbedarfs decken die Unternehmen inzwischen aus den Philippinen. Von Januar bis August importierte Indonesien 13,52 Mio. Tonnen Nickelerz aus dem Nachbarland, 65,8 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Nach Angaben der indonesischen Statistikbehörde erreichte der Importwert rund 808 Mio. USD. Für das Gesamtjahr erwarten neun von Reuters befragte Analysten und zwei Händler Lieferungen zwischen 20 und 25 Mio. Tonnen. Das entspräche gegenüber 2025 einem Anstieg um 30,5 bis 63,1 %.

Für den weltweit größten Nickelproduzenten waren solche Erzimporte lange ungewöhnlich. Bereits 2023 veränderten verzögerte Fördergenehmigungen und zeitweilige Minenstilllegungen die Beschaffung. Wie stark behördliche Entscheidungen einzelne Standorte beeinflussen, zeigt die Nickelmine Weda Bay auf der indonesischen Insel Halmahera. Nach vier Monaten Stillstand nahm sie im September 2026 mit behördlicher Zustimmung schrittweise den Betrieb wieder auf. Welche Erzmenge der Standort bis zum Jahresende liefern kann, war zunächst noch offen.

Auch die Qualität der verfügbaren Rohstoffe spielt eine Rolle. Nach Einschätzung von Tom Fan, Analyst beim Rohstoffinformationsdienst Mysteel, sinken die Nickelgehalte im Erz. Dadurch wird für jede Tonne erzeugten Nickels eine größere Menge Rohmaterial benötigt.

Schwache Absatzmärkte schmälern die Erlöse

Die steigenden Importe sichern zusätzlichen Rohstoffnachschub, lösen aber die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Verarbeiter nicht. An der Londoner Metallbörse lag Nickel zuletzt rund 20 % unter seinen Höchstständen vom Mai. Zugleich war der Kobaltpreis auf ein Einjahrestief gefallen. Kobalt ist neben Nickel im dabei erzeugten MHP enthalten.

Auch das Zwischenprodukt MHP hat sich deutlich verbilligt. Nach Berechnungen des Rohstoffanalysten Benchmark Mineral Intelligence sank sein Preis auf dem asiatischen Importmarkt im dritten Quartal 2026 um 17,3 %. Für die Verarbeiter folgen daraus geringere Erlöse bei weiterhin hohen Betriebsaufwendungen.

Nach Einschätzung von S&P Global dämpfte die zunehmende Verbreitung von Lithium-Eisenphosphat-Batterien im dritten Quartal die Nachfrage nach nickelhaltigen Batteriechemikalien. Diese Akkutechnik benötigt weder Nickel noch Kobalt und konkurriert mit Batteriezelltypen, die auf solche Metalle angewiesen sind.

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Hohe Schwefelkosten und Wasserengpässe belasten die Anlagen

Auf der Kostenseite bereitet insbesondere die Schwefelversorgung Schwierigkeiten. Aus dem Rohstoff wird Schwefelsäure hergestellt, die für das HPAL-Verfahren unverzichtbar ist. Nach Angaben des Rohstoffberaters CRU bezog Indonesien vor den kriegsbedingten Lieferstörungen rund 70 % seines Schwefels aus dem Nahen Osten. Unterbrechungen wichtiger Lieferwege haben die Beschaffung verteuert.

CRU erwartet, dass der Anteil chemischer Betriebsmittel an den gesamten Standortkosten der HPAL-Anlagen 2026 auf 57 % steigt. Im Vorjahr hatte er noch bei 40 % gelegen. Dadurch verlieren die Anlagen einen Teil ihres bisherigen Kostenvorteils gegenüber anderen Verfahren der Nickelverarbeitung.

Auch die Wasserversorgung erschwert zeitweise den Betrieb. Während längerer Trockenperioden kam es an einzelnen Verarbeitungsstandorten bereits zu Problemen. Die chemische Erzaufbereitung benötigt erhebliche Wassermengen für die Laugung, die Reinigung und die Behandlung der Rückstände.

Gesenkte Erzreferenzpreise entlasten nur begrenzt

Im September änderte die Regierung die Berechnungsformel für die staatlichen Referenzpreise niedriggradigen Nickelerzes und senkte damit die amtlichen Preisansätze. Für Erz mit einem Nickelgehalt von 1,2 % sank der rechnerische Referenzpreis nach Angaben von Shanghai Metals Market um rund 45 %. Die Anpassung betrifft auch die Berechnung von Steuern und Förderabgaben.

Nach Einschätzung von Shanghai Metals Market dürfte die Wirkung auf die tatsächlichen Einkaufspreise allerdings begrenzt bleiben. Marktübliche Preise hatten bereits vor der Anpassung unter den alten Referenzwerten gelegen. Die neue Berechnungsgrundlage verringert somit vor allem die Differenz zwischen staatlicher Preisfestsetzung und den tatsächlichen Marktbedingungen.

Produktionskürzungen könnten das Nickelangebot verändern

Die Aussicht auf ein geringeres Angebot hat an der Börse bereits eine Reaktion ausgelöst. Am Mittwoch stieg der Nickelpreis nach Bloomberg-Angaben zeitweise um 2,7 % auf mehr als 16.000 USD je Tonne. Die diskutierten Produktionskürzungen sind allerdings weiterhin unbeschlossen. Auch ihre möglichen Auswirkungen unterscheiden sich je nach Produktionsstufe. Eine niedrigere HPAL-Auslastung würde zunächst die Versorgung mit nickel- und kobalthaltigen Zwischenprodukten beeinflussen. Die staatlichen Förderquoten betreffen dagegen die Gewinnung von Nickelerz und verändern damit die Rohstoffhandelsströme.

Für diesen Handel zeichnet sich eine längerfristige Verschiebung ab. Han Jianbiao vom chinesischen Rohstoffinformationsdienst Zhonglianjin hält weiterhin hohe Einfuhren aus den Philippinen für wahrscheinlich, solange Indonesien seine Förderquoten nicht lockert. Auch mit Exportbeschränkungen der Philippinen rechnet er derzeit nicht.

Höhere Erzimporte und geringere Verarbeitungskapazitäten könnten somit vorerst nebeneinander bestehen. Zugleich begrenzt die schwächere Nachfrage nach nickelhaltigen Batteriematerialien die Möglichkeiten, Produktionskürzungen unmittelbar in höhere Verkaufspreise umzusetzen. Für Indonesiens Nickelindustrie bleibt deshalb die Wirtschaftlichkeit der Verarbeitung ebenso wichtig wie die verfügbare Erzmenge.