Aluminiummarkt könnte 2027 ins Überangebot drehen

Aluminiummarkt könnte 2027 ins Überangebot drehen Maxxyustas / Bigstock

Am weltweiten Aluminiummarkt zeichnet sich für 2027 ein Angebotsüberschuss ab. Während für das laufende Jahr noch ein Defizit erwartet wird, rechnen Analysten anschließend mit einem deutlichen Produktionsanstieg. Zusätzliche Mengen sollen vor allem aus Indonesien und dem Nahen Osten kommen. Die Analysten rechnen dabei mit unterschiedlich hohen Überschüssen. Für die weitere Marktentwicklung wird vor allem entscheidend sein, wie schnell die neuen Anlagen ihre Produktion hochfahren.

Indonesiens Ausbau stößt an Infrastrukturgrenzen

Vor allem chinesische Investoren errichten in Indonesien neue Aluminiumschmelzen. Der Ausbau hat einen industriepolitischen Hintergrund: In China selbst begrenzt eine staatliche Kapazitätsobergrenze die weitere Expansion. Der 2017 festgelegte Höchstwert beträgt rund 45 Mio. Tonnen jährlich. Nach Angaben des Branchenverbands International Aluminium Institute (IAI) produzierte China 2025 bereits 44,2 Mio. Tonnen Primäraluminium, rund 60 % der weltweiten Menge. Zusätzliche Produktionskapazitäten bauen die Investoren deshalb zunehmend im Ausland auf.

Das britische Rohstoffanalysehaus CRU erwartet, dass Indonesien 2027 rund 3,2 Mio. Tonnen Primäraluminium produziert. Gegenüber 2026 wäre das mehr als eine Verdoppelung. Allerdings bleibt die Infrastruktur beim Bau neuer Schmelzhütten zurück, besonders die Stromversorgung und die Hafenanlagen.

Für die Branche ist die Energieversorgung besonders anspruchsvoll. Zur Herstellung einer Tonne Primäraluminium werden typischerweise rund 14.000 bis 17.000 Kilowattstunden Strom benötigt. Verzögert sich der Ausbau der Kraftwerke, kann das erhebliche Produktionsmengen betreffen. Im Industriegebiet Weda Bay auf der indonesischen Insel Halmahera konkurrieren bereits verschiedene Metallproduzenten um die verfügbare Elektrizität. Nach Angaben des belgischen Marktdatendienstes Kpler sollten dort Nickelproduzenten ihre Produktion drosseln, um Strom für die Aluminiumherstellung freizumachen. Der Wettbewerb um die Energieversorgung kann damit die Produktion anderer Metallbetriebe beeinträchtigen.

Michael Widmer, Rohstoffstratege der Bank of America, rechnet für 2027 dagegen mit lediglich 2,2 Mio. Tonnen indonesischem Aluminium. Der überwiegende Teil dieser Produktion dürfte erst in der zweiten Jahreshälfte anfallen. Während für 2026 ursprünglich mehr als zwei Millionen Tonnen prognostiziert worden waren, hält Widmer inzwischen nur noch etwa 1,2 Mio. Tonnen für realistisch. Uday Patel, leitender Analyst bei der Rohstoffberatung Wood Mackenzie, rechnet für 2027 mit rund einer Million Tonnen zusätzlicher Produktion aus Indonesien.

Im Nahen Osten verteuern Transportprobleme die Erholung

Ein weiterer Teil des erwarteten Angebotszuwachses soll aus den Schmelzhütten am Persischen Golf kommen. Nach den kriegsbedingten Störungen erholt sich die Produktion dort allmählich. Allerdings beeinträchtigen die Folgen des Irankriegs weiterhin Transport und Versorgung. Auf den Nahen Osten entfallen rund neun Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten für Primäraluminium.

Für die Märkte außerhalb Chinas ist der Nahe Osten wesentlich bedeutender, als dieser globale Anteil vermuten lässt. Nach Angaben des IAI entfielen 2025 rund 23 % der außerhalb Chinas produzierten Primäraluminiummenge auf die Region. Nach Berechnungen von Kpler exportierten die Staaten des Golfkooperationsrats im selben Jahr mehr als 80 % ihrer Aluminiumproduktion.

CRU-Experte Ross Strachan erwartet, dass die regionale Produktion von 4,8 Mio. Tonnen 2026 auf 6,4 Mio. Tonnen 2027 steigt. Allerdings müssen die Hersteller weiterhin mit erheblichen Schwierigkeiten beim Transport ihrer Waren rechnen. Der Krieg beeinträchtigte bereits die Versorgung der Schmelzhütten mit wichtigen Rohstoffen. Betroffen waren Lieferungen von Aluminiumoxid, das in den Anlagen zu Metall verarbeitet wird, sowie von Bauxit für die vorgelagerten Raffinerien. Die Störungen erfassten damit sowohl den Rohstoffnachschub als auch die Ausfuhr des fertigen Aluminiums.

Um trotz der Einschränkungen in der Straße von Hormus weiterhin Lieferungen zu ermöglichen, nutzen Unternehmen alternative, aber teurere Transportwege. Kpler dokumentierte unter anderem Lastwagentransporte von den Häfen Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Sohar im Oman zu den Produktionsanlagen sowie die Umladung von Rohstoffen in Indien. Für die Abnehmer kann Aluminium daher teuer bleiben, selbst wenn weltweit mehr Metall produziert als verbraucht wird. Regionale Preisaufschläge spiegeln schließlich auch die Kosten und Schwierigkeiten der tatsächlichen Belieferung wider.

Das betrifft auch europäische Verarbeiter. Nach Angaben des Branchenverbands European Aluminium stammten 2025 rund 14 % der EU-Importe von Aluminiumprodukten aus der Golfregion. Anhaltende Transportprobleme können die Beschaffungskosten europäischer Unternehmen deshalb erhöhen, obwohl sich die weltweite Angebotslage insgesamt entspannt.

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Prognosen zum Überschuss gehen weit auseinander

Wie groß der erwartete Angebotsüberschuss 2027 tatsächlich ausfällt, hängt vor allem von den neuen Produktionskapazitäten und ihrer Lieferfähigkeit ab. CRU rechnet mit einem Plus von 1,4 Mio. Tonnen, nachdem für 2026 noch ein Defizit von 711.000 Tonnen erwartet wird.

Wood Mackenzie ist zurückhaltender. Die Rohstoffberatung prognostiziert für 2027 einen Überschuss von rund 500.000 Tonnen, nach einem Fehlbetrag von etwa 900.000 Tonnen im laufenden Jahr. Noch vorsichtiger ist Widmer von der Bank of America, der lediglich 239.000 Tonnen Überschuss erwartet.

Zum Vergleich: Weltweit wurden 2025 rund 73,8 Mio. Tonnen Primäraluminium produziert. Selbst die vergleichsweise hohe Überschussprognose von CRU entspricht damit weniger als zwei Prozent dieser Jahresproduktion. Schon relativ geringe Veränderungen im Verhältnis von Angebot und Nachfrage können die Preisentwicklung jedoch spürbar beeinflussen.

An den Metallbörsen ist die erwartete Entspannung bereits angekommen. Im Juni hatten Handelsstörungen infolge des Irankriegs und rückläufige Lagerbestände den Aluminiumpreis zunächst auf ein Vierjahreshoch steigen lassen. Anschließend gingen die Notierungen deutlich zurück. Im Oktober fiel der Preis unter 3.000 USD je Tonne und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Dezember. Die zusätzlichen Produktionsmengen sind allerdings noch nicht vollständig verfügbar. Ob sich dieser Rückgang fortsetzt, hängt auch davon ab, wie reibungslos der Kapazitätsausbau verläuft.

Für 2027 kommt es vor allem darauf an, wann die neuen indonesischen Schmelzhütten ihre geplante Produktion erreichen. Ebenso wichtig ist die Erholung der Aluminiumexporte aus dem Nahen Osten. Ein globaler Angebotsüberschuss verspricht zwar eine bessere Versorgung. Hohe Transportkosten und regionale Engpässe können jedoch dafür sorgen, dass die Entspannung bei den Abnehmern unterschiedlich stark ankommt.