NRC setzt Reformkurs bis weit ins Jahr 2027 fort

NRC setzt Reformkurs bis weit ins Jahr 2027 fort

Der umfassende Regelumbau der US-Atomaufsicht Nuclear Regulatory Commission (NRC) wird bis weit in das Jahr 2027 hineinreichen. Das sagte der NRC-Vorsitzende Ho Nieh am Dienstag bei der Generalkonferenz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) in Wien.

Ein Präsidentenerlass vom Mai 2025 hatte vorgesehen, die umfassende Überarbeitung der Vorschriften und Leitlinien binnen 18 Monaten abzuschließen. Der inzwischen veröffentlichte NRC-Fahrplan reicht jedoch darüber hinaus. Einige endgültige Regeln sollen Anfang 2027 erscheinen, weitere sind bis Ende März vorgesehen. Nieh kündigte entsprechend an, dass sich der Reformprozess noch deutlich in das kommende Kalenderjahr hineinziehen werde.

Der Umbau ist ein Schlüsselstück der US-amerikanischen Kernkraftstrategie. Präsident Donald Trump will die heimische Nuklearkapazität von rund 100 Gigawatt im Jahr 2024 auf 400 Gigawatt bis 2050 erhöhen. Die Energy Information Administration (EIA), die unabhängige Statistik- und Analysebehörde des US-Energieministeriums, erwartet zugleich einen weiter steigenden Strombedarf. Für 2026 und 2027 rechnet sie jeweils mit knapp zwei Prozent mehr Stromabsatz, vor allem wegen Rechenzentren und zusätzlicher Industrieproduktion. Langfristig modelliert die EIA je nach Szenario einen Anstieg der Stromnachfrage um 25 bis 50 % bis 2050. Elektrofahrzeuge und Rechenzentren stellen dabei 50 bis 80 % dieses Zuwachses.

US-Ausbaupläne erhöhen den Bedarf an Uran

Für den Uranmarkt ist das Ausbauziel relevant, selbst wenn die 400 Gigawatt zunächst eine politische Zielmarke sind. Mehr Reaktorkapazität erhöht bei vergleichbarer Auslastung und Reaktortechnik den Bedarf an Kernbrennstoff.

Schon 2025 kauften Betreiber ziviler US-Reaktoren knapp 47 Mio. Pfund U₃O₈-Äquivalent. Dabei stammten lediglich sieben Prozent der gelieferten Uranmengen aus den USA. Ende 2025 wies die EIA für die Jahre 2026 bis 2035 insgesamt 186,3 Mio. Pfund U₃O₈-Äquivalent als noch nicht durch bestehende Kaufverträge gedeckten Bedarf aus. Für den Uranmarkt würde ein erfolgreicher US-Reaktorausbau den langfristigen Beschaffungsbedarf zusätzlich erhöhen. Auch global steigt der Brennstoffbedarf bei wachsender Reaktorflotte.

Im World Nuclear Fuel Report 2025 schätzte der Branchenverband World Nuclear Association den weltweiten Reaktorbedarf für 2025 auf rund 68.920 Tonnen Uran. Im Referenzszenario würde der jährliche Bedarf bis 2040 auf etwas mehr als 150.000 Tonnen steigen.

18-Monats-Ziel soll Genehmigungen verkürzen

Der Präsidentenerlass von Mai 2025 enthielt eine weitere Vorgabe für neue Reaktoren. Über Anträge zum Bau und Betrieb soll die NRC spätestens binnen 18 Monaten endgültig entscheiden.

Parallel passte die Behörde ihre internen Vorgaben an. Für die abschließende Sicherheitsbewertung gilt seither dieselbe Zeitspanne. Die verbindliche Frist für die endgültige Entscheidung will die NRC erst in einem weiteren Regelverfahren festschreiben. Nieh betont zugleich, dass Sicherheit Vorrang vor dem Zeitplan habe. Benötige eine Prüfung mehr Zeit, werde die Behörde diese auch in Anspruch nehmen.

Zu den Reformen mit Terminen im Jahr 2027 gehören auch neue Regeln für Mikroreaktoren. Diese kleinen, fabrikgefertigten Anlagen sollen mit einem vereinfachten regulatorischen Rahmen leichter zugelassen werden.

Für dieses Regelwerk nennt die NRC den 26. Januar 2027. Die umfassendere Modernisierung der Reaktorlizenzierung ist für den 26. Februar angesetzt. Weitere endgültige Regeln stehen nach dem derzeitigen Fahrplan bis Ende März 2027 an.

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Politischer Streit um Unabhängigkeit der NRC

Die Nuclear Threat Initiative (NTI), eine US-Denkfabrik für nukleare Sicherheit, kritisiert den Reformkurs. Sie sieht die politische Unabhängigkeit und Aufsichtsbefugnis der NRC durch mehrere Regierungsanordnungen geschwächt.

Der US-Kongress schuf die NRC 1974 ausdrücklich als unabhängige Bundesbehörde. Seit einem Erlass vom Februar 2025 müssen jedoch auch unabhängige Regulierer bedeutende Regelakte einer Regulierungsprüfstelle im Präsidialamt zur Prüfung vorlegen. Die NTI nennt diese Vorgabe als einen Grund für ihre Kritik an der politischen Unabhängigkeit der NRC.

Nieh weist diese Bewertung allerdings zurück. Die NRC folge zwar allgemeinen politischen Vorgaben der Regierung, treffe ihre regulatorischen Entscheidungen aber weiterhin selbst. Aus seiner Sicht habe sich an dieser Verantwortung nichts geändert.