China könnte 2026 zum Nettoexporteur von Zink werden
China verändert zurzeit die Kräfteverhältnisse am Zinkmarkt. Bei raffiniertem Zink könnte das Land 2026 erstmals seit 2022 wieder Nettoexporteur werden. Im August stiegen die Ausfuhren auf 40.668 Tonnen, den zweithöchsten Monatswert seit fast zwei Jahrzehnten. Zugleich schrumpften die Einfuhren so stark, dass China nach acht Monaten bereits 4.388 Tonnen netto exportiert hatte.
Chinas Zinküberschuss trifft auf Knappheit
Hinter dem Umschwung stehen zwei konträre Entwicklungen. Chinas Hütten produzieren mehr Metall, während die schwache Bautätigkeit im Inland einen wichtigen Teil der chinesischen Zinknachfrage bremst. Rund 60 % des weltweit verbrauchten Zinks dienen dem Korrosionsschutz von Stahl. Veränderungen im Bau und bei verzinkten Stahlprodukten schlagen daher stark auf den Zinkbedarf durch. An der Shanghai Futures Exchange (SHFE) lagen die registrierten Zinkbestände am 30. September bei 143.527 Tonnen.
Der chinesische Gesamtverbrauch bricht allerdings nicht ein. Die Rohstofforganisation International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) erwartet 2026 sogar ein Nachfrageplus von 1,8 %. Gleichzeitig soll Chinas Produktion von raffiniertem Zink um 3 % wachsen, nach 6,7 % im Vorjahr. Die Produktion von raffiniertem Zink wächst damit stärker als der erwartete heimische Verbrauch.
Global ist die Lage weniger angespannt als an der Börse. Die ILZSG erwartet 2026 rund 14,00 Mio. Tonnen Nachfrage und 13,99 Mio. Tonnen Produktion. Den prognostizierten Fehlbetrag beziffert die ILZSG auf 19.000 Tonnen. Die LME-Knappheit lässt sich daher nicht aus der globalen Jahresbilanz allein erklären, sondern hängt auch von Standort und kurzfristiger Verfügbarkeit ab.
Preisgefälle zieht chinesisches Metall in LME-Lager
An der London Metal Exchange (LME) bleibt sofort verfügbares Zink teurer als Dreimonatsmaterial. Ende August sprang dieser Aufschlag zeitweise auf 215 USD je Tonne – eine sogenannte Backwardation, bei der Metall zur sofortigen Lieferung teurer ist als für einen späteren Liefertermin. Sie signalisiert knappe kurzfristige Verfügbarkeit und öffnete zugleich ein Preisfenster für chinesische Lieferungen.
Seit Mitte August gingen 35.000 Tonnen in LME-Lager in Hongkong. Weitere 21.250 Tonnen landeten in Singapur und 16.725 Tonnen im taiwanischen Kaohsiung. Diese drei Standorte vereinten im August rund 80 % der chinesischen Ausfuhren auf sich.
Der Zustrom erhöhte die registrierten LME-Bestände von 88.000 Tonnen Mitte August auf 126.975 Tonnen am vergangenen Montag. Am Dienstag stiegen sie weiter auf 127.275 Tonnen. Der offizielle Kassapreis lag an diesem Tag bei 3.803 USD je Tonne, der Dreimonatspreis bei 3.766 USD. Der Aufschlag betrug damit 37 USD. Gegenüber dem Höchststand der Backwardation Ende August hat sich die kurzfristige Enge deutlich verringert, besteht aber fort.
Mehr Metall in den LME-Lagern hatte die Preisrally zunächst gebremst. Anfang September erreichte der Dreimonatspreis mit 4.065 USD je Tonne ein Vierjahreshoch. Bis Anfang Oktober gab der Preis zeitweise auf rund 3.715 USD nach. Am 6. Oktober lag der offizielle Dreimonatspreis bei 3.766 USD je Tonne.
Knappe Konzentrate drücken die Hüttenmargen
Die chinesischen Exporte lindern vor allem die Knappheit bei raffiniertem Metall an bestimmten Handelsplätzen. Weiter oben in der Lieferkette bleibt das Angebot an Zinkkonzentrat angespannt. Die ILZSG erwartet für 2026 nur 0,3 % Wachstum der weltweiten Minenproduktion auf 12,55 Mio. Tonnen.
Das belastet Zinkverarbeiter, die Konzentrat von Minen zukaufen müssen. Üblicherweise erhalten die Betriebe für die Verarbeitung sogenannte Hüttenlöhne. Die Internationale Energieagentur (IEA) berichtet inzwischen von negativen Hüttenlöhnen bei Zink und Blei. Dabei erhalten die Schmelzbetriebe wirtschaftlich betrachtet keine Verarbeitungsvergütung mehr, sondern zahlt einen Aufpreis für das Konzentrat. Als Ursachen nennt die IEA knappes Konzentrat und rasch gewachsene Schmelzkapazitäten in China.
Für Hütten außerhalb Chinas verschärft sich dadurch der Wettbewerb um Zinkkonzentrat. Nach Einschätzung der IEA nimmt zugleich der wirtschaftliche Druck auf Basismetallhütten zu. Solche Anlagen liefern neben Zink oft weitere strategisch wichtige Nebenprodukte und übernehmen Recyclingfunktionen.
Europas Energiekosten verschärfen den Nachteil
Außerhalb Chinas sank die Produktion von raffiniertem Zink im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 3,4 %. In Europa erhöhen zugleich hohe Energiepreise und die begrenzte Verfügbarkeit von Konzentraten den Druck auf mehrere Produzenten.
Die Größenordnung des Energieproblems ist beträchtlich. Laut IEA lagen Strompreise energieintensiver EU-Industrien 2025 im Durchschnitt etwa doppelt so hoch wie in den USA. Gegenüber China und Indien lagen sie um mehr als 50 % höher.
Besonders sichtbar wird der Druck beim belgischen Zink- und Metallverarbeiter Nyrstar BE0974294267 A2AKN7, einem zu Trafigura gehörenden Zinkverarbeiter. Das Unternehmen überprüft seit Ende September die Zukunft seiner Hütte Budel in den Niederlanden. Die Prüfung soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein, während der Betrieb zunächst normal weiterläuft. Budel verliert laut Nyrstar jedes Jahr Geld.
Nyrstar verweist auf niedrige Hüttenlöhne, knappen Rohstoff und hohe Energiekosten. Zusätzlich fehle im niederländischen Haushalt 2027 eine Entlastung bei Netzkosten für energieintensive Betriebe. Das Unternehmen sieht Budel deshalb gegenüber Standorten in Nachbarländern strukturell benachteiligt. In Australien erhielt Nyrstar bereits staatliche Unterstützung für Modernisierungsstudien und Investitionen an den Standorten Hobart und Port Pirie.
Chinas Exportwelle löst nicht das Strukturproblem
Kurzfristig ist chinesisches Metall für den westlichen Markt willkommen. Es füllt LME-Lager, reduziert extreme Preisaufschläge und verschafft Käufern mehr sofort verfügbare Ware. Solange das Preisgefälle attraktiv bleibt, spricht wenig gegen weitere Lieferungen aus China.
Der Mechanismus hat jedoch eine Kehrseite. Eine schwächere westliche Hüttenproduktion kann die Abhängigkeit von importiertem raffiniertem Metall erhöhen. Gleichzeitig bleibt auch China auf ausreichend Minenkonzentrat angewiesen, dessen globale Produktion nur langsam wächst.
Der Zinkmarkt kennt derzeit zwei verschiedene Arten von Knappheit. Raffiniertes Metall lässt sich kurzfristig aus China in westliche Lager umlenken. Engpässe bei Rohstoff, Energie und wettbewerbsfähiger Verarbeitung lassen sich deutlich schwerer ausgleichen.
Für den Westen ist deshalb nicht allein der nächste chinesische Exportmonat von Bedeutung. Wichtiger ist, ob Hütten wie Budel unter veränderten Kostenbedingungen dauerhaft wirtschaftlich produzieren können. Andernfalls könnte Chinas Rolle als Lieferant wachsen, obwohl die ILZSG für 2026 bislang nur einen geringen globalen Fehlbetrag von 19.000 Tonnen prognostiziert.

