Sinkende LME-Bestände treiben Zink auf Vierjahreshoch
Zink hatte am Freitag vergangener Woche an der London Metal Exchange ein Vierjahreshoch erreicht. Zeitweise kostete die Tonne 3.955 USD, nachdem die verfügbaren Börsenbestände erneut stark geschrumpft waren. Der Dreimonatskontrakt stieg im offiziellen Präsenzhandel um 1,2 % auf 3.929 USD je Tonne. Zu diesem Zeitpunkt war Zink damit auf Kurs für ein August-Plus von 7,4 %.
Knappes LME-Metall treibt den Zinkpreis weiter
Der Preisanstieg wird vor allem durch die knappe sofortige Verfügbarkeit im LME-System getragen. Für die jüngste Bewegung spielt die globale Metallmenge eine geringere Rolle. Neue Auslagerungsaufträge über 19.125 Tonnen wurden überwiegend für Bestände in Singapur registriert.
Der für die sofortige Auslieferung verfügbare LME-Bestand sank auf 75.600 Tonnen. Das entspricht rund zwei Tagen des weltweiten Verbrauchs. Zugleich lag der Kassapreis fast 200 USD je Tonne über dem Dreimonatskontrakt. Diese sogenannte Backwardation zeigt, dass Käufer für sofort verfügbares Metall einen deutlichen Aufschlag zahlen.
Der globale Markt ist rechnerisch weniger angespannt. Nach Daten der zwischenstaatlichen Rohstofforganisation International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) bestand im ersten Halbjahr 2026 ein Überschuss von 120.000 Tonnen raffiniertem Zink.
Für das Gesamtjahr erwartet die ILZSG allerdings ein Defizit von 19.000 Tonnen. Bei einer prognostizierten Nachfrage von rund 14 Mio. Tonnen bleibt die Weltmarktbilanz damit nahezu ausgeglichen. Entscheidend ist dabei vor allem, wo das verfügbare Metall lagert.
Exporte bieten dem Londoner Markt ein Ventil
In China ist die Versorgungslage weniger angespannt. Die Zinkbestände an der Shanghai Futures Exchange gingen zuletzt zwar leicht zurück, lagen am Freitag mit 153.669 Tonnen aber weiterhin vergleichsweise hoch. Für den angespannten Londoner Markt ist das relevant, weil chinesische Exporte zusätzliche Mengen außerhalb des Landes verfügbar machen können. Solche Lieferungen haben die Sorgen vor einer Verknappung bereits teilweise gedämpft. Im Juli wurde China bei raffiniertem Zink wieder zum Nettoexporteur. Unter dem Strich führte das Land rund 4.100 Tonnen mehr aus als ein.
Auch in den LME-Lagern sind die ersten Zuflüsse sichtbar. Bis zum 25. August wurden rund 17.000 Tonnen neu als lieferbarer Bestand registriert, etwa zwei Drittel davon in Hongkong. Der hohe Londoner Preisaufschlag macht Lieferungen aus besser versorgten Regionen attraktiver. Fließt genügend chinesisches Metall in LME-Lager, kann der unmittelbare Angebotsdruck rasch nachlassen.
Auf dieses Risiko hatte auch der Rohstoffbroker Marex hingewiesen. Steigende Lagerbestände könnten die derzeitigen Spannungen nach Einschätzung des Hauses schnell abschwächen.
Rohstoffknappheit begrenzt die Entspannung
Am Anfang der Lieferkette bleibt die Versorgung mit Zinkkonzentrat allerdings angespannt. Die weltweite Zinkminenförderung wuchs von Januar bis Mai nur um 1,1 %. Im Gesamtjahr 2025 hatte der Zuwachs noch 4,8 % betragen.
Zugleich sank die Verarbeitungsgebühr für nach China importiertes Zinkkonzentrat laut Shanghai Metals Market auf minus 117,50 USD je Trockentonne. Üblicherweise zahlen Lieferanten des Konzentrats diese Gebühr an die Hütte für die Verarbeitung zu raffiniertem Metall. Bei einem negativen Satz kehrt sich die wirtschaftliche Zahlungsrichtung um: Die Hütte zahlt effektiv einen Aufpreis, um sich das Konzentrat zu sichern.
Der Markt wird von zwei gegenläufigen Kräften geprägt. Chinesische Exporte können den unmittelbaren Londoner Engpass entspannen, während knappes Konzentrat die künftige Produktion von raffiniertem Zink begrenzen könnte.
Ob der Zinkpreis die Marke von 4.000 USD nachhaltig überwinden kann, hängt auch von diesem Spannungsfeld ab. Bleiben die LME-Bestände knapp, erhält der Preis weiter Unterstützung. Beschleunigen sich dagegen die Lieferungen aus China, verliert das stärkste Argument des jüngsten Preisanstiegs an Gewicht. Der Zinkmarkt bleibt angespannt, ist aber keineswegs weltweit leergefegt.

