Sinkende Erzgehalte bei Escondida bremsen BHPs Kupferprognose
Konzernchef Brandon Craig sprach von einem der stärksten Jahre in der Unternehmensgeschichte, nachdem BHP AU000000BHP4 850524 für das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr sowohl eine Rekord-Eisenerzproduktion als auch das zweite Jahr in Folge mit rund 2 Mio. Tonnen Kupfer vermeldete. Die Eisenerzförderung stieg um 1 % auf einen Rekordwert von 265 Mio. Tonnen, die Kupferproduktion lag mit 1,95 Mio. Tonnen im Rahmen der eigenen Prognose. Die realisierten Preise lagen für beide Rohstoffe deutlich höher als im Vorjahr, bei Kupfer im Schnitt um 35 %. Trotz höherer Diesel- und Inputkosten blieb laut Unternehmen jede einzelne Produktionsstätte innerhalb der eigenen Kostenvorgaben.
Warum die Kupferprognose 2027 sinkt
Für das kommende Geschäftsjahr rechnet BHP nur noch mit 1,65 bis 1,8 Mio. Tonnen Kupfer, ein Rückgang von rund 15 %. Hauptgrund ist die Flaggschiffmine Escondida in Chile, wo der geplante Erzgehalt im Konzentrator von zuletzt 0,90 % auf etwa 0,70 % sinkt. Escondida produzierte im abgelaufenen Jahr 1,26 Mio. Tonnen Kupfer, 3 % weniger als im Vorjahr, für 2027 werden nur noch 1,0 bis 1,1 Mio. Tonnen erwartet.
Auch die Pampa-Norte-Minen Spence und Cerro Colorado verzeichneten mit 213.000 Tonnen einen Rückgang von 21 %. Bei Spence soll ein im Juni genehmigtes Aufrüstungsprojekt der Flotationsanlage ab dem Geschäftsjahr 2028 für höhere Ausbeuten sorgen. Bei Copper South Australia lief es dagegen besser. Die Sparte mit den Minen Olympic Dam, Prominent Hill und Carrapateena steigerte die Produktion um 2 % auf 321.000 Tonnen, Olympic Dam erreichte den höchsten Wert seit 20 Jahren. Ein Förderbandausfall bei Carrapateena im Juli dürfte die Produktion dort allerdings bis zu acht Wochen belasten. Auch die peruanische Mine Antamina lieferte mit 152.000 Tonnen Kupfer und 96.000 Tonnen Zink jeweils einen Rekordwert.
Jansen bleibt eine teure Altlast
Neben der Kupferprognose belastet auch das Kali-Projekt Jansen in Kanada die Jahresbilanz. Erst im Juni hatte BHP dort eine Kostenexplosion bei der zweiten Ausbaustufe eingeräumt, das Budget stieg um rund 2 Mrd. USD auf 6,9 Mrd. USD, ein Plus von 42 %. Das Unternehmen bucht dafür eine Wertminderung von etwa 2,3 Mrd. USD in die Jahreszahlen ein, der Produktionsstart der zweiten Stufe verschiebt sich um rund zwei Jahre auf das späte Geschäftsjahr 2031. Die erste Ausbaustufe von Jansen bleibt davon unberührt und soll wie geplant im kommenden Jahr die Produktion aufnehmen.
Wachstumsprojekte sollen die Lücke später schließen
Um die mittelfristige Kupferproduktion wieder zu steigern, treibt BHP mehrere Projekte parallel voran. Für Cerro Colorado wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht, die eine Wiederinbetriebnahme und eine Verlängerung der Minenlaufzeit um 20 Jahre vorsieht. In den USA baut der Konzern über die Beteiligung an Faraday und das eigene Projekt Resolution einen neuen Kupfer-Hub in Arizona auf, der BHP-Anteil an Faraday soll bis zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 auf rund 32,5 % steigen. Auch das argentinische Vicuña-Projekt kommt voran und erhielt die Zulassung im Rahmen des staatlichen Anreizprogramms für Großinvestitionen.
Eisenerz bleibt das verlässliche Standbein
Für 2027 rechnet BHP konzernweit mit 260 bis 272 Mio. Tonnen Eisenerz. Die westaustralischen WAIO-Minen sollen zwischen 286 und 298 Mio. Tonnen liefern, davon entfallen 253 bis 264 Mio. Tonnen auf den BHP-Anteil. Für das neue Ministers-North-Projekt in der Pilbara-Region investiert BHP zusammen mit den japanischen Partnern Itochu (ISIN: JP3143600009, WKN: 855471, 8 %) und Mitsui (ISIN: JP3893600001, WKN: 853656, 7 %) rund 900 Mio. USD. Das Projekt nutzt die bestehende Infrastruktur der Yandi-Mine mit und soll ab dem Geschäftsjahr 2029 jährlich 20 Mio. Tonnen Eisenerz liefern. In der Kohlesparte produzierte BHP im abgelaufenen Jahr 37,3 Mio. Tonnen Kokskohle und 16,4 Mio. Tonnen Energiekohle, für 2027 werden 37 bis 41 Mio. Tonnen beziehungsweise 14 bis 16 Mio. Tonnen erwartet.
Nach einem Jahr mit Rekorden bei Eisenerz und Kupfer zeigt der Ausblick auf 2027, wie stark BHPs Ergebnis inzwischen von einzelnen Minen wie Escondida abhängt. Die Wachstumsprojekte sollen diese Lücke erst in den kommenden Jahren schließen.

