Kupfer zwischen Marktlogik und Geopolitik

Kupfer zwischen Marktlogik und Geopolitik picture alliance / ZB / Jens Wolf / dpa

Der Kupfermarkt weist aktuell eine ambivalente Dynamik auf. Einerseits hat die ICSG ihre Erwartung für das laufende Jahr wegen schwächerer Minen- und Raffinerieproduktion gesenkt. Andererseits rechnet sie für 2026 nun nicht mehr mit einem Defizit, sondern mit einem kleinen Überschuss von 96.000 Tonnen. Diese Spannung erklärt, warum der Markt trotz eines Preises von rund 13.000 USD je Tonne keine klare Richtung findet.

Andy Home, Kolumnist der Nachrichtenagentur Reuters zu Metall- und Rohstoffmärkten, hatte sich diesem Thema gewidmet. Hohe Preise am weltweit wichtigsten Handelsplatz für Industriemetalle, der London Metal Exchange (LME), sprechen für Knappheit. Volle Lagerbestände an den Börsen und ein ausgeprägter Contango – also höhere Preise für spätere Lieferungen als für kurzfristige – deuten dagegen auf ein komfortables Angebot hin.

Die neue Prognose zeigt ein extrem ausgeglichenes Marktbild

Nach Einschätzung der ICSG wächst die weltweite Minenproduktion 2026 nur noch um 1,6 % statt wie im Oktober erwartet um 2,3 %. Belastet wird das Angebot weiter von früheren Ausfällen in Chile, Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo. Auch die Raffinerieproduktion dürfte mit plus 0,4 % nur schwach zulegen.

Das wäre isoliert betrachtet ein klares Preissignal nach oben. Gleichzeitig hat die Studiengruppe aber auch ihre Prognose für den Kupferverbrauch zurückgenommen. Statt um 2,1 % soll die Nachfrage nun nur noch um 1,6 % steigen. Als Grund nennt sie die Iran-Krise, die den weltwirtschaftlichen Ausblick eintrüben und damit auch den Metallbedarf der Industrie dämpfen dürfte.

Gemessen an einem erwarteten Jahresverbrauch von rund 29 Mio. Tonnen ist der nun prognostizierte Überschuss von 96.000 Tonnen zwar klein. Er reicht aber aus, um die frühere Defiziterwartung zu kippen. Das Bild bleibt damit extrem labil. Schon kleine Änderungen auf der Angebots- oder Nachfrageseite können den Markt in die eine oder andere Richtung drücken.

Der große Überschuss aus dem Vorjahr wirkt noch immer nach

Noch deutlicher wird das mit dem Blick zurück. Für 2025 errechnet die ICSG inzwischen einen Angebotsüberschuss von 455.000 Tonnen. Im Oktober hatte sie erst 178.000 Tonnen erwartet. Diese kräftige Revision erklärt, warum heute so viel Metall in Börsenlagern liegt.

Treiber war vor allem die stärkere Raffinerieproduktion. Weltweit stieg sie 2025 im Vergleich zu 2024 um 4,5 %. Zuvor war nur mit 3,4 % gerechnet worden. Besonders China erhöhte die Produktion kräftig. Nach Angaben der australischen Investmentbank Macquarie Bank kamen dort im vergangenen Jahr rund 9 % mehr Ausstoß hinzu, was etwa 1 Mio. Tonnen zusätzlich entspricht.

Ein erheblicher Teil dieses Überschusses floss in die Bestände der Terminbörsen, vor allem in den Vereinigten Staaten. Dort zog die Aussicht auf mögliche Importzölle zusätzlich Metall an. Die Bestände an den Börsen sind zwar im April nach saisonaler Nachfrage aus China zurückgegangen. Mit rund 1,3 Mio. Tonnen liegen sie aber weiter auf historisch hohem Niveau und damit um 800.000 Tonnen über dem Stand zu Jahresbeginn 2025.

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Der Preis folgt derzeit stärker dem Kapital als den Lagerbeständen

Dass Kupfer trotz dieser Vorräte so teuer bleibt, hat laut Reuters derzeit viel mit Finanzinvestoren zu tun. Die spekulative Kaufwelle vom Januar ist zwar abgeflaut. Ganz verschwunden ist sie aber nicht. Am Terminmarkt der US-Terminbörse CME (Chicago Mercantile Exchange) hielten Vermögensverwalter zuletzt netto 59.132 Long-Kontrakte. Das ist der höchste optimistische Stand seit Mitte Januar.

Auch an der chinesischen Terminbörse SHFE (Shanghai Futures Exchange) bleibt das Interesse hoch. Dort lag das Open Interest im Kupferkontrakt zuletzt bei 520.000 Kontrakten. Der Markt wird damit nicht nur von Hütten, Minen und verarbeitender Industrie bewegt, sondern ebenso von der Frage, wie Anleger den geopolitischen Konflikt und seine wirtschaftlichen Folgen einschätzen.

Doch hierin liegt derzeit der zentrale Unsicherheitsfaktor. Die Schließung der Straße von Hormus kann Kupfer stützen, weil sie die Versorgung mit Schwefel belastet, der für Schwefelsäure und damit für Teile der Kupferproduktion wichtig ist. Dieselbe Krise kann den Preis aber ebenso bremsen, wenn höhere Energiekosten die Konjunktur und damit die Kupfernachfrage schwächen. Kupfer bleibt damit ein Markt, in dem Knappheit und Überfluss gleichzeitig sichtbar sind.