Chiles Kupfersektor im Kreuzfeuer zwischen USA und China
Der in Chile tätige Kupferexplorer- und Developer Red Metal Resources CA75679D2023 A40DG3 unterzeichnete Mitte Mai einen Pachtvertrag mit dem Kleinbergbauunternehmen Minera KMT. Red Metal verpachtet die Abbaurechte aus der Mineralienkonzession Farellon 1/8, einer 66 Hektar großen Konzession innerhalb des größeren, 3.278 Hektar großen Kupfer-Gold-Kobalt-Projekts Carrizal des Unternehmens in der chilenischen Atacama-Region ist, für zunächst fünf Jahre.
Red Metal Resources lässt 2.500 Tonnen pro Monat abbauen
Die Vereinbarung schreibt nach einer siebenmonatigen Entwicklungsphase eine monatliche Mindestproduktion von 2.500 abgebautem Gestein vor. Red Metal bzw. die involvierte Tochtergesellschaft erhält im Gegenzug monatliche Einnahmen in Höhe von 10 % aus allen Verkäufen von Kupfer, Silber und Gold sowie 15 % aus den Verkäufen von Kobalt, wobei die Verkäufe um branchenübliche Lizenzgebühren gekürzt werden.
Das Produktionspotenzial ist durch historische Daten recht gut skizziert. Im Zeitraum 2015–2017 wurden exakt 12.905 Tonnen Erz mit einem Gehalt von 528.168 Pfund Kupfer, 2.829 Unzen Silber und 95 Unzen Gold gefördert. Dies entspricht 1,86 % Kupfer, 7,8 Gramm Silber und 0,23 Gramm Gold pro Tonne.
Die Kupferproduktion ist derzeit eines der am heftigsten diskutierten Themen in Chile. Laut Daten der chilenischen Zentralbank ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 0,5 % gesunken, obwohl ein leichter Anstieg erwartet worden war. Der Rückgang folgte auf ein Wachstum von 1,6 % Ende 2025 und war der stärkste jährliche Rückgang seit Ende 2022. Ein wesentlicher Grund war das schwache Ergebnis im wichtigsten Sektor der Andenrepublik, dem Bergbau. Die Fördermenge dort sank im Jahresvergleich um 3,1 %, wobei die Daten auf Probleme im Kupferbereich hinweisen, darunter geringere Erzgehalte, schlechtes Wetter und Wartungsausfälle.
Für den neu gewählten Präsidenten José Antonio Kast ein zugleich schwacher und unbeteiligter Start ins am 11. März angetretene Amt. Kast hatte im Wahlkampf "zwei Jahrzehnte Stagnation" in der Kupferproduktion des Landes kritisiert und einen wirtschaftlichen Aufschwung versprochen, der ohne das am Weltmarkt begehrte Industriemetall illusorisch erscheint.
Präsident Kast will Kupferbergbau mit Reformen beleben
Seine Instrumente: höhere Effizienz und mehr Rechtssicherheit bei Umweltverträglichkeitsprüfungen, neue Richtlinien und Verfahren zur Beschleunigung dieser Genehmigungen, ein digitales Informationsportal für den Bergbau mit wichtigen Brancheninformationen für die Öffentlichkeit und Unternehmen und ein von 27 % auf 23 % sinkender Körperschaftsteuersatz.
Zu den ersten Amtshandlungen zählen Umstrukturierungen beim staatlichen Bergbaukonzern Codelco, dem größten Kupferproduzenten weltweit. Kast ernannte den Wirtschaftswissenschaftler Bernardo Fontaine zum neuen Vorsitzenden und Nachfolger von Máxime Pacheco. Außerdem wurden Luz Granier und Alejandro Canut de Bon zu neuen Vorstandsmitgliedern ernannt.
Fontaine war ein enger Berater von Kasts Wahlkampagne 2025 und ehemaliges Mitglied des Verfassungskonvents. Seine Ernennung ist das bisher deutlichste Zeichen für den Kurswechsel der Kast-Regierung hin zu einer marktorientierten Unternehmensführung beim staatlichen Kupferkonzern. Dieser hat in den vergangenen vier Jahren unter Kasts Vorgänger Boric 7 Mrd. USD an den chilenischen Staat überwiesen – und seine Verschuldung um mehr als diesen Betrag gesteigert. Fontaine sieht Codelco dadurch "schwer belastet" und sieht eine Lösung in öffentlich-privaten Partnerschaften.
Umstrukturierungen bei Codelco und steigender Strombedarf
Der chilenische Kupfersektor steht vor wesentlichen Herausforderungen wie einem Investitionsrückstand in vielen Minen. Auch der Stromverbrauch des Sektors steigt rasant – vor allem im Zusammenhang mit der Entsalzung von Meerwasser. Laut einem Bericht der chilenischen Kupferkommission Cochilco wird der Verbrauch im Jahr 2034 voraussichtlich 5,4 TWh erreichen, was einem Anstieg von 60 % gegenüber den im Jahr 2025 verbrauchten 3,4 TWh entspricht. Bis 2034 dürfte die Meerwasserentsalzung (Entsalzung, Pumpen) nach den Aufbereitungsanlagen der zweitenergieintensivste Prozess sein. Laut Cochilco dürfte der Stromverbrauch im Kupferbergbau-Segment im Jahr 2034 33,2 TWh erreichen, gegenüber 27,6 TWh im Jahr 2025.
Doch ein noch größeres Problem für Kast könnte der Spagat zwischen Washington und Peking werden. Am 12. März, seinem ersten vollen Tag als Präsident, unterzeichnete Kast eine gemeinsame Erklärung mit den USA zu kritischen Mineralien und Seltenen Erden. Chile verfügt zwar nur über geringe Vorkommen an Seltenen Erden, beherbergt aber rund ein Drittel der globalen Lithiumreserven.
Die politische Botschaft (rechtlich ist die Erklärung nicht bindend) war vor allem aus Sicht Pekings nicht zu überhören. Chile stellt sich im vielleicht bedeutendsten Konflikt des Jahrhunderts an die Seite Washingtons. Analyst Matías Pinto von GeoGig Consulting kommentierte: "Es geht hier nicht nur um eine Bergbaufrage, sondern um eine frühe Entscheidung der Regierung Kast, auf die USA zuzugehen."
Das Problem: China ist in Chile wie auch in anderen südamerikanischen Ländern tief verwurzelt. Peking kauft 75 % des chilenischen Kupfers und einen ähnlichen Anteil des Lithiums, kontrolliert 60 % der chilenischen Stromverteilung und nimmt 90 % der chilenischen Kirschexporte ab. 40 % der Fahrzeuge auf Chiles Straßen stammen aus chinesischer Produktion. Kurz: Kast kann sich einen echten Bruch mit der Volksrepublik nicht leisten.
Für Kupferunternehmen wie Red Metal Resources spielen die geopolitischen Herausforderungen des Präsidenten keine Rolle. Die Branche rechnet mit signifikanten Erleichterungen durch die neue Regierung. CEO Caitlin Jeffs jedenfalls ist zuversichtlich, einen reibungslosen Erzabbau in Wege geleitet zu haben. Das hochgradige kupferhaltige Erz in Carrizal sei "leicht zugänglich".
Mit dem Deal verschafft sich das Unternehmen einen stetigen Cashflow – eine Rarität in der Explorationsbranche. Die weitere Entwicklung des Projekts kann dadurch mit einer geringeren Verwässerung erfolgen. Dies könnte in Verbindung mit besseren Rahmenbedingungen unter der Regierung Kast und der allgemein hohen Nachfrage nach den explorierten Metallen eine Neubewertung des an der Börse derzeit mit gut 3 Mio. EUR bewerteten Unternehmens nach sich ziehen.