Sinkende Erzgehalte bremsen die Förderung bei stabilen Konzernbilanzen
Die Kupferbranche präsentiert sich im ersten Quartal 2026 gespalten. Rekordnahe Preise bescheren den Unternehmen kräftig steigende Gewinne. Gleichzeitig sinkt jedoch das Aufkommen an Kupferkonzentrat, da geringere Erzgehalte und operative Ausfälle die Produktion belasten. Eine Analyse des Branchendienstes Fastmarkets untermauert diesen Widerspruch zwischen starken Finanzdaten und einer stockenden physischen Versorgung.
Diese Entwicklung prägt auch die Ergebnisse von Atlas Mining. Der philippinische Produzent steigerte den Nettoumsatz im ersten Quartal 2026 auf 4,73 Milliarden philippinische Peso (PHP, das entspricht rund 77,0 Millionen USD). Im Vorjahr waren es noch 4,15 Milliarden PHP (rund 67,6 Millionen USD). Nach einem Vorjahresverlust verbuchte der Konzern einen Nettogewinn von 645 Millionen PHP (10,5 Millionen USD). Das operative Ergebnis (EBITDA) kletterte auf 2,17 Milliarden PHP (35,3 Millionen USD). Gleichzeitig sank der Ausstoß der Tochtergesellschaft Carmen Copper um 19 Prozent auf 26.000 Tonnen Kupferkonzentrat. Ein um 34 Prozent höherer Kupferpreis von 5,77 USD je Pfund kompensierte diesen Rückgang.
Höhere Erträge trotz sinkender Fördermengen
Ein ähnliches Bild zeigt Capstone Copper CA14071L1085 A3DH8D. Der Bergbaukonzern registrierte auf Mantoverde im ersten Quartal einen Produktionsrückgang um 16 Prozent auf 19.018 Tonnen Kupfer. Ein 35-tägiger Streik zu Jahresbeginn legte den Betrieb zeitweise lahm. Zudem verarbeitete das Werk während des Ausfalls geringere Lagerbestände. Ungeachtet dieser Belastungen erwirtschaftete das Unternehmen ein bereinigtes EBITDA von 329,1 Millionen USD. Das Management bestätigt die Jahresprognose von 200.000 bis 230.000 Tonnen.
Hudbay Minerals CA4436281022 A0DPL4 verzeichnet eine ähnliche Kluft zwischen operativer Leistung und finanziellem Erfolg. Das Unternehmen erzielte ein Rekord-EBITDA von 421,9 Millionen USD sowie einen bereinigten Nettogewinn von 159,1 Millionen USD. Die Förderung sank jedoch, da der hochgradige Bereich der Pampacancha-Mine Ende 2025 auslief. Negative Cash-Costs (die Nettoförderkosten nach Abzug von Nebenerträgen) von minus 1,80 USD je Pfund belegen die enorme Stützwirkung der hohen Edelmetallpreise.
Eine Ausnahme im Branchenumfeld bildet MMG HK1208013172 A0BLUG. Die peruanische Las-Bambas-Mine steigerte den Kupferausstoß um sechs Prozent auf 101.003 Tonnen. Höhere Erzgehalte aus der Ferrobamba-Grube und eine verbesserte metallurgische Ausbeute trieben das Wachstum an. Auch Taseko Mines CA8765111064 893384 erhöhte die Produktion in der Gibraltar-Mine auf 29,2 Millionen Pfund. Neben einer schwachen Vorjahresbasis half der planmäßige Abbau im dortigen Connector-Pit.
Negative Schmelzlöhne offenbaren Rohstoffmangel
Der Markt für Kupferkonzentrat spiegelt den Mangel noch schärfer wider als die reine Förderung. Die Schmelz- und Raffinationslöhne brachen Mitte Mai auf minus 128,70 US-Dollar je Tonne ein. Da die Hüttenwerke mangels Masse um das Material konkurrieren, müssen sie den Minenbetreibern inzwischen für die Abnahme zuzahlen. Die Verhandlungsmacht im Sektor verschiebt sich damit vollständig auf die Produzentenseite.
Die Quartalsergebnisse der Konzerne bestätigen diese Entwicklung. Hudbay verbuchte im ersten Quartal nur noch 3,1 Millionen USD für die Weiterverarbeitung, verglichen mit 14,0 Millionen USD im Vorjahr. In Peru drehte diese Bilanzposition sogar mit 1,6 Millionen USD ins Minus. Taseko meldete für die Gibraltar-Mine ebenfalls extrem niedrige, teils negative Vertragskonditionen. MMG realisierte im ersten Quartal 2026 am Spotmarkt durchschnittliche Sätze von minus 79,50 USD je Tonne.
Die erhebliche Kostenentlastung entfaltet ihre Wirkung vor allem durch das hohe Preisniveau des Industriemetalls. Der offizielle Kassapreis an der London Metal Exchange kletterte per 26. Mai 2026 auf 13.570 USD je Tonne. Abnehmer zahlen somit historische Höchstpreise für das physische Metall. Gleichzeitig spiegeln die Notierungen den Mangel im vorgelagerten Konzentratgeschäft wider.
Anhaltender Kostendruck trotz hoher Notierungen
Die hohen Notierungen können operative Probleme nicht gänzlich ausgleichen. Capstone verzeichnet Mehraufwendungen durch geringere Fördermengen, intensive Wartungsarbeiten sowie gestiegenen Bohrbedarf in härterem Gestein. Taseko meldet für den Standort Gibraltar ebenfalls anziehende Betriebskosten. Branchenweit verteuern gestiegene Preise für Schwefelsäure, Diesel und Sprengstoffe die Produktion nachhaltig.
Unter diesen Vorzeichen gewinnen Beiprodukte massiv an Bedeutung. Höhere Notierungen für Gold und Silber milderten bei Capstone den Margendruck ab. Hudbay drückte die operativen Gesamtkosten dank sprudelnder Nebenerträge sogar unter die Nullgrenze. Taseko verbuchte zusätzliche Erlöse durch das Industriemetall Molybdän. Die starken Quartalsbilanzen basieren somit auf einer breiten Rohstoffrally und hängen keineswegs allein vom Kupferpreis ab.
Angebotszuwachs erst ab 2027 spürbar
Eine rasche Entspannung des Angebotsengpasses zeichnet sich nicht ab. Capstone plant die finale Investitionsentscheidung für das 2,3 Milliarden USD schwere Santo-Domingo-Projekt im vierten Quartal 2026. Gleichzeitig optimiert das Management das Werk Mantoverde. Die Branche investiert zwar, doch das zusätzliche Angebot erreicht den Markt erst verzögert.
Hudbay verfolgt diese Strategie in größerem Maßstab. Der Einstieg von Mitsubishi beim Projekt Copper World stärkt die Konzernliquidität. Die Machbarkeitsstudie soll Mitte 2026 vorliegen, die finale Projektfreigabe folgt voraussichtlich Ende des Jahres. MMG plant unterdessen, die jährliche Kapazität der Khoemacau-Mine bis 2028 auf 130.000 Tonnen Kupferkonzentrat auszuweiten. Taseko steigert am Standort Florence zwar die Kathodenproduktion auf bis zu 35 Millionen Pfund, entlastet damit jedoch den reinen Konzentratmarkt nicht.
Diese jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass hohe Marktpreise und minimale Schmelzlöhne operative Schwächen temporär überdecken. Dieser finanzielle Puffer schafft jedoch keine neuen Kapazitäten am physischen Markt. Solange Minen geringe Erzgehalte verarbeiten und Großprojekte erst ab 2027 greifen, bleibt die Versorgungslage angespannt. Die Verknüpfung aus Ertragsstärke und physischem Defizit bestimmt das Marktgeschehen der kommenden Quartale.

