BHPs Rekordlauf gerät am Hafen ins Stocken

BHPs Rekordlauf gerät am Hafen ins Stocken BHP

Der australische Bergbaukonzern BHP AU000000BHP4 850524 steht am größten Eisenerz-Exporthafen der Welt vor einem zweitägigen Arbeitskampf. Rund 150 Beschäftigte wollen am Wochenende die Verladung stoppen.

Der Ausstand trifft Port Hedland, die zentrale Ausfuhrschleuse für Eisenerz aus der westaustralischen Pilbara-Region. Über die dortigen Anlagen verschifft BHP täglich Erz im Wert von rund 80 Mio. USD. Am kommenden Samstag, 8. August, gilt zunächst ein 24-stündiges Verladeverbot. Am Sonntag folgt ab 05:30 Uhr Ortszeit ein vollständiger Arbeitsstopp für weitere 24 Stunden.

Australische Medien beziffern den möglichen Tagesausfall auf 120 Mio. AUD. Zum von BHP gemeldeten durchschnittlichen Wechselkurs entspräche das rund 82 Mio. USD. Die Summe beschreibt verzögerte Fracht. Der endgültige Umsatzschaden hängt von späteren Verschiffungen ab.

Der Lohnkonflikt reicht über Port Hedland hinaus

Der Gewerkschaftsverbund Combined Ports Unions rechnet mit Verzögerungen bei 16 Verschiffungen. Der Konflikt schwelt seit mehr als sieben Monaten. Verhandelt wird über einen neuen Tarifvertrag mit vierjähriger Laufzeit für rund 450 Beschäftigte in Betrieb und Instandhaltung.

Die Gewerkschaften verlangen verbindliche Zusagen zu Löhnen und Arbeitsbedingungen. Sie verweisen auf extreme Hitze, lange Schichten und die häufige Trennung der Beschäftigten von ihren Familien. Die Gewerkschaften beanstanden niedrigere Grundlöhne mit leistungsabhängigen Aufschlägen. BHP bietet nach eigenen Angaben 16 % mehr Lohn.

Der Streit über Grundlöhne und leistungsabhängige Aufschläge besitzt auch regulatorische Bedeutung. Nach Angaben der australischen Arbeitsrechtsaufsicht Fair Work Ombudsman können Anordnungen die Vergütung von Leiharbeitern an den Tarifvertrag des Einsatzbetriebs binden. Bei der Berechnung des geschützten Entgelts werden neben dem Grundlohn auch Zulagen, Überstunden und Boni berücksichtigt.

Die erste achtstündige Arbeitsniederlegung am 16. Juli beeinträchtigte den Hafen kaum. BHP verlud laut ABC – dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Australiens – sieben Schiffe. Branchenvertreter zählten 63 Streikende, die Gewerkschaften sprachen von rund 200. Der Arbeitsmarktforscher Alexis Vassiley von der Edith Cowan University ordnet die Aktion als ersten BHP-Streik in der Pilbara seit 2000 ein. Er sieht einen möglichen Präzedenzfall für die gesamte Region.

Das jüngste Gespräch brachte zwar nach Darstellung beider Seiten Fortschritte. Wesentliche Punkte bleiben jedoch offen, weshalb die Gewerkschaften an den angekündigten Maßnahmen festhalten. BHP will am 18. August ein überarbeitetes Angebot vorlegen und seine Jahreszahlen veröffentlichen. Die Arbeitsmarktbehörde Fair Work Commission begleitet die Verhandlungen.

Rekordmengen erhöhen den Einsatz für beide Seiten

BHP förderte im abgelaufenen Geschäftsjahr rekordhohe 265 Mio. Tonnen Eisenerz. Für das neue Jahr stellt der Konzern 260 bis 272 Mio. Tonnen in Aussicht. BHP führt den Rekord auf höhere Leistung entlang seiner Förder-, Bahn- und Hafenkette zurück.

Der Hafen wickelte im Jahr bis Juni 75 Prozent der Eisenerzexporte aus der Pilbara-Region ab. Die staatliche Hafenbehörde Pilbara Ports meldete für Port Hedland einen Rekordwert beim Gesamtumschlag von 580,4 Mio. Tonnen. Entsprechend sensibel ist jede Störung an diesem Knotenpunkt. BHP hat Vorkehrungen angekündigt, während andere dort aktive Bergbauunternehmen unberührt bleiben sollen.

Chinas Stahlflaute drückt auf den Eisenerzpreis

Der drohende Engpass fällt mit einer ausgesprochen schwachen Marktphase zusammen. Eisenerz-Terminkontrakte sanken in Singapur zeitweise um 1,9 % auf 94,10 USD je Tonne. Das war der niedrigste Stand seit Anfang Juli 2025.

Der wichtigste Kontrakt in Dalian verlor fast drei Prozent. Der Leitkontrakt verzeichnete bereits drei Monatsverluste in Folge. Auch die in Yuan gehandelten Stahlkontrakte in Shanghai gaben nach. Der Dalian-Kontrakt bildet Preiserwartungen für Eisenerz ab, die Shanghai-Kontrakte jene für Stahlprodukte. Zusammen zeigen sie, wie Händler Rohstoffnachfrage und Ertragsaussichten der Stahlwerke einschätzen.

Belastet wird der Markt vor allem durch die schwache chinesische Stahlkonjunktur. Die Margen der Hütten gingen weiter zurück. Zugleich sank die Roheisenproduktion vier Wochen in Folge.

Das chinesische Statistikamt meldete für Juli einen Einkaufsmanagerindex der Industrie von 49,2 Punkten. Damit schrumpfte die Industrieaktivität erstmals seit fünf Monaten. Chinas Bauwirtschaft fiel auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Pandemie. Der Immobilienabschwung, schwache Inlandsnachfrage und Unwetter bremsen die Aktivität zugleich.

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Simandou erhöht den Druck auf Australiens Erzexporte

Peking hat höhere Staatsausgaben zugesagt, bislang jedoch kein großes Konjunkturpaket aufgelegt. Zusätzlicher Angebotsdruck kommt vom guineischen Eisenerzprojekt Simandou. Dieses wird von zwei Konsortien entwickelt: Der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto GB0007188757 852147 führt SimFer für die Blöcke 3 und 4. Winning Consortium Simandou betreibt die Blöcke 1 und 2. Marktbeobachter erwarten dort 2026 bereits bis zu 15 Mio. Tonnen Exportmenge. Eine kurze Störung in Port Hedland trifft deshalb auf einen wachsenden globalen Angebotspuffer.

Zweifel an Radiant belasten den Rohstoffhandel

Zusätzliche Nervosität erzeugen Vorgänge im Rohstoffhandel. Der niederländisch-schweizerische Energie- und Rohstoffhändler Vitol und der US-amerikanische Agrar- und Rohstoffkonzern Cargill stoppten ihre Geschäfte mit dem singapurischen Rohstoffhändler Radiant World. Auslöser sind Bedenken wegen möglicher gefälschter Rechnungen.

Dem Finanznachrichtendienst Bloomberg zufolge steuerte Radiant World 2025 auf 65 bis 70 Mio. Tonnen Jahresvolumen zu. Das erklärt, weshalb Zweifel an einem einzelnen Händler den Gesamtmarkt bewegen können. Rohstoffkredite werden häufig durch Rechnungen und Frachtpapiere besichert. Unstimmigkeiten fielen auf, als Banken diese Dokumente bei Geschäftspartnern prüften.

Radiant World weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen erklärt, der Geschäftsbetrieb laufe normal und erfülle alle Prüfpflichten gegenüber Kreditgebern. Auffälligkeiten am physischen Kassamarkt wurden bislang nicht beobachtet.

Dennoch verschärfen die Sorgen um Liquidität die ohnehin fragile Stimmung. Ein längerer Hafenausfall könnte den Preis kurzfristig stützen. Die aktuelle Preisschwäche folgt Chinas Nachfrageflaute und den Liquiditätssorgen im Handel.

Damit trifft ein lokales Angebotsrisiko auf globale Nachfrageschwäche. Für BHP entscheidet das Wochenende, ob Vorsorgemaßnahmen die angekündigten Verzögerungen auffangen können.