Sambias Kupferkette gerät durch Schmelzenstillstände gefährlich unter Druck
Längere Stillstände bei zwei der größten Kupferschmelzen Sambias verschärfen in diesem Jahr den Druck auf die Kupferproduktion in der Region. Wie Reuters unter Berufung auf Branchenquellen berichtet, stehen bei Mopani und Chambishi deutlich längere Wartungsphasen an als die üblichen rund 30 Tage. Brisant ist das nicht nur für Fördermengen, sondern auch für die Versorgung mit Schwefelsäure, einem zentralen Hilfsstoff bei der Verarbeitung von Kupfer- und Kobalterzen.
Der Engpass trifft einen Markt, der ohnehin angespannt ist. Störungen im Nahen Osten haben die globale Versorgung mit Schwefelsäure und anderen Laugungschemikalien bereits belastet. Minen in der Demokratischen Republik Kongo, dem weltweit führenden Kobalt- und zweitgrößten Kupferproduzenten, fahren ihren Verbrauch demnach schon zurück oder prüfen Produktionskürzungen.
Die Region verliert einen Teil ihrer Chemikalienbestände
Sambias Schmelzen erzeugen laut Bergbauministerium pro Jahr rund 2 Mio. t Schwefelsäure, überwiegend als Nebenprodukt. Der größte Teil geht an heimische Minen, Überschüsse werden in die Demokratische Republik Kongo geliefert. Genau diese Vorräte an Chemikalien scheinen nun weitgehend aufgebraucht zu sein.
Laut Anthony Mukutuma, Landesdirektor von First Quantum Minerals CA3359341052 904604, seien die Bestände in Sambia so knapp, dass faktisch kaum noch Exportkapazitäten bestünden. Das ist für die Nachbarländer heikel, weil viele Kupfer- und Kobaltbetriebe auf stetige Säurelieferungen angewiesen sind, um Erze überhaupt wirtschaftlich lösen zu können.
Vor allem Mopani kämpft mit aufgestauter Wartung
Besonders im Fokus steht Mopani Copper Mines. Nach Angaben eines von Reuters zitierten Bergbau-Managers soll die Anlage im Juni zunächst für drei Tage stillstehen. Zwischen August und Mitte September sei dann eine verlängerte Betriebsunterbrechung von etwa 40 bis 45 Tagen geplant. Ein Chemikalienhändler rechnet zudem damit, dass Chambishi bis August für rund zwei Monate ausfällt.
Dass die Lage so heikel ist, liegt auch an der Vorgeschichte. Mopani wurde über längere Zeit nicht ausreichend gewartet. Gleichzeitig produziert die Mine deutlich unter ihrer Kapazität von 225.000 t Kathodenkupfer. Gründe dafür sindUnterinvestitionen in den vergangenen Jahren und einen Mangel an Kupferkonzentrat. Hinzu kommt, dass der Mehrheitseigner International Resources Holding seit dem Einstieg bei Mopani zugleich Erschließung und Abbau vorantreibt, was zwischenzeitlich weitere Unterbrechungen auslösen kann.
Die Regierung schützt den Heimatmarkt vor weiteren Abflüssen
Sambia hat die Ausfuhr von Schwefelsäure in diesem Monat zusätzlich reguliert. Händler müssen nun Genehmigungen einholen, um Säure exportieren zu können. Aus Sicht der Regierung soll das die heimische Industrie schützen. Für den regionalen Markt bedeutet das aber vor allem eines: mehr Knappheit und weniger Flexibilität.
Die Verschärfung fällt in eine Phase, in der das Angebot am Kupfermarkt ohnehin fragiler wird. Sambia blieb 2025 mit 890.346 t Kupfer unter seinem Ziel von 1 Mio. t. Auch aus der Demokratischen Republik Kongo meldet Reuters rückläufige Kupferexporte im ersten Quartal. Für den Markt ist das mehr als ein rein technischer Wartungsvorgang. Wenn Schmelzen stillstehen, fehlt nicht nur Metall, sondern auch ein chemischer Grundstoff, ohne den ein großer Teil der Wertschöpfung in Zentralafrika ins Stocken gerät.
Noch ist offen, wie stark die tatsächlichen Produktionsausfälle am Ende ausfallen. Klar ist aber schon jetzt, dass der Engpass nicht isoliert bleibt. Er zieht sich durch die Lieferkette, von der Schmelze über die Säure bis in die Minen der Region. Genau darin liegt die eigentliche Relevanz dieser Meldung.

