Chinesische Rekordschmelze treibt Kupfermarkt

Chinesische Rekordschmelze treibt Kupfermarkt picture alliance / photothek / Thomas Trutschel

Chinas Importe von raffiniertem Kupfer dürften im zweiten Quartal spürbar steigen. Marktbeobachter führen dies auf eine robuste Nachfrage aus dem Stromnetz- und Elektromobilitätssektor zurück, die auf eine potenziell schwächere Inlandsproduktion trifft. Dies zeigt, dass der weltweit wichtigste Kupferverbraucher wieder verstärkt Metall vom Weltmarkt aufnimmt, während die Versorgung mit Vorprodukten prekär bleibt.

Bereits im April lagen die chinesischen Einfuhren von raffiniertem Kupfer laut Zolldaten bei 452.000 Tonnen – ein Plus von 9 % gegenüber dem März. Zeitgleich sanken die Kupferbestände an der Shanghai Futures Exchange binnen einer Woche um 5,6 % auf 181.333 Tonnen. Die Nachrichtenagentur Reuters bestätigt diesen Trend: Eine anziehende Nachfrage trifft auf schrumpfende Lager und zusätzlichen Importbedarf.

Die Nachfrage zieht an, trotz anhaltend hohem Preisniveau

Haupttreiber dieser Entwicklung ist die globale Elektrifizierung. Neben dem Ausbau der chinesischen Stromnetze steigt der Bedarf im Sektor der E-Mobilität massiv an. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) zählt Kupfer zu den Schlüsselmetallen für den Umbau der Stromsysteme. Dies verringert in der aktuellen Marktphase die Preissensitivität der Abnehmer.

Nicholas Snowdon, Leiter der Metallmarktanalyse beim Rohstoffhändler Mercuria, verwies auf ein robustes Nachfragebild nach dem chinesischen Neujahrsfest. Li Ye vom chinesischen Metallhandelsunternehmen Eagle Metal erklärte am Rande der Branchenmesse LME Week, dass die Bestellungen seit März wieder deutlich angezogen hätten. Diese Einschätzungen untermauern die statistischen Daten zu Handelsströmen und Beständen.

Angebotsseitig bleibt der Markt bemerkenswert eng

Parallel dazu bleibt die Versorgung der Schmelzen mit Kupferkonzentrat angespannt. Während die weltweite Quote inaktiver Schmelzkapazitäten im März auf 11,7 % sank (Januar: 14,3 %), fiel dieser Anteil in China laut dem britischen Datenanalyse-Unternehmen Earth-i sogar auf 3,9 %. Die aktive Kapazität erreichte dort mit 10,73 Mio. Tonnen einen Rekordwert. Trotz dieser hohen Verarbeitungskapazitäten tritt am Rohstoffmarkt keine Entspannung ein.

Im Gegenteil: Die sogenannten TC/RCs (Treatment and Refining Charges), also die Schmelz- und Raffinierlöhne für Konzentrat, stehen massiv unter Druck. Der chilenische Bergbaukonzern Antofagasta GB0000456144 867578 vereinbarte für 2026 mit einem chinesischen Abnehmer Benchmark-Konditionen von 0 USD je Tonne bzw. 0 US-Cent je Pfund. Gemeint sind damit nicht Kupferpreise, sondern die Verarbeitungsentgelte der Schmelzen. Der Nullsatz markiert einen historischen Tiefstand und verdeutlicht, wie intensiv die Schmelzhütten um das knappe Rohmaterial konkurrieren.

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Schwefelsäure wird zum entscheidenden Faktor

Ein weiterer Engpass verschärft die Situation: Schwefelsäure, ein zentrales Nebenprodukt der Kupfergewinnung, fungiert zunehmend als Ertrags- und Produktionsfaktor. Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnt vor Produktionsrisiken in Chile und der Demokratischen Republik Kongo aufgrund mangelnder Verfügbarkeit von Schwefelsäure. Damit weitet sich die Marktlogik aus: Neben Minen und Schmelzen bestimmen nun auch chemische Vorprodukte und Logistikketten das Preisgefüge.

Die Marktlage wirkt oberflächlich betrachtet widersprüchlich: Während Chinas Schmelzen ihre Aktivität steigern, nehmen gleichzeitig die Importe von raffiniertem Kupfer zu. Dies verdeutlicht jedoch, dass eine höhere Kapazitätsauslastung derzeit nicht automatisch zu einer Marktberuhigung führt. Solange das Konzentratangebot limitiert bleibt und die strukturelle Nachfrage durch die Energiewende anhält, bleibt der Kupferpreis anfällig für Aufwärtsrisiken. Die IEA verweist hierbei auf die Volatilität Anfang 2026, als der Preis zeitweise die Marke von 14.500 USD je Tonne überschritt.