Der Heliumengpass treibt die Kosten für Chiphersteller massiv in die Höhe

Der Heliumengpass treibt die Kosten für Chiphersteller massiv in die Höhe picture alliance / Zoonar / Boris Zerwann

Die Halbleiterindustrie bekommt gerade zu spüren, wie anfällig selbst hochautomatisierte Lieferketten sind. Nicht ein Hightech-Bauteil, sondern Helium wird zum Flaschenhals. Nach Angaben des US-Börsenmagazins Barron’s hat der Konflikt im Nahen Osten rund ein Drittel des weltweiten Angebots vom Markt genommen. Die Spotmarkt-Preise stiegen damit von üblicherweise etwa 500 USD auf 1.000 bis 1.200 USD je 1.000 Kubikfuß.

Für Chipkonzerne ist die Lage kritisch, da Helium beim Ätzen von Siliziumwafern zur Temperaturstabilisierung unverzichtbar ist. Bleibt die Versorgung aus, geht es nicht nur um höhere Beschaffungskosten. Im Extremfall drohen teure Produktionsausfälle in Fabriken, die auf einen kontinuierlichen Materialnachschub angewiesen sind. Aus diesem Grund können Lieferanten in einer Knappheitsphase ihre Preissetzungsmacht schnell geltend machen.

Die Lagerbestände puffern noch, doch die Nervosität im Sektor steigt

Besonders anfällig sind asiatische Hersteller wie Samsung Electronics US7960502018 881823, der südkoranische Halbleiterhersteller SK Hynix KR7000660001 923086 und Taiwan Semiconductor Manufacturing US8740391003 909800, da sie in der Vergangenheit stark auf Lieferungen aus Katar gesetzt haben. Dort musste die wichtige Anlage Ras Laffan infolge von Raketenangriffen "Force Majeure" (höhere Gewalt) anmelden. Dies verdeutlicht, wie massiv ein einzelner Logistikknotenpunkt die gesamte Branche beeinflussen kann.

Noch ist die Lage offenbar kontrollierbar. Die US-Investmentbank Jefferies verwies darauf, dass TSMC Anfang März einen Vorrat für rund sechs Monate hatte. Reuters berichtete zudem von Beständen für vier bis sechs Monate bei Samsung und SK Hynix. Entwarnung ist das jedoch nicht. Nick Vyas vom Randall R. Kendrick Global Supply Chain Institute der USC Marshall School of Business äußerte gegenüber Barron’s, selbst bei einer raschen Stabilisierung dauere es Monate, Logistikkapazitäten neu zu ordnen und Lieferströme wieder zu normalisieren. Für die Wiederherstellung des Marktgleichgewichts veranschlagt er sechs bis 18 Monate; eine vollständige Normalisierung könne Jahre dauern.

Marktmacht in Zeiten der Knappheit

Für Industriegase-Produzenten eröffnet dies Chancen. Fitch Ratings hält laut Barron’s im Fall einer schweren Knappheit Preissprünge am Spotmarkt von 50 % bis 200 % für möglich. Selbst bei langfristigen Verträgen könnten Neuverhandlungen zu Preissteigerungen von 20 % bis 40 % führen. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung, da Helium normalerweise selten im Fokus der Finanzmärkte steht.

Als besonders gut positioniert gilt der Industrigase-Konzern Air Products US0091581068 854912. Rund 7 % des Umsatzes stammen aus dem Heliumgeschäft. Zwar dürften rund 90 % der Mengen vertraglich gebunden sein, doch der verbleibende Anteil könnte unmittelbar von den hohen Spotpreisen profitieren. John Roberts von der japanischen Investmentbank Mizuho traut Air Products zudem zu, dank Lagerbeständen und alternativer Beschaffungswege die eigenen Lieferverpflichtungen zu erfüllen und Marktanteile zu gewinnen.

Weniger eindeutig ist das Bild bei Linde IE000S9YS762 A3D7VW und Air Liquide FR0000120073 850133. Der Schweizer Großbank UBS zufolge ist ihr direkter Heliumanteil am Umsatz geringer. Zugleich sind beide stärker auf Katar angewiesen. Dass Airgas, die US-Tochtergesellschaft von Air Liquide, laut The Wall Street Journal  einzelne Kunden nur noch teilweise beliefern konnte, zeigt, wie schnell globale Knappheit zu operativem Stress führt.

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US-Anbieter gewinnen an strategischer Bedeutung

Aus Investorensicht lenkt dies den Blick vor allem auf US-Quellen. Exxon Mobil US30231G1022 852549 fördert rund ein Fünftel des weltweiten Heliums in der Anlage LaBarge in Wyoming. UBS-Analyst Manav Gupta sieht Exxon deshalb als Profiteur der Angebotsverknappung. Seiner Rechnung zufolge würde ein Preisanstieg um 100 USD je 1.000 Kubikfuß das operative Ergebnis (EBIT) um weitere 119 Mio. USD erhöhen, sofern diese Mengen am Spotmarkt abgesetzt werden.

Die Konsequenzen dieser Entwicklung reichen jedoch über die Bewertung einzelner Aktien hinaus. Helium ist kein Randthema mehr, sobald ein geopolitischer Schock eine kritische Lieferkette trifft. Für Chipproduzenten wird die Versorgungssicherheit damit fast ebenso wichtig wie der Preis. Und für den Markt gilt: Wer verlässliche Quellen in Nordamerika kontrolliert, ist in dieser Krise im Vorteil.