Neue LME-Bestände bremsen den Druck am Kupfermarkt
Der historische Engpass am Kupfermarkt verliert etwas an Schärfe. Große Metalllieferungen an die London Metal Exchange mindern die extremen Aufschläge für sofort verfügbares Kupfer. Entwarnung gibt es allerdings noch nicht. Der Abstand zwischen sofortiger Lieferung und dem Dreimonatskontrakt sank am Dienstag, 18. August, auf 248 USD je Tonne. Am Montag hatte er noch bis zu 545 USD erreicht. Diese als Backwardation bezeichnete Konstellation entsteht, wenn sofort verfügbares Metall deutlich mehr kostet als spätere Lieferung.
Neue Bestände nehmen dem Engpass etwas Druck
Der physisch erfüllbare Kupferkontrakt der LME stützt sich auf rund 400 Lagerhäuser an 32 Standorten weltweit. Die dort verfügbaren Bestände sind deshalb für die Preisbildung am weltweit maßgeblichen LME-Kupfermarkt besonders wichtig. Die für Lieferungen verfügbaren LME-Bestände waren vor der jüngsten Erholung um 75 % gegenüber ihrem Hoch Mitte April gefallen. Seit der vergangenen Woche erholen sie sich schrittweise.
Am Dienstag beschleunigte sich diese Erholung. Die sofort verfügbaren Bestände verzeichneten den stärksten Anstieg seit April. Mehr als 20.000 Tonnen kamen im weltweiten Lagernetz hinzu. Nach Informationen von Bloomberg lieferte der Rohstoffhändler Trafigura einen erheblichen Teil davon. Weitere Händler bereiteten demnach ebenfalls zusätzliche Einlagerungen vor.
Auch der Preis für das Verschieben einer Position um einen Tag fiel zurück. Kupfer zur Lieferung am Mittwoch kostete zum Handelsschluss 79 USD mehr als der Kontrakt für Donnerstag. Zuvor hatte der Aufschlag 110 USD erreicht. Solche Sprünge belasten besonders Händler mit offenen Verkaufspositionen kurz vor dem dritten Mittwoch des Monats. An diesem Termin bündelt sich die Liquidität in den LME-Kontrakten.
US-Zollrisiko zieht Kupfer in amerikanische Häfen
Hinter der Knappheit steht vor allem ein ungewöhnlicher Handelsstrom in die USA. Höhere US-Preise und die Aussicht auf weitere Zölle haben eine lukrative Preisdifferenz geschaffen. Händler lenkten deshalb große Mengen in amerikanische Häfen und entzogen damit anderen Handelsplätzen Metall.
Den Hintergrund bildet eine 2025 eingeleitete Untersuchung nach Section 232. Diese Vorschrift des US-Handelsrechts erlaubt Einfuhrbeschränkungen aus Gründen der nationalen Sicherheit. Kupferkathoden und andere Vorprodukte blieben von den daraus hervorgegangenen Section-232-Zöllen ausgenommen. Auf Halbzeuge und kupferintensive Folgeprodukte gelten dagegen bereits zusätzliche Zölle. Entscheidend für den aktuellen Handel ist deshalb die mögliche Einführung eines Zolls auf raffiniertes Kupfer.
Bis zum 30. Juni 2026 sollte das US-Handelsministerium dem Präsidenten einen Marktbericht vorlegen. Auf dessen Grundlage sollte er über einen möglichen Zoll von 15 % ab 2027 entscheiden. Für 2028 sah die ursprüngliche Empfehlung eine Anhebung auf 30 % vor. Bis zum 18. August war weiterhin keine entsprechende Entscheidung des Weißen Hauses bekannt.
Für Händler bleibt der Anreiz klar: Solange raffiniertes Kupfer in den USA höhere Preise als an anderen Handelsplätzen erzielt, lohnt sich die Verlagerung dorthin. Dieser Sog verknappt gleichzeitig das Metall, das an anderen Börsenplätzen kurzfristig verfügbar bleibt.
In den ersten beiden Augustwochen erreichten etwa 56.000 Tonnen Kupfer die USA. Im Juli waren es rekordhohe 223.000 Tonnen. Ohne diesen Ausreißer entspricht das Augusttempo ungefähr dem monatlichen Durchschnitt des vergangenen Jahres.
Hohe Preise dämpfen die Nachfrage in China
Die Entspannung in London trifft auf ein weiterhin starkes Preisniveau. Der LME-Dreimonatskontrakt schloss am Dienstag 1,2 % tiefer bei rund 13.986 USD je Tonne. Seit Jahresbeginn hat Kupfer dennoch rund 13 % zugelegt.
Rückenwind kommt von Erwartungen an wachsenden Bedarf durch Rechenzentren und erneuerbare Energien. Nach Angaben des U.S. Geological Survey entfallen rund drei Viertel der Kupfernutzung auf elektrische Anwendungen. Das verleiht Investitionen in Stromnetze, Elektronik und datenintensive Infrastruktur für die längerfristige Nachfrage besondere Relevanz.
Gleichzeitig zeigen hohe Preise erste Bremsspuren auf der Nachfrageseite. In Shanghai, Chinas wichtigstem Handels- und Verbrauchszentrum, stiegen die Kupferbestände zuletzt auf rund 80.000 Tonnen. Käufer in China hielten sich wegen des hohen Preisniveaus zunehmend zurück.
Für den Markt verschiebt sich somit die Lage, ohne sich grundsätzlich zu normalisieren. Zusätzliche LME-Bestände entschärfen den akuten Engpass. Doch solange die Aussicht auf US-Zölle für raffiniertes Kupfer Lieferströme verzerrt, bleibt die Verfügbarkeit an der LME anfällig für neue Spannungen.

