Nickelprognose kippt: Mehr Produktion als der Markt braucht

Nickelprognose kippt: Mehr Produktion als der Markt braucht picture alliance / ZUMAPRESS.com / Hariandi Hafid

Die Aussicht auf eine baldige Verknappung des Nickelmarkts schwindet. Für 2026 erwartet die International Nickel Study Group (INSG), ein zwischenstaatliches Rohstoffgremium, inzwischen einen Angebotsüberschuss von 19.000 Tonnen. Noch im April hatte sie ein Defizit von 32.000 Tonnen vorausgesagt. Für 2027 rechnet die Organisation mit einem erheblich größeren Überangebot. Die neuen Schätzungen veröffentlichte die INSG am vergangenen Dienstag nach ihrer Herbsttagung in Lissabon, an der Regierungs- und Branchenvertreter der Mitgliedsländer teilnahmen.

Elektroauto-Batterien liefern weniger Rückenwind als erhofft

In der Elektromobilität wächst der Einsatz von Nickel zwar weiter, bleibt aber derzeit hinter den Erwartungen der INSG zurück. Ein wesentlicher Grund ist die Konkurrenz durch Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP). Solche Akkus kommen ohne Nickel aus und begrenzen damit den Bedarf an dem Metall in diesem Teil des Batteriemarkts.

Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) entfielen 2025 bereits mehr als 55 % der weltweit eingesetzten Elektroauto-Batteriekapazität auf Lithium-Eisenphosphat-Akkus. Ihr Kostenvorteil gegenüber nickelhaltigen Batterien begünstigt die Verbreitung, besonders in China und auf weiteren aufstrebenden Märkten. Nach Angaben der IEA sanken die durchschnittlichen Batteriepreise 2025 um 8 %. Dieser Preisvergleich umfasst allerdings neben Elektroauto-Batterien auch stationäre Stromspeicher. Der Absatz von Elektroautos und die Nachfrage nach Nickel müssen deshalb nicht im gleichen Tempo wachsen.

Wie groß der Preisunterschied zwischen den Technologien ausfällt, zeigen Zahlen des Marktforschers BloombergNEF. Demnach kosteten LFP-Batteriepakete 2025 durchschnittlich 81 USD je Kilowattstunde, Varianten mit Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie dagegen 128 USD. Bei einer Kapazität von 60 Kilowattstunden entspräche das rechnerisch 4.860 beziehungsweise 7.680 USD.

Anders sieht es bei Edelstahl aus, dem traditionellen Hauptabsatzmarkt. Nickel kann die Korrosionsbeständigkeit bestimmter Edelstahllegierungen erhöhen. Die INSG geht davon aus, dass die Edelstahlindustrie im laufenden zweiten Halbjahr 2026 noch weiter wächst und diesen Kurs auch 2027 fortsetzt. Der industrielle Bedarf bleibt somit eine wichtige Stütze, während das Batteriegeschäft weniger zusätzlichen Schub liefert.

Höhere Produktionserwartung kehrt die Bilanz um

Die neue Überschussprognose geht dennoch mit einem kräftigen Nachfragewachstum einher. Für 2026 veranschlagt die INSG einen weltweiten Verbrauch von rund 3,85 Mio. Tonnen Primärnickel, 7,6 % mehr als 2025. Gleichzeitig erwartet sie eine Produktion von 3,87 Mio. Tonnen. Auch ein wachsender Markt kann im Überschuss bleiben, wenn das Angebot noch stärker zunimmt.

Im April lagen beide Prognosen noch deutlich niedriger. Damals kalkulierte das Gremium mit 3,75 Mio. Tonnen Bedarf und 3,72 Mio. Tonnen Produktion. Seither wurde die Verbrauchsprognose um rund 100.000 Tonnen angehoben, die Produktionsprognose sogar um etwa 150.000 Tonnen. Aus dem für 2026 erwarteten ersten Jahresdefizit seit 2021 ist damit wieder ein rechnerischer Überschuss geworden.

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Indonesiens Förderpolitik bleibt Unsicherheitsfaktor

Die weltweite Nickelversorgung hängt stark von Indonesien ab. Zwischen 2023 und 2025 stammte laut IEA nahezu der gesamte weltweite Produktionszuwachs bei raffiniertem Nickel aus dem südostasiatischen Land. Angesichts dieser Konzentration hat die indonesische Förderpolitik erheblichen Einfluss auf die globale Marktbilanz.

Als weltweit größter Nickelproduzent hat Indonesien für 2026 geringere Förderquoten für Nickelerz bewilligt als im Vorjahr. Nach Angaben des indonesischen Nickelbergbauverbands APNI liegt der Rahmen für 2026 bei 260 bis 270 Mio. Tonnen Erz. Für 2025 hatten die Genehmigungen noch 379 Mio. Tonnen umfasst. Die Kürzung begrenzt die heimische Rohstoffgewinnung, reicht nach aktueller INSG-Schätzung aber nicht aus, um den globalen Überschuss zu beseitigen.

Nach Angaben von Bergbauminister Bahlil Lahadalia prüft die indonesische Regierung inzwischen auch einen Baustopp für neue Anlagen zur Herstellung teilweise verarbeiteten Nickels. Betroffen wären weitere Kapazitäten für Vorprodukte wie Nickeleisen, die vor allem in der Stahlindustrie eingesetzt werden. Eine Entscheidung darüber steht bislang aus. Die Überlegungen lassen jedoch erkennen, wie Indonesien seine Marktmacht zur Stützung der Preise einsetzen will.

Für das kommende Jahr sind wichtige Vorgaben noch offen. Anträge für indonesische Förderquoten 2027 können bis Mitte November eingereicht werden. Die späteren Genehmigungen dürften mitbestimmen, wie viel Nickel auf den Weltmarkt gelangt. Die neue INSG-Prognose veranschlagt für 2027 dennoch bereits 4,07 Mio. Tonnen Produktion bei vier Millionen Tonnen Verbrauch.

Nickelpreise geben nach

Für 2027 ergibt sich daraus ein erwarteter Überschuss von 70.000 Tonnen, mehr als dreimal so viel wie 2026. Schon vor Veröffentlichung der jüngsten INSG-Schätzung standen die Nickelpreise unter Druck. Am vergangenen Dienstag wurde Nickel nach Angaben des Metallhändlers Alumeco am Kassamarkt mit 15.445 USD je Tonne notiert. Anfang September hatte der Preis noch bei 16.350 USD gelegen.

Ein dauerhaftes Überangebot könnte die Preise weiter belasten und den finanziellen Spielraum der Produzenten einengen. Wie stark sich der Überschuss auswirkt, hängt allerdings auch von Lagerbeständen, Produktionskosten und der weiteren Nachfrageentwicklung ab.