Indonesien bringt Nickel-Referenzpreise näher an den Markt
Indonesien stellt die Preisbasis für niedriggradiges Nickelerz neu ein. Seit dieser Woche gilt eine überarbeitete Formel für den staatlich festgelegten Harga Patokan Mineral (HPM), einen Referenzpreis, der beim Verkauf von Metallmineralen grundsätzlich als Preisuntergrenze dient. Das Ministerium für Energie und Bodenschätze (ESDM) änderte die Berechnung per Ministerialbeschluss.
Neue Preisformel rückt den HPM näher an den Markt
Die Reform zielt vor allem auf niedriggradiges Limoniterz, also eine Form von Nickelerz mit geringem Nickelgehalt. Bei Erz mit 1,2 % Nickel lag der HPM nach der bisherigen Formel deutlich über dem beobachteten Marktpreis. Im Kern senkt die neue Formel nun den Korrekturfaktor für diese niedrige Qualität und bringt den staatlichen Referenzwert näher an den Marktpreis.
Bei 1,2 % Nickel fällt der Korrekturfaktor des Nickelerzes von zuvor 26 auf 14 %. Beim begleitenden Kobalt sinkt der Korrekturfaktor für Erz mit höchstens 1,2 % Nickel von 30 auf 17 %. Die übrige Formel berücksichtigt weiterhin Nickel, Eisen, Kobalt, Chrom und den Feuchtigkeitsgehalt des Erzes.
Je Tonne feuchtes Erz mit 1,2 % Nickel liegt der HPM nun bei rund 24,89 USD. Nach der bisherigen Formel hätte der HPM auf Basis der aktuellen Referenzwerte rund 44,97 USD betragen. Das entspricht einem Rückgang um etwa 45 %. Nach Regierungsangaben soll die niedrigere Referenzbasis das Erz für Schmelzen als Einsatzmaterial wirtschaftlicher machen.
Für die Verarbeiter ist die Reform relevant, weil ein hoher staatlicher Referenzwert die Beschaffung niedriggradiger Erze verteuern kann. Sie setzt damit an der regulatorischen Kostenbasis des Rohstoffbezugs an. Nach Angaben des Metallmarktdienstes Shanghai Metals Market (SMM) lagen die Marktpreise allerdings bereits vor der Reform unter dem alten HPM. SMM erwartet deshalb nur begrenzte Auswirkungen auf die tatsächlichen Rohstoffbeschaffungskosten von HPAL-Schmelzen, die niedriggradiges Limoniterz mittels Hochdruck-Säurelaugung verarbeiten. Der neue HPM von 24,89 USD liegt sogar knapp unter dem von SMM gemeldeten Marktpreis von 27 USD je Tonne feuchtes Erz. Die Wirkung der neuen Berechnung will die Regierung zunächst weiter beobachten.
Förderpläne und Quoten halten den Markt in Wartestellung
Unverändert bleibt allerdings die zweite Unsicherheit des Marktes: die verfügbaren Fördermengen. Der indonesische Nickelerzmarkt wartet weiterhin auf Klarheit über das Angebot. Entscheidend ist, wie viel Erz die Bergbauunternehmen 2026 insgesamt fördern dürfen.
Diese Mengen werden über die sogenannten RKAB gesteuert. In diesen behördlich genehmigten Arbeits- und Budgetplänen legen Bergbauunternehmen unter anderem ihre geplante Produktion fest. Noch am Montag prüfte das ESDM rund 50 Anträge auf Änderung der RKAB 2026. Deren Genehmigung kann die zulässigen Fördermengen verändern.
Bei der Prüfung berücksichtigt das Ministerium unter anderem die bisherige Produktion, den Bedarf der Industrie, die Marktlage und die Versorgungskette. Die Regierung versucht damit, genügend Nickelerz für die heimischen Schmelzen bereitzustellen, ohne durch eine zu hohe Förderung zusätzlichen Preisdruck zu erzeugen.
Förderquote bleibt unter dem Vollbedarf der Schmelzen
Im August bezifferte die indonesische Nickelbergbauvereinigung die landesweite Jahresquote für 2026 auf rund 260 bis 270 Mio. Tonnen. Für 2025 nannte sie noch 379 Mio. Tonnen. Nach Verbandsangaben würden Indonesiens rund 80 Nickelschmelzen bei voller Auslastung etwa 315 Mio. Tonnen Erz jährlich benötigen. Der theoretische Vollbedarf liegt somit über der genannten Förderquote.
Von Januar bis Juli 2026 wurden dem Verband zufolge 142,96 Mio. Tonnen Nickelerz verbraucht. Das entsprach etwa 53 bis 55 % der Jahresquote. Nach Verbandsangaben sollten zusätzliche Förderquoten selektiv dort gewährt werden, wo Schmelzen unter Rohstoffknappheit leiden.
Das Ministerium erklärte zugleich, den Bedarf heimischer Schmelzen und die Stabilisierung der Rohstoffpreise gemeinsam berücksichtigen zu wollen. Die tatsächliche Versorgung hängt allerdings nicht allein von der Differenz zwischen Quote und theoretischem Vollbedarf ab. Auslastung, Lagerbestände und weitere Genehmigungen können sie ebenfalls verändern.
CIF-Preise geben bei mehreren Erzqualitäten nach
Parallel zur regulatorischen Änderung sind die durchschnittlichen CIF-Preise am indonesischen Nickelerzmarkt für mehrere Erzqualitäten leicht gesunken. CIF steht für Cost, Insurance and Freight, also Kosten, Versicherung und Fracht bis zum vereinbarten Bestimmungshafen.
Erz mit 1,2 % Nickel blieb bei durchschnittlich 27 USD je Tonne feuchtes Erz unverändert. Bei 1,4 %, 1,5 % und 1,6 % Nickel sanken die Durchschnittspreise um 0,6, 0,3 beziehungsweise 0,5 USD. Sie lagen damit bei 51,8, 58,5 beziehungsweise 63,4 USD je Tonne feuchtes Erz.
Ein einheitlicher Preisrückgang über alle Qualitäten ist also bislang nicht erkennbar. Das schwächste ausgewiesene Erz blieb am CIF-Markt stabil, obwohl sein staatlicher HPM-Referenzwert kräftig sank. Die Reform verändert somit zunächst die staatliche Preisbasis, während die Marktpreise darauf nicht im gleichen Ausmaß reagieren müssen.
Für die weitere Entwicklung des indonesischen Nickelerzmarkts wirken zwei Faktoren zusammen. Einerseits soll die niedrigere HPM-Basis schwaches Nickelerz für Schmelzen wirtschaftlicher machen. Andererseits beeinflusst das Tempo weiterer RKAB-Genehmigungen, wie viel Material dem Markt tatsächlich zur Verfügung steht.

