Neue Bergbauagentur soll Investitionen in der DR Kongo beschleunigen

Neue Bergbauagentur soll Investitionen in der DR Kongo beschleunigen bigstockphoto

Große Bergbauinvestitionen in der Demokratischen Republik Kongo sollen künftig über eine zentrale Anlaufstelle gesteuert werden. Mit der Bündelung von Registrierung, Genehmigungen, Steuern und regulatorischen Pflichten plant Kinshasa, Verfahren zu verkürzen und zusätzliches westliches Kapital anzuziehen. Gesetzlich in Kraft ist das Vorhaben allerdings noch nicht.

Die Reform wird vom Finanz- und Wirtschaftsministerium vorbereitet. Nach Angaben von Regierungsvertretern, einem Diplomaten und einem Branchenanalysten richtet sie sich zunächst an große Gemeinschaftsprojekte. Im Mittelpunkt stehen Vorhaben über eine Milliarde USD, die besonderen Steuerregimen unterliegen. Als Beispiel gilt Sicomines, ein chinesisch kontrolliertes Kupfer-Kobalt-Gemeinschaftsprojekt.

Rohstoffgewicht macht Verfahren zum Standortfaktor

Die Reform betrifft einen Sektor, dessen Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinausreicht. 2024 entfielen rund 75 % der weltweiten Kobaltförderung und 13 % der Kupferminenproduktion auf das Land. Damit sitzt Kinshasa an einer strategisch wichtigen Stelle industrieller Lieferketten. Kobalt und Kupfer werden unter anderem für Elektrifizierung, Stromnetze und anspruchsvolle Fertigung benötigt.

China, die USA und die Europäische Union haben mit Kinshasa Vereinbarungen über kritische Rohstoffe geschlossen. Das strategische Abkommen mit Washington wurde bereits im Dezember 2025 unterzeichnet und ist in Kraft. Es sieht eine Liste strategischer Rohstoffprojekte vor, bei denen US-Investoren ein Erstangebotsrecht erhalten. Für bestimmte qualifizierte Projekte enthält die Vereinbarung außerdem besondere steuerliche und regulatorische Regeln.

Die nun geplante Behörde ist damit breiter angelegt als einzelne Vorzugsrechte des US-Abkommens. Sie soll amerikanischen, europäischen, chinesischen und anderen ausländischen Investoren offenstehen. Kinshasa beschreibt seinen Kurs deshalb als Diversifizierung von Kapitalquellen und Absatzmärkten, nicht als Ablösung chinesischer Investitionen.

Der kongolesische Kupfer- und Kobaltproduzent Chemaf zeigt, dass neues Kapital nicht unmittelbar in zusätzliche Produktion mündet. Das US-Rohstoffunternehmen Virtus Minerals kaufte Chemaf im März 2026 für 30 Mio. USD und übernahm rund 900 Mio. USD Schulden. Die volle Produktion soll nach Angaben eines Gewerkschaftsvertreters erst im Januar 2027 wieder anlaufen.

Das US-Abkommen hat zugleich kongolesische Kupferverkäufe in die USA und nach Europa unterstützt. Damit beginnt sich die angestrebte Diversifizierung bereits in einzelnen Handels- und Investitionsbeziehungen zu zeigen.

Verwaltungshürden kosten bereits Zeit

Auch beim bestehenden US-Abkommen wurden die bestehenden Verwaltungsprobleme schon sichtbar. Am 11. September billigte das Kabinett eine eigene Arbeitsgruppe, die die Umsetzung der Partnerschaft beschleunigen soll. Sie sollte ursprünglich im Februar starten, verzögerte sich laut einem Regierungsvertreter jedoch wegen administrativer Hürden. Die Regierungsmitteilung nannte weder die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe noch die priorisierten Projekte.

Die geplante Behörde setzt an diesem Engpass an. Registrierung, Lizenzen, Steuern und regulatorische Vorgaben liegen bislang in unterschiedlichen Zuständigkeiten. Genehmigungen können nach Angaben der Informanten Monate beanspruchen. Bei Projekten über eine Milliarde USD wird damit auch Verwaltungszeit zu einem Investitionsfaktor.

Für Gemeinschaftsprojekte mit besonderen Steuerregeln können parallele Verfahren zusätzlichen Abstimmungsbedarf erzeugen. Eine zentrale Stelle könnte Entscheidungen koordinieren und Verantwortlichkeiten klarer bündeln. Ob sie Genehmigungen tatsächlich beschleunigt, hängt allerdings von ihrer gesetzlichen Ausgestaltung und den Befugnissen gegenüber bestehenden Behörden ab.

Der geopolitische Effekt bleibt dabei ungewöhnlich. Eine teilweise vom US-Abkommen vorangetriebene Reform könnte Investoren unterschiedlicher Herkunft gleichermaßen die Verwaltungswege erleichtern. Damit unterscheidet sich die Behörde von jenen Teilen der Partnerschaft, die US-Investoren ausdrücklich bevorzugen.

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Investitionshürden reichen über die Verwaltung hinaus

Auch eine funktionierende Zentralstelle würde nur einen Teil des Investitionsrisikos abdecken. Die US-Handelsbehörde nennt schlechte Verkehrsverbindungen und eine unzureichende Stromversorgung als wichtige Kostentreiber im kongolesischen Bergbau. Sie verweist außerdem auf schwache Vertragsdurchsetzung, regulatorische Unberechenbarkeit und intransparente Zollverfahren. Solche Faktoren liegen weitgehend außerhalb dessen, was eine zentrale Genehmigungsstelle unmittelbar lösen kann.

Eine zentrale Genehmigungsstelle kann administrative Reibung senken, fehlende Stromleitungen oder Transportverbindungen aber nicht ersetzen. Ihre Wirkung bleibt daher auf den administrativen Teil der Investitionshürden begrenzt. Neben der Geschwindigkeit einer Genehmigung zählt, ob Projekte verlässlich gebaut, finanziert und betrieben werden können.

Offen ist vorerst auch die juristische Grundlage. Das Gesetz zur Einrichtung der Behörde muss nach Angaben eines Regierungsvertreters noch verkündet werden. Kongos Bergbau- und Finanzministerium beantworteten Reuters-Anfragen zu den Plänen zunächst nicht. Eric Ndeh, internationaler Direktor der zivilgesellschaftlichen Organisation Afrewatch, erwartet dennoch, dass die zentrale Anlaufstelle noch 2026 arbeitsfähig wird.

Für Kinshasa misst sich der Erfolg daran, ob aus der neuen Behörde berechenbarere Verfahren für Milliardenprojekte entstehen. Gelingt das, könnte die Reform westliches Kapital erleichtern, ohne chinesische Investoren auszusperren.