Geophysikalische Luftvermessung soll Bergbaupotenzial der DR Kongo zeigen

Geophysikalische Luftvermessung soll Bergbaupotenzial der DR Kongo zeigen picture alliance / Zoonar / Tomas Griger

Der Untergrund großer Landesteile soll systematisch erfasst werden, um einen bislang blinden Fleck in der Rohstoffpolitik der Demokratischen Republik Kongo zu verkleinern. Die Kampagne ist auf 36 Monate und den Einsatz von acht Luftfahrzeugen angelegt. Mit den neuen Daten soll der geologische Kenntnisstand verbessert und eine Grundlage für weitere Exploration und Investitionsentscheidungen geschaffen werden. Zugleich will der Staat mehr Kontrolle über geologische Informationen gewinnen, die für spätere Bergbauprojekte entscheidend sein können.

Geodaten senken das Explorationsrisiko

Nach Angaben des für das Projekt verantwortlich zeichnenden Service Géologique National du Congo (SGNC) trägt das Programm den Namen PC2G-RDC und setzt auf hochauflösende geophysikalische Luftvermessungen. Mit der Durchführung ist Xcalibur beauftragt, ein in Spanien ansässiges Unternehmen für luftgestützte Geophysik und Kartierung. Finanziert werden die Arbeiten vom Fonds Minier pour les Générations Futures (FOMIN), einer öffentlichen Einrichtung, die unter anderem Bergbauforschung über den SGNC finanzieren kann.

Die Flugkampagne erfasst magnetische, radiometrische, gravimetrische und elektromagnetische Daten. Solche Verfahren messen physikalische Eigenschaften von Gesteinen und können verborgene Strukturen oder auffällige Zonen sichtbar machen. Sie grenzen damit Gebiete für weitere Untersuchungen ein, weisen aber keine wirtschaftlich abbaubare Lagerstätte nach. Für Bergbauunternehmen liegt der Nutzen darin, nachfolgende Feldarbeiten und Bohrprogramme auf aussichtsreiche Zonen zu konzentrieren. Das ist besonders relevant, weil nach Regierungsangaben bislang weniger als zehn Prozent des Staatsgebiets gründlich erkundet wurden.

Rohstoffmacht mit Wissenslücken

Die Demokratische Republik Kongo ist bereits der weltweit größte Kobaltproduzent und Afrikas führender Kupferförderer. Nach Angaben der geowissenschaftlichen US-Behörde U.S. Geological Survey (USGS) entfielen 2024 rund 75 % der weltweiten Kobaltproduktion auf das Land. Der Bergbau- und Mineralverarbeitungssektor machte geschätzt 40 % des realen Bruttoinlandsprodukts aus.

Der Bergbausektor stand zugleich für etwa 95 % des Werts der Waren- und Dienstleistungsexporte. Trotzdem ist ein erheblicher Teil des geologischen Potenzials nur unzureichend dokumentiert. Bessere geologische Kenntnisse können deshalb Investitionsentscheidungen, staatliche Planung und künftige Einnahmequellen beeinflussen.

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Staat beansprucht Kontrolle über geologische Daten

Die Initiative fügt sich in die Rohstoffpolitik Kinshasas ein, mit der die Regierung ihren Einfluss auf den Bergbausektor ausbauen will. Sie strebt einen größeren Anteil an den Einnahmen aus bestehenden Minen an. Zugleich sollen Daten, Karten, Proben und technisches Wissen stärker unter staatliche Kontrolle gelangen.

SGNC-Generaldirektor Raoul Wazenga Vitima stellte den Ausbau eigener geowissenschaftlicher Fähigkeiten als Frage staatlicher Souveränität dar. Dabei nannte er eigene Karten und kontrollierte Datenbestände, die Aufbewahrung geologischer Proben, den Ausbau von Laborinfrastruktur und die Ausbildung von Fachkräften zur Interpretation der Informationen.

Die Regierung verbindet die Datenerhebung mit dem Versuch, dauerhaft mehr geowissenschaftliche Kompetenz im Land aufzubauen. Das Kartierungsprogramm enthält auch einen Ausbildungsteil für kongolesische Geologen, Forscher, Techniker und Studierende. Diese Strategie kann zugleich die Verhandlungsposition des Staates gegenüber künftigen Projektentwicklern stärken: Wer den eigenen Untergrund genauer kennt, kann Konzessionen, Infrastrukturbedarf und mögliche wirtschaftliche Schwerpunkte fundierter beurteilen.

Neue Regionen, noch ohne Minen

Als Schwerpunkte der neuen Arbeiten werden die Provinzen Kongo Central, Kwango und Kwilu sowie der geografische Großraum Grand Kasaï genannt. Das Programm baut dabei auf bereits durchgeführten Arbeiten in Grand Katanga auf. Nach Angaben von Bergbauminister Louis Watum Kabamba soll die geowissenschaftliche Abdeckung des Landes von 22,27 auf 46,1 % steigen.

Die neuen Messungen sollen vorhandene Datensätze modernisieren und die geologische Erfassung bislang wenig untersuchter Gebiete erweitern. Nach der Erfassung werden die geophysikalischen Daten laut Projektbeschreibung verarbeitet und interpretiert sowie durch geologische Feldarbeiten ergänzt. Für die DR Kongo liegt der strategische Wert damit auch im Aufbau eigener geowissenschaftlicher Fähigkeiten vor der eigentlichen Förderung.