Kupferpolitik zwischen Industrie und Inflation

Kupferpolitik zwischen Industrie und Inflation

Die US-Regierung hat über zusätzliche Zölle auf raffiniertes Kupfer weiterhin nicht entschieden. Dahinter steht ein Zielkonflikt: Washington will einerseits heimische Kapazitäten stärken, fürchtet zugleich aber höhere Kosten für Industrie und Verbraucher.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters prüft Washington nach wie vor mehrere Optionen. 2025 hatte das Handelsministerium einen Zoll auf raffiniertes Kupfer von 15 % ab 2027 und 30 % ab 2028 empfohlen. Präsident Trump setzte diese Empfehlung damals nicht um und verlangte stattdessen bis 30. Juni 2026 eine Aktualisierung zum heimischen Kupfermarkt. Sie sollte ausdrücklich die Raffineriekapazität und den Markt für raffiniertes Kupfer erfassen. Das Ministerium übermittelte das gewünschte Update fristgerecht. Welche konkrete Empfehlung Ressortchef Howard Lutnick damit verband, ist bislang nicht öffentlich.

Raffiniertes Kupfer bleibt eine offene Zollfrage

Die Vorgeschichte erklärt die heutige Lage. Seit August 2025 gilt auf viele Kupferhalbzeuge und kupferintensive Folgeprodukte ein US-Zoll von 50 %. Kupfererz, Konzentrate, Kathoden, Anoden und Schrott blieben damals von diesen Abgaben ausgenommen.

Die derzeit geprüfte Zollmaßnahme ist damit enger gefasst als ein genereller Kupferzoll. Sie betrifft vor allem raffiniertes Kupfer, das Washington 2025 von den neuen Abgaben ausgenommen hatte.

Importabhängigkeit macht Zölle wirtschaftlich heikel

Die USA importieren ungefähr die Hälfte ihres Kupferbedarfs. Für 2025 schätzte die US-Geologiebehörde U.S. Geological Survey (USGS) die Nettoimportabhängigkeit bei raffiniertem Kupfer – Nettoimporte unter Berücksichtigung von Bestandsveränderungen im Verhältnis zum rechnerischen Verbrauch – auf 57 %. Im selben Jahr gab es im Land nur zwei Primärhütten und zwei primäre elektrolytische Raffinerien. Höhere Zölle könnten importiertes Kupfer verteuern und damit die Wirtschaftlichkeit von US-Minen, Hütten und Raffinerien verbessern.

Zwischen 2021 und 2024 kamen 68 % der US-Importe raffinierten Kupfers aus Chile und 16 % aus Kanada. Raffiniertes Kupfer machte 88 % aller US-Importe von Kupfer in unverarbeiteter Form aus.

Auf der anderen Seite stehen die Abnehmer. Kupfer wird in Bau, Verkehr, Elektronik und zahlreichen Industrieprodukten eingesetzt. Höhere Importpreise könnten deshalb die Kosten in mehreren Wertschöpfungsketten erhöhen. Nachdem bekannt wurde, dass Washington weiterhin nicht über Zölle auf raffiniertes Kupfer entschieden hatte, gerieten mehrere Minenwerte unter Druck. Der Kupferpreis sank um mehr als vier Prozent. Die Aktie des US-Kupferproduzenten Freeport-McMoRan US35671D8570 896476 verlor im Mittagshandel sieben Prozent. Die Aktien der Bergbaukonzerne Rio Tinto GB0007188757 852147 und BHP AU000000BHP4 850524 gaben um 2,7 % beziehungsweise 4,7 % nach.

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Lageraufbau verschärft die Folgen der Unsicherheit

Schon vor der Meldung hatten Händler und Industriekäufer Metall in die USA gezogen, um möglichen Zöllen zuvorzukommen. So entstand dort einer der größten Kupferbestände weltweit. Der USGS schätzte die US-Bestände an raffiniertem Kupfer bei Produzenten, Verbrauchern und Metallbörsen Ende 2025 auf 450.000 Tonnen, nach 123.000 Tonnen im Vorjahr.

Die Lagerbewegung reicht über die USA hinaus. Solange die Zollpolitik offenbleibt, sinkt der Anreiz, Metall auf internationale Märkte zurückzubringen. Das kann die Verfügbarkeit andernorts zusätzlich verknappen.

Knappes Angebot erhöht strategischen Einsatz

Der langfristige Markt verschärft den Zielkonflikt. Der Informationsdienstleister S&P Global erwartet einen Anstieg des weltweiten Kupferbedarfs von rund 28 Mio. Tonnen 2025 auf 42 Mio. Tonnen 2040. Ohne deutliche Angebotsausweitung könnte 2040 eine Versorgungslücke von etwa zehn Millionen Tonnen entstehen. Das erschwert die Abwägung in Washington.

Mehr US-Kapazität besitzt strategischen Wert. Ein Zoll könnte allerdings zunächst importiertes Kupfer verteuern, das die Industrie schon heute benötigt. Für die US-Regierung ist die Entscheidung deshalb mehr als Handelspolitik. Vor den Zwischenwahlen im November steht die Regierung zugleich unter Druck, zu zeigen, dass ihre Wirtschaftspolitik Kosten senkt. Ein Kupferzoll dürfte den Konflikt zwischen beiden Zielen verschärfen.