Kanada und die USA ziehen ihre Handelsschrauben weiter an

Kanada und die USA ziehen ihre Handelsschrauben weiter an picture alliance / ASSOCIATED PRESS / David Dermer

Kanada und die USA bauen ihre Handelsschranken parallel weiter aus, setzen jedoch verschiedene Schwerpunkte. Ottawa plant, seine Zollkontingente für Stahl sowie die Erleichterungen bei bestimmten US-Importen um ein Jahr zu verlängern. Unterdessen justiert die US-Regierung die Regeln für Kupferprodukte nach. Offen bleibt die Kernfrage, ob künftig auch auf raffiniertes Kupfer neue Einfuhrzölle zukommen.

Ottawa stabilisiert den heimischen Stahlmarkt

Die kanadischen Stahlkontingente laufen – vorbehaltlich der Kabinettszustimmung – bis zum 27. Juni 2027. Für Zollentlastungen bei bestimmten US-Stahl- und Aluminiumimporten läuft die Frist bis zum 30. Juni 2027. Bei Mengen oberhalb dieser Kontingente greift weiterhin ein Zollsatz von 50 Prozent.

Diese Entscheidung führt die Linie fort, die Ottawa seit 2025 verfolgt. Das kanadische Finanzministerium führte die Importbeschränkungen für Staaten ohne Freihandelsabkommen damals ein, um den heimischen Markt vor Marktverzerrungen zu schützen. Zudem gelten Kanadas Gegenzölle auf US-Stahl, Aluminium und Automobile unvermindert weiter.

Die Verlängerung stabilisiert den Markt in einer Phase globaler Überkapazitäten. Ottawa reagiert sowohl auf bilateralen Druck aus den USA als auch auf Ausweichmanöver ausländischer Produzenten. Die Kontingente betreffen fünf Produktgruppen, zu denen Flachstahl, Langstahl und Rohre gehören. Damit trifft die Maßnahme die verarbeitende Industrie in der gesamten Breite.

Washington erhöht den Druck auf Kupfer-Lieferketten

Die neuen amerikanischen Bestimmungen greifen tief in die Lieferketten ein. Washington senkt die Schwelle für den erforderlichen Inlandsanteil bei Kupferprodukten von 95 auf 85 Prozent. Während der Zollsatz von 50 Prozent für diese Waren unverändert bleibt, dehnt die US-Regierung die Sonderregeln auf elektrische Leiter und Kabel aus.

Diese Maßnahme stützt sich auf Artikel 232 des US-Handelsrechts, der Importbeschränkungen zum Schutz der nationalen Sicherheit erlaubt. Handelspartner können von geringeren Sätzen bei Industrie- und Kapitalgütern profitieren, wenn sie überwiegend US-Metall verarbeiten. Das Weiße Haus legte diese Schwelle für US-Stahl und US-Aluminium ebenfalls auf 85 Prozent fest, befristet bis Ende 2027.

Beim Kupfer drohen bereits die nächsten Verschärfungen. US-Handelsminister Howard Lutnick legt dem Präsidenten bis zum 30. Juni 2026 einen Bericht über die heimischen Raffineriekapazitäten vor. Die entsprechende Verfügung skizziert bereits ein Stufensystem mit Zöllen von 15 Prozent ab Januar 2027 und 30 Prozent ab 2028. Obwohl die Maßnahme noch nicht formell beschlossen ist, stellt sie eine konkrete Option dar.

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Steigender Bürokratieaufwand für Importeure

Für nordamerikanische Metallverarbeiter verengt sich der Handlungsspielraum. Während Kanada der heimischen Industrie Schutz und Planbarkeit verlängert, stimmt Washington seine Zollarchitektur präziser auf Ursprungsregeln ab. Diese Neuausrichtung zwingt Unternehmen dazu, ihre Lieferketten strikt nach Schmelz- und Gussland zu organisieren. Entsprechende Herkunftsnachweise fordern die US-Behörden bereits konsequent ein.

Die Entscheidung über neue Zölle auf raffiniertes Kupfer bleibt das zentrale Risiko für den Markt. Ein solcher Schritt zieht jedoch weit größere Verwerfungen nach sich als die aktuelle Nachjustierung, da die US-Industrie massiv auf Importe angewiesen ist. Der nordamerikanische Metallhandel verliert dadurch seine Liberalität. Er entwickelt sich kleinteiliger, politischer und für Konzerne spürbar teurer in der Steuerung.