Knappes Angebot stützt Zinn trotz schwacher Nachfrage
Der Zinnpreis hat in Shanghai am Dienstag kräftig zugelegt und damit den jüngsten Rücksetzer teilweise wettgemacht. Der meistgehandelte Terminkontrakt der Shanghai Futures Exchange stieg auf 423.790 CNY je Tonne (ca. 63.100 USD) und gewann rund 1,1 %. Nach dem Summer Bank Holiday in England und Wales am Montag legte Zinn auch in London zu.
Am Kassamarkt zog das Preisniveau ebenfalls an. Der chinesische Rohstoffmarktdienst Shanghai Metals Market (SMM) taxierte Zinn der Sorte SMM 1#, also Zinnbarren mit mindestens 99,90 % Zinngehalt, im Mittel mit 424.600 CNY je Tonne. Das waren 7.950 CNY mehr als am vorherigen Handelstag. Zugleich stieg der Dreimonatskontrakt an der London Metal Exchange um 905 USD auf 55.400 USD je Tonne.
Schwache Nachfrage trifft auf Elektronikabhängigkeit
Im physischen Geschäft findet die Preisbewegung bislang kaum Rückhalt. SMM beschreibt den Kassahandel als mäßig, da industrielle Käufer überwiegend kleine Mengen für den unmittelbaren Bedarf ordern. Viele Verarbeiter hatten ihre Lager bereits in der Vorwoche aufgefüllt und verfügen laut SMM über ausreichend Material für die kurzfristige Produktion. Bei steigenden Preisen nimmt ihre Bereitschaft zu zusätzlichen Käufen entsprechend ab. Auch die übliche saisonale Nachfragebelebung im September hinterlässt bisher keine deutlichen Spuren.
Für Zinn wiegt diese Zurückhaltung besonders schwer, da der Verbrauch eng mit der Elektronikindustrie verbunden ist. Rund 52 % des weltweit eingesetzten Zinns werden vor allem in der Elektronik für metallische Werkstoffe fürs Löten verwendet. Schwächere Bestellungen der verarbeitenden Industrie können sich entsprechend rasch auf die Metallnachfrage auswirken.
China stabilisiert sich, die USA liefern Gegenwind
Aus China kam am Dienstag ein freundlicheres Konjunktursignal. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg im August von 49,2 auf 49,8 Punkte. Damit blieb er knapp unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Produktion und neue Aufträge lagen mit 50,4 und 50,6 Punkten jedoch wieder oberhalb dieser Marke.
Aus den USA nahm zugleich der Zinsdruck zu. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Dienstag bis auf rund 4,8 % und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2025. Terminmärkte signalisierten zudem eine Wahrscheinlichkeit von rund 66 % für eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September. Höhere Renditen können Industriemetalle belasten, weil sie den US-Dollar und verzinsliche Anlagen attraktiver machen.
Myanmar und Indonesien halten das Angebot knapp
Auf der Angebotsseite erhält Zinn zugleich Unterstützung. In der autonomen Wa-Region Myanmars an der Grenze zu China wird laut SMM inzwischen wieder in begrenztem Umfang Zinn gefördert. Das fällt ins Gewicht, weil Wa den Großteil der myanmarischen Zinnkonzentrat-Lieferungen nach China stellt. Im Bergbaugebiet Man Maw waren tiefere, besonders hochgradige Grubenbereiche nach dem Förderstopp über längere Zeit geflutet. Der Branchenverband International Tin Association berichtete im März, dass das Abpumpen dieser Bereiche den Neustart zusätzlich verlangsame. Der Wiederanlauf hat seitdem Fortschritte gemacht, bleibt nach neueren Marktberichten jedoch schrittweise und operativ eingeschränkt.
Auch Indonesien bleibt für das Angebot entscheidend. Das Land ist nach Angaben der International Tin Association der weltweit größte Exporteur von raffiniertem Zinn. SMM zufolge blieben jüngste Lieferungen hinter den Erwartungen zurück. Bei zwei wichtigen asiatischen Angebotsquellen fehlt dem Markt damit ein verlässlicher Puffer.
Kurzfristig bleibt Zinn zwischen schwacher Endnachfrage und begrenztem Angebot eingespannt. SMM erwartet für den meistgehandelten Shanghai-Kontrakt eine breite Spanne von 415.000 bis 428.000 CNY je Tonne. Unterhalb davon sieht der Marktdienst bei 400.000 bis 410.000 CNY zusätzliche Kaufbereitschaft. Für einen nachhaltigeren Anstieg müsste die reale Nachfrage anspringen oder die Angebotslage sich weiter verschärfen.

