Fossile Stromerzeugung sinkt trotz steigender globaler Nachfrage

Fossile Stromerzeugung sinkt trotz steigender globaler Nachfrage

Im vergangenen Jahr konnten die erneuerbaren Energien das weltweite Plus beim Strombedarf erstmals komplett auffangen. Gleichzeitig ging die Erzeugung aus fossilen Quellen leicht um 38 TWh zurück, trotz eines massiven Nachfrageanstiegs von 849 TWh. Dies markiert den ersten Rückgang fossiler Energieträger seit dem Pandemiejahr 2020.

Treiber der Entwicklung ist vor allem die Solarenergie. Deren Stromproduktion legte um 636 TWh zu, ergänzt durch 205 TWh aus Windkraft. Zusammen mit Kernenergie und anderen CO2-armen Quellen übertraf der Zuwachs den weltweiten Mehrbedarf an Strom.

Photovoltaik deckt Nachfragewachstum und verdrängt Kohle

Nach Daten des Thinktanks Ember, einer führenden Organisation für energiedatenbasierte Forschung zur globalen Energiewende, erzeugten erneuerbare Energien 2025 erstmals mehr Strom als Kohlekraftwerke. Bereits im ersten Halbjahr 2025 hatten Wind- und Solaranlagen die Kohleverstromung zeitweise überholt. Der Rückgang bei Kohle fiel damit nicht nur saisonal, sondern setzte sich im Jahresverlauf fort.

Der Ausbau lief mit hoher Geschwindigkeit. Weltweit kamen rund 647 GW Solarleistung und 165 GW Windkraft hinzu. Die IEA erwartet, dass Solarenergie bis 2030 fast 80 % des weltweiten Zubaus bei erneuerbaren Kraftwerkskapazitäten stellt. In mehr als 80 % der Länder soll der Ausbau der Erneuerbaren zwischen 2025 und 2030 schneller verlaufen als in den fünf Jahren zuvor.

Aditya Lolla, kommissarischer Leiter von Ember, wertet die Entwicklung als strukturell. Strom aus CO2-armen Quellen wachse schnell genug, um den steigenden Strombedarf abzudecken, sagte er. Diese Einordnung deckt sich mit der IEA-Prognose, wonach erneuerbare Energien Kohle Ende 2025 oder spätestens 2026 als größte Stromquelle der Welt ablösen.

Speicher und Netze werden zum Engpass der nächsten Phase

Der Befund ist auch deshalb relevant, weil er die Marktdynamik verändert. Solange Wind- und Solarstrom nur zusätzlichen Bedarf decken, wächst das Stromsystem insgesamt. Wenn sie den Nachfragezuwachs vollständig aufnehmen, beginnt Verdrängung zulasten bestehender Erzeugung aus Kohle und Gas. Genau darauf deuten die neuen Daten hin.

Parallel steigt die Bedeutung von Speichern. Laut IEA wurden 2024 weltweit rund 63 GW neue netzgekoppelte Netzspeicher installiert. Die gesamte installierte Leistung dieser Anlagen erreichte damit 124 GW. Batterien übernehmen damit zunehmend die Verschiebung von Lastspitzen, Netzstabilisierung und die Integration fluktuierender Einspeisung.

Trotzdem bleibt die Stromerzeugung aus Kohle und Gas in vielen Märkten nachts und in Spitzenlastzeiten nötig. Ember verweist darauf, dass die fossile Erzeugung außerhalb der Sonnenstunden in Ländern wie Indien und den USA weiter steigt. Die IEA nennt daher neben Speichern vor allem Netzausbau und Lastflexibilisierung als Voraussetzung für die nächste Ausbaustufe.

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Chinas Exportdaten zeigen die industrielle Dimension des Umbaus

Die Nachfrage nach klimafreundlichen Technologien spiegelt sich inzwischen deutlich im Außenhandel. China exportierte im März 2026 Solarprodukte, Batterien und Elektroautos im Wert von 21,9 Mrd. USD. Innerhalb eines Zwölfmonatszeitraums summierten sich diese Ausfuhren auf rund 200 Mrd. USD.

China bleibt damit der zentrale industrielle Leitmarkt der Elektrifizierung. Laut Ember entfielen 2024 rund 80 % der weltweiten Produktion von Solarmodulen und Batteriezellen sowie 70 % der Elektroautoproduktion auf China. Für den Stromsektor heißt das: Der Ausbau der Erneuerbaren hängt nicht mehr nur an nationalen Ausbauzielen, sondern zunehmend auch an global verfügbaren Lieferketten für Module, Batterien und Netztechnik.

Kurzfristig bleibt das Bild allerdings uneinheitlich. Der Krieg zwischen Israel und Iran und höhere Gaspreise stützen in einzelnen Volkswirtschaften weiter den Einsatz von Kohle. Zugleich erhöht genau diese Preis- und Versorgungsunsicherheit den Anreiz, Stromsysteme stärker mit heimischer Wind- und Solarenergie abzusichern. Das stärkt die These, dass der aktuelle Rückgang fossiler Stromerzeugung mehr ist als ein statistischer Ausreißer.