Goldkonzerne halten Mali trotz Eskalation die Treue
Die neue Eskalation in Mali verschärft das Spannungsfeld zwischen politischem Risiko und wirtschaftlicher Attraktivität. Nach den koordinierten Angriffen vom Samstag, bei denen nach Angaben des Südafrikanischen Redaktionsnetzwerks Creamer Media der Verteidigungsminister getötet, der Flughafen der Hauptstadt attackiert und russische Soldaten aus einer Wüstenstadt verdrängt wurden, rechnen Branchenvertreter dennoch nicht mit einem raschen Rückzug internationaler Bergbaukonzerne. Zu wichtig ist das Land für die Goldförderung in Afrika, zu verlockend sind die Erlöse bei Rekordpreisen am Weltmarkt.
Die Sicherheitslage belastet vor allem die Lieferketten
Die Regierung in Bamako erklärt zwar, die Lage sei unter Kontrolle und Einsätze gegen die Rebellen liefen weiter. In der Branche wächst trotzdem die Sorge, dass sich die Unsicherheit stärker auf Nachschubwege und den Schutz von Anlagen auswirkt. Mehrere Bergbaumanager und Analysten sprechen laut Mining Weekly vor allem über Diesel, Materialtransporte und die Anfälligkeit der Versorgung.
Vincent Rouget von Control Risks bringt den Kern des Problems auf den Punkt. Sicherheits- und Terrorrisiken auf den Versorgungsrouten werden fortbestehen. Daniel van Dalen von Signal Risk warnt zudem, die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Putsches sei gestiegen. Sollte es dazu kommen, könnte die Unruhe nach seiner Einschätzung auch auf den industriellen Bergbau und ausländische Interessen übergreifen.
Der Süden bleibt für viele Betreiber vorerst rentabel
Dass die Industrie dennoch investiert, hat einen einfachen Grund. Der industrielle Bergbau konzentriert sich stark auf den Süden Malis, der bislang vergleichsweise wenig von der jüngsten Gewalt erfasst wurde. Resolute Mining AU000000RSG6 794836 erklärte am Dienstag, die Syama-Goldmine im Süden laufe unter Volllast; Personal, Logistik und Produktion seien nicht beeinträchtigt.
Hinzu kommt die ökonomische Logik des Sektors. Ein Manager mit Aktivitäten in der Sahelzone sagte, hohe Goldpreise und die Qualität des Erzes wögen die Risiken weiterhin auf. Darin liegt die Stabilität des Systems und zugleich seine Schwäche: Solange Marge und Geologie stimmen, wird politische Unsicherheit eher eingepreist als zum Ausstiegsgrund.
Der Staat greift härter zu, doch das Kapital zieht sich nicht zurück
Schon vor den jüngsten Angriffen war Mali für internationale Betreiber schwieriger geworden. Die Militärregierung, die seit der Machtübernahme 2021 stärker auf Mineneinnahmen angewiesen ist, hat das Bergrecht verschärft, Steuern erhöht und den staatlichen Anteil zulasten internationaler Unternehmen ausgebaut. Das belastet das Verhältnis zu westlichen Konzernen spürbar.
Barrick Mining CA06849F1080 A417GQ erhielt erst in diesem Jahr wieder die operative Betriebsführung für den Komplex Loulo Gounkoto zurück, nach einem fast zweijährigen Streit mit dem Staat. Gleichzeitig treten chinesische Unternehmen aggressiver auf. Allied Gold CA01921D2041 A417BV verkaufte seine Aktivitäten in Mali im Vorjahr an Zijin Mining CNE100000502 A0M4ZR. Auch Ganfeng Lithium CNE1000031W9 A2N6UN, das 65 % am Goulamina-Lithiumprojekt hält, sieht seine Mine laut einem ranghohen Manager weit genug von den betroffenen Gebieten entfernt und auf mögliche Störungen vorbereitet.
Damit bleibt Mali für den Bergbau ein Land mit zwei Gesichtern. Oben wächst das politische Risiko, unten im Gestein liegen weiter Gold, Lithium, Uran und Kupfer. Für die Branche entscheidet vorerst nicht die Schlagzeile allein, sondern ob Straßen, Energie und Sicherheit im Süden funktionsfähig bleiben. Noch spricht mehr für ein Ausharren als für einen Rückzug.
