Chinas Aluminiumexporte steigen trotz Strategiewechsel auf Rekord
Der chinesische Aluminiumproduzent China Hongqiao KYG211501005 A1H6UR steht im Mittelpunkt eines industriepolitischen Experiments. Peking hat die Exportförderung gekappt, will energieintensive Kapazitäten modernisieren und mehr Metall in strategische Anwendungen lenken. Doch im ersten Halbjahr 2026 stiegen Produktion und Ausfuhren zugleich. Im Juni erreichten die Lieferungen von Rohaluminium und Aluminiumprodukten mit 711.000 Tonnen einen Monatsrekord.
Exportbremse verliert bereits wieder an Wirkung
Das chinesische Finanzministerium und die Steuerverwaltung strichen die Rückvergütung für Aluminiumprodukte mit Wirkung zum 1. Dezember 2024. Zuvor konnten Exporteure bis zu 13 Prozent der Mehrwertsteuer zurückfordern und ihre Ware entsprechend günstiger im Ausland anbieten. Die Exporte von Rohaluminium und Aluminiumprodukten sanken 2025 zunächst um acht Prozent. Doch diese Delle war nicht von Dauer: China verschiffte von Januar bis Juni 2026 rund 3,4 Millionen Tonnen, 16,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im Juni lagen die Ausfuhren 12,5 Prozent über dem Vormonat und überschritten erstmals die Marke von 700.000 Tonnen.
Auch die Zusammensetzung der Lieferungen spricht nicht für einen Rückzug vom Weltmarkt. Von den Juni-Exporten entfielen 598.200 Tonnen auf weiterverarbeitete Aluminiumprodukte. Peking hat den Exportkanal damit nicht geschlossen, sondern die Hersteller zu neuen Kalkulationen und stärker verarbeiteten Produkten gedrängt.
Produktion rückt näher an die staatliche Obergrenze
Seit 2017 begrenzt die Regierung die jährliche Primäraluminiumkapazität auf rund 45,5 Millionen Tonnen. Neue Anlagen dürfen grundsätzlich nur entstehen, wenn ältere Kapazitäten stillgelegt oder entsprechende Produktionsrechte übertragen werden.
Vor diesem Hintergrund meldete das Nationale Statistikamt Chinas für das erste Halbjahr 2026 eine Primäraluminiumproduktion von 23,19 Millionen Tonnen, 3,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Juni stieg der Ausstoß um 4,7 Prozent auf 3,98 Millionen Tonnen. Die Branche arbeitet damit nahe am politischen Kapazitätsrahmen, ohne dass sich bislang eine sinkende Produktionsmenge abzeichnet.
Peking setzt auf Qualität statt auf schnelle Schrumpfung
Elektroautos und Solaranlagen sollen einen größeren Teil des Metalls aufnehmen. Batterieelektrische Fahrzeuge enthielten 2022 etwa 85 Prozent mehr Aluminium als Autos mit Verbrennungsmotor. In Photovoltaikanlagen wird das Metall unter anderem für Modulrahmen, Träger und Befestigungen benötigt.
Im ersten Halbjahr 2026 produzierten chinesische Hersteller 7,399 Millionen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der aktuelle Zuwachs bleibt damit deutlich hinter den extremen Wachstumsraten früherer Jahre zurück, schafft aber weiterhin zusätzliche Nachfrage nach Leichtbaumaterialien.
Der Arbeitsplan des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie zielt zugleich nicht auf eine rasche Schrumpfung des gesamten Nichteisenmetallsektors. Für 2025 und 2026 ist bei den zehn wichtigsten Nichteisenmetallen ein durchschnittliches Produktionswachstum von rund 1,5 Prozent vorgesehen; die jährliche Erzeugung recycelter Metalle soll auf mehr als 20 Millionen Tonnen steigen.
CO₂-Handel macht Emissionen zum Wettbewerbsfaktor
Die Modernisierung der Branche erhält inzwischen einen zusätzlichen Hebel. 2025 wurden 97 Aluminiumhütten in den nationalen Emissionshandel einbezogen. Zusammen mit Stromerzeugern, Stahl- und Zementbetrieben erfasste das System damit 3.378 Unternehmen.
Für Aluminiumbetriebe mit direkten Jahresemissionen ab 26.000 Tonnen CO₂-Äquivalent gelten verbindliche Melde-, Prüf- und Abgabepflichten. Seit Juli 2025 müssen relevante Produktions- und Emissionsdaten zudem monatlich digital hinterlegt werden. Der unmittelbare Kostendruck mag zunächst begrenzt sein, doch emissionsarme Hütten werden erstmals systematisch mit kohleintensiven Wettbewerbern verglichen.
Damit gewinnt die Wahl des Standorts an Bedeutung. Wasserkraftreiche Provinzen können Produzenten nicht nur günstigeren Strom, sondern auch eine günstigere Emissionsbilanz bieten. Wiederkehrende Dürreperioden zeigen allerdings, dass die Abhängigkeit von Wasserkraft neue Produktionsrisiken schafft.
China Hongqiao nutzt Größe und günstige Energie
Große, integrierte Anbieter können auf engere Margen leichter reagieren als kleinere Produzenten. Sie kontrollieren mehrere Stufen der Wertschöpfung, verfügen über besseren Kapitalzugang und können Werke, Energiequellen oder Produktpaletten schneller verändern.
China Hongqiao steigerte seinen Umsatz 2025 um vier Prozent auf 162,35 Milliarden CNY (ca. 23,99 Milliarden USD). Der den Aktionären zurechenbare Gewinn wuchs um 1,2 Prozent auf 22,64 Milliarden CNY (ca. 3,34 Milliarden USD). Die Zahlen zeigen, dass der Konzern den Wegfall der Exportförderung bislang ohne Gewinneinbruch verkraftet hat.
Der Konzern verlagert einen großen Teil seiner Aluminiumkapazität nach Yunnan. Nach Abschluss des zweiten Werks sollen die dortigen Anlagen jährlich vier Millionen Tonnen produzieren können – mehr als 60 Prozent der gesamten Hüttenkapazität von China Hongqiao. Für die beiden Standorte waren Investitionen von zusammen 45,6 Milliarden CNY (ca. 6,74 Milliarden USD) vorgesehen. Die Kombination aus Wasserkraft sowie Wind- und Solarprojekten soll die Emissionen des Konzerns nach eigenen Angaben um rund zwei Drittel senken.
Indonesien wird zum Ventil für neue Kapazitäten
Die chinesische Kapazitätsgrenze verhindert nicht, dass die Unternehmen im Ausland weiter expandieren. Indonesien bietet große Bauxitvorkommen und die Möglichkeit, Rohstoffgewinnung, Aluminiumoxidproduktion, Energieversorgung und Hafenlogistik räumlich zu verbinden.
Der Aluminiumoxidproduzent Nanshan Aluminium International KYG6391R1074 A40Y83 verfügte Ende 2025 über eine ausgelegte Aluminiumoxidkapazität von vier Millionen Tonnen im Jahr. Der Umsatz stieg um 11,9 Prozent auf 1,14 Milliarden USD, obwohl der durchschnittliche Verkaufspreis für Aluminiumoxid zurückging.
Im Januar 2026 begann das Unternehmen mit den Vorbereitungen für eine Aluminiumhütte mit 250.000 Tonnen Jahreskapazität. Die anfängliche Investition wird auf rund 436,6 Millionen USD veranschlagt; mittelfristig sind weitere 500.000 Tonnen vorgesehen. Damit wandert ein Teil des chinesisch kontrollierten Kapazitätswachstums schlicht über die Landesgrenze.
Weltmarkt hält Chinas Exportkanal offen
Der Dreimonatspreis für Aluminium schloss am 27. Juli 2026 bei 3.171 USD je Tonne. Im laufenden Handel am 28. Juli notierte das Metall bei rund 3.148 USD je Tonne. Das Preisniveau bleibt damit hoch. Ein knappes weltweites Angebot und Produktionsstörungen im Nahen Osten stützen den Markt weiterhin; die Region steht für rund neun Prozent der globalen Hüttenkapazität.
Der Preisrahmen erhöht den Anreiz für chinesische Hersteller, trotz weggefallener Steuervergütung ins Ausland zu liefern. Hohe Weltmarktpreise können den Margenverlust zumindest teilweise auffangen, während schwächere Binnennachfrage zusätzlichen Exportdruck erzeugt.
Ein Teil des Aluminiums erreicht den Weltmarkt dabei in anderer Form: Statt niedrig verarbeitete Materialien zu verkaufen, kann China das Metall in Blechen, Fahrzeugteilen, Batterien oder Solarmodulen ausführen und damit einen größeren Anteil der Wertschöpfung im eigenen Land halten.
Umbau löst das Mengenproblem bislang nicht
Die Abschaffung der Exportförderung hat die Anreize innerhalb der Branche verändert. Große Produzenten investieren in modernere Energieversorgung und stärker integrierte Lieferketten. Kleinere Betriebe arbeiten teilweise nur mit 40 bis 60 Prozent ihrer Kapazität oder wechseln von standardisierten Produkten zu spezialisierten Komponenten für Elektronik und Luftfahrt.
Eine breite Stilllegungswelle ist bislang ausgeblieben. Kapazitäten werden modernisiert, zwischen Provinzen verschoben, ins Ausland verlagert oder auf höherwertige Produkte ausgerichtet. Das kann Emissionen je Tonne senken und die Produktivität einzelner Werke erhöhen, beseitigt aber nicht automatisch den mengenmäßigen Überschuss.
Pekings Politik bewirkt derzeit keinen sichtbaren Kapazitätsabbau, sondern eine Neuordnung von Standorten, Energiequellen und Absatzformen. Ob daraus ein dauerhafter Effizienzgewinn entsteht, hängt deshalb weniger von der Steuerpolitik als von den nachgelagerten Industrien ab. Können Elektroautos, Stromnetze, Verpackungen und Solartechnik die wachsenden Mengen nicht profitabel aufnehmen, wandert die Überkapazität lediglich vom Aluminium in die daraus gefertigten Endprodukte.

