Plansee schließt den Wolframkreislauf außerhalb Chinas

Plansee schließt den Wolframkreislauf außerhalb Chinas Plansee Group

Die westliche Industrie muss ihre Wolframversorgung unter größerem politischen und wirtschaftlichen Druck neu ordnen. Die Preise für das Metall sind stark gestiegen, während Abnehmer um verfügbare Mengen konkurrieren. Für Anbieter außerhalb Chinas werden dadurch eigene Rohstoffquellen und Verarbeitungskapazitäten wirtschaftlich wertvoller. Dazu gehört der privat geführte österreichische Werkstoffkonzern Plansee.

Chinas Exportkontrollen verschärfen den Wolframengpass

Der Weltmarkt für Wolfram wird auf rund 16 Mrd. USD geschätzt – das entspricht nur etwa fünf Prozent des Kupfermarktes. Für die Industrie ist das Metall dennoch von großer Bedeutung. Seine Härte macht Wolfram speziell für Schneid- und Formwerkzeuge wichtig, Hitzebeständigkeit ist für die Halbleiterfertigung entscheidend. Seine Dichte liegt fast doppelt so hoch wie bei Blei. Deshalb wird Wolfram auch in panzerbrechender Munition eingesetzt, also für militärische Zwecke.

Die Versorgungsabhängigkeit von China bleibt hoch. Nach Angaben der US-Geologiebehörde USGS entfielen 2025 rund 67.000 von weltweit 85.000 Tonnen Förderung auf China. Das entspricht knapp 79 %. Gleichzeitig altern dort Minen, während die heimische Nachfrage wächst. 2025 wurde China zum Nettoimporteur von Wolfram. Das bedeutet, dass das Land im Saldo mehr Wolframmaterial ein- als ausführte. Trotz seiner dominierenden Förderung trat China damit zugleich verstärkt als Käufer auf internationalen Beschaffungsmärkten auf.

In dieser Lage griffen chinesische Käufer verstärkt nach US-Schrott und überboten teilweise amerikanische Händler. Hinzu kamen staatliche Exportbeschränkungen. Seit Anfang Februar 2025 benötigen Exporteure für mehrere Wolframprodukte eine Genehmigung. Betroffen sind unter anderem Ammoniumparawolframat, Wolframoxide und bestimmte Wolframcarbide.

Nach Einschätzung von Karlheinz Wex, dem Vorstandsvorsitzenden der Plansee Group, fehlen westlichen Märkten heute jährlich rund 20.000 Tonnen gegenüber dem Angebot vor zehn Jahren. Wie Bloomberg berichtet, wurden zuletzt auch wichtige Lieferungen nach Japan unterbrochen.

Der Angebotsdruck hat außerdem die Preise stark verändert. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) versechsfachte sich der Wolframpreis von 2024 bis Anfang 2026. Zuvor hatten jahrelang niedrige Preise viele westliche Anbieter aus dem Markt gedrängt. Die heutige Knappheit trifft deshalb auf eine ohnehin stark konzentrierte Lieferkette. Ein solcher Mangel kann Produktionen blockieren, deren Wert den Rohstoff selbst um ein Vielfaches übersteigt. Darauf verweist auch Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank. Engpässe können Produktion bremsen und zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen. Zentralbanken berücksichtigen deshalb neben Öl und Gas zunehmend weniger sichtbare Vorprodukte wie Wolfram.

Das Problem reicht zudem über Wolfram hinaus. China ist laut IEA bei 19 von 20 untersuchten strategischen Mineralen der führende Raffinierer. Der durchschnittliche Marktanteil liegt bei rund 70 %. Bei vollständiger Umsetzung chinesischer Seltene-Erden-Kontrollen könnten außerhalb Chinas jährlich 6,5 Bio. USD nachgelagerter Produktion gefährdet sein. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnt vor gefährlichen Abhängigkeiten. Bei vielen kritischen Rohstoffen sei Europa zu mehr als 80 % von China abhängig.

Plansee verarbeitet Wolfram in Europa und den USA

In diesem speziellen Marktumfeld gehört Plansee zu den größten Anbietern außerhalb Chinas. Das Unternehmen deckt rund zwölf Prozent der weltweiten Wolframnachfrage. Die jährliche Kapazität liegt bei etwa 15.000 Tonnen. Mehr als 90 % davon stammen aus verschlissenen Bohrern, Fräseinsätzen und anderem Schrott.

Plansee hat über zwei Jahrzehnte Verfahren entwickelt, die zurückgewonnenes Altmaterial wieder auf eine mit Erzware vergleichbare Qualität bringen. Das senkt die Abhängigkeit von neuer Förderung. Material aus Europa kann in Österreich, Finnland oder im US-Bundesstaat Pennsylvania verarbeitet werden. Danach gelangt es in eigene Werke oder zu Kunden. Zu den Abnehmern gehören ASML, ein niederländischer Lithographiesystem-Hersteller, und das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX.

Die Einsatzfelder für Wolfram reichen von Werkzeugen für Autos, Flugzeuge und Elektronik bis zu Bauteilen für Chirurgie und Tunnelbau. Einzelne von Plansee gefertigte Komponenten sind haarfein. Andere Werkzeuge werden zum Bohren durch Fels eingesetzt.

Recycling senkt die Abhängigkeit von Primärmaterial

Die Verknappung eröffnet Plansee nach eigener Einschätzung zugleich Chancen auf zusätzliche Marktanteile. Das internationale Verarbeitungsnetz erlaubt dem Unternehmen, Wolfram ganz ohne chinesische Zwischenstufen bereitzustellen.

Recycling senkt außerdem den ökologischen Aufwand. Nach Angaben von Wex verursachen recycelte Wolframprodukte vier- bis fünfmal weniger CO₂ als Produkte aus neu gefördertem Material. Plansee bezieht 98 % seines Stroms aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft vom nahegelegenen Plansee. Der CO₂-Fußabdruck der Gruppe sank in fünf Jahren um fast ein Drittel.

Im Geschäftsjahr 2025/26 stieg der Umsatz um vier Prozent auf 2,35 Mrd. EUR. Zugleich investierte Plansee 145 Mio. EUR in zusätzliche Kapazitäten für Konzentrat, Pulver und höherwertige Wolframprodukte.

Mit unserem kostenlosen Newsletter bleiben Sie stets zu interessanten Rohstoffthemen und Minenfirmen auf dem neuesten Stand. Verpassen Sie keine Marktkommentare und Hintergrundberichte zu spannenden Metallen mehr.

Mit dem Absenden bestätigen Sie, dass Sie unseren Disclaimer / AGB, unsere Datenschutzerklärung und Informationsvertragsbedingungen gelesen haben und akzeptieren.
Sie haben es fast geschafft!

Öffnen Sie Ihr Email Programm (eventuell den Spam Ordner prüfen) und klicken Sie in der Email mit dem Betreff: "Miningscout: Bitte Anmeldung bestätigen" auf den Bestätigungslink.

Fügen Sie info@miningscout.de als Kontakt in Ihrem Email-Programm hinzu, damit unser Newsletter nicht aus Versehen als Spam markiert wird.

Sangdong soll zusätzliche Erzversorgung absichern

Recycling ersetzt die Primärförderung jedoch nicht vollständig. Für den verbleibenden Bedarf bindet Plansee langfristig Erz aus der Wolframmine Sangdong in Südkorea. Die Mine war vor rund drei Jahrzehnten geschlossen worden. Damals drückte billiges chinesisches Wolfram die Preise.

Gegenwärtiger Betreiber ist Almonty Industries CA0203987072 A414Q8, ein kanadischer Wolframproduzent mit Projekten in Asien und Europa. Almonty meldete am 1. Juli 2026, dass in Sangdong bereits im Juni der Durchsatz in der Aufbereitungsanlage begonnen hatte und die Anlage sich im Produktionshochlauf befindet. Plansee hält rund zehn Prozent an Almonty und ist dessen größter Aktionär. Der Abnahmevertrag für Sangdong läuft über 21 Jahre. Eine Vertragsänderung erhöhte das vereinbarte Volumen um 40 %. Rund 90 % der geplanten Produktion der ersten Ausbaustufe sind damit gebunden.

Nach Angaben von Plansee kann Sangdong langfristig bis zu 20 % des außerhalb Chinas produzierten Wolframkonzentrats liefern. Der Vertrag enthält Schutzmechanismen für den Fall erneut fallender Preise. Wex begründet das mit der Notwendigkeit langfristiger Planung.

Almonty erwägt außerdem, die lange stillgelegte Wolframmine Los Santos in Spanien wieder in Betrieb zu nehmen. Dort soll zunächst Wolfram aus bereits vorhandenen Aufbereitungsrückständen zurückgewonnen werden. Laut Almontys aktuellem Halbjahresbericht soll zuvor die Aufbereitungsanlage entsprechend umgebaut werden.

Beim Zinn-Wolfram-Projekt Valtreixal im Nordwesten Spaniens bestehen derzeit dagegen Genehmigungsprobleme. Almonty führt Valtreixal in seinem Bericht vom 11. August jedoch weiterhin als Projekt, das geprüft werde.

Die USA halten Wolframschrott stärker im eigenen Markt

Auch die USA sichern verfügbare Mengen stärker ab. Plansee vereinbarte 2026 mit Manhattan Five Partners, einem US-Investor für Immobilien und Infrastruktur, die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für einen strategischen Vorrat aus Wolframoxid. Manhattan Five bringt Erfahrung bei Strukturierung, Finanzierung und Verwaltung großer Infrastrukturprojekte ein und soll Lagerung, Logistik und langfristiges Vermögensmanagement übernehmen. Plansee soll Produktionserweiterung und Lieferung verantworten.

Parallel soll Plansees Werk in Pennsylvania künftig rund 12.000 Tonnen pro Jahr verarbeiten. Als Ausgangsmaterial dienen Recyclingmaterial und Erz aus zugelassenen Quellen.

Seit dem 27. August 2026 müssen Verkäufer von Wolframschrott in den USA ihre monatlichen Absätze vollständig an inländische Käufer abwickeln, sofern keine Ausnahme oder Anpassung genehmigt wird. Die Regel läuft zunächst für genau ein Jahr. Zum Jahresbeginn 2027 werden außerdem die Herkunftsvorgaben in der US-Verteidigungsbeschaffung strenger. Für Wolframpulver und Wolfram-Schwermetall reicht die Prüfung dann vom Ausgangsmaterial bis zur Pulverherstellung. Erfasst sind ausdrücklich auch Ausgangsstoffe aus Recycling.

Betroffen sind Lieferketten mit Ursprung in China, Russland, Iran oder Nordkorea. Für Zulieferer steigt damit die Bedeutung lückenloser Herkunftsnachweise. Plansee hat nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten in die grenzüberschreitende Rückverfolgung seiner Materialströme investiert.

Europas Rohstoffstrategie stößt beim Recycling an Grenzen

Europa verfügt zwar über eigene Wolframminen, Verarbeiter und große Mengen des Metalls in bestehenden Werkzeugen und Maschinen. Je nach Stufe der Lieferkette ist der Anteil aus Drittstaaten jedoch sehr unterschiedlich. Die Europäische Kommission beziffert ihn bei der Wolframförderung auf 21 %, bei der Verarbeitung dagegen auf 80 %.

Der Critical Raw Materials Act, das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe, setzt deshalb Ziele für 2030. Zehn Prozent des Verbrauchs strategischer Rohstoffe sollen innerhalb der EU gefördert werden. 40 % sollen dort verarbeitet und 25 % recycelt werden. Aus einem einzelnen Drittstaat sollen höchstens 65 % des Jahresverbrauchs stammen.

Auch beim Recycling bleibt Europa hinter seinen Möglichkeiten. Román Arjona, Chefökonom der EU-Generaldirektion Binnenmarkt und Industrie, nennt fehlende Investitionen, Fähigkeiten und Infrastruktur als Ursachen. Dadurch geht weiterhin kritisches Material verloren.

Für Wolfram ist das besonders relevant, weil vorhandener Schrott erneut als Rohstoff dienen kann. Simon Jost, CEO des auf Hartmetallwerkzeuge spezialisierten Plansee-Geschäftsbereichs Ceratizit, fordert deshalb, gebrauchte Werkzeuge im Westen zu halten.

Plansee verbindet einen Recyclinganteil von mehr als 90 % mit langfristig gebundenem Erz, Verarbeitungskapazitäten und lückenlosen Herkunftsnachweisen. Für die westliche Versorgung braucht es darüber hinaus weitere Quellen.