Wolfram-Mangel verschärft geopolitische Spannungen
Chinesische Käufer sichern sich seit Anfang 2025 verstärkt Wolfram aus amerikanischen Schrottströmen. Sie treiben damit die Preise für ein Metall nach oben, das unersetzlich für Munition, Raketen, die Luftfahrt sowie Spezialwerkzeuge ist. Außerhalb Chinas verknappt Wolfram durch einen zunehmend aggressiven Wettbewerb.
Auslöser sind die boomende Nachfrage aus der Rüstungsindustrie sowie neue chinesische Exportbeschränkungen. Diese Dynamik wandelt den Spezialmarkt in ein geopolitisches Spannungsfeld. Das US-Innenministerium führt Wolfram inzwischen offiziell auf der Liste kritischer Mineralien – ein Status für Rohstoffe mit hoher wirtschaftlicher sowie sicherheitspolitischer Bedeutung.
Chinesische Bieter übertreffen US-Käufer um ein Vielfaches
Wie die Financial Times berichtet, zahlen chinesische Interessenten laut US-Verkäufern ein Mehrfaches der üblichen Preise. Sie überbieten amerikanische Käufer bei etablierten Lieferanten und versprechen oft, jeden Konkurrenzpreis zu übertreffen. Begehrt ist vor allem Altmetall aus verbrauchten Hartmetallwerkzeugen, Bohrkronen oder Bergbauausrüstung, das spezialisierte Betriebe recyceln und wiederverarbeiten.
Die Preisausschläge fallen entsprechend drastisch aus: Seit Mai 2025 verteuerte sich US-Wolfram um mehr als 200 Prozent, während Wolframschrott sogar um 350 Prozent zulegte. Diese Entwicklung trifft auf einen ohnehin engen Markt. Nach Daten des United States Geological Survey stammten 2024 rund 80 Prozent der weltweiten Wolframförderung aus China.
Pekings Exportkontrollen verschärfen den Engpass
Die Knappheit ist nicht allein Folge dieses Aufkaufs. Peking hatte bereits Anfang Februar 2025 Ausfuhrkontrollen für wolframbezogene Produkte angekündigt. Damit beschränken staatliche Restriktionen einen Markt, den ohnehin nur wenige Förderländer und knappe Verarbeitungskapazitäten dominieren.
Dass nun sogar US-Schrottplätze ins Visier geraten, unterstreicht die strategische Bedeutung des Metalls. Manche Käufer schleusen Lieferungen über Drittländer oder Zwischenadressen in Nordamerika sowie Dubai. Unterdessen wächst in Washington der politische Druck, die Ausfuhr des sicherheitsrelevanten Rohstoffs schärfer zu kontrollieren. Der republikanische Abgeordnete John Moolenaar fordert verstärkte Anstrengungen für eine verlässliche Versorgung.
Exportstopp versus Kapazitätsmangel
Hier zeigt sich ein massiver Zielkonflikt: Während Teile der Branche ein Exportverbot für Wolframschrott fordern, fehlen den USA die Kapazitäten, um das gesamte Material selbst zu Vor- oder Endprodukten zu verarbeiten.
Das US-Verteidigungsministerium erklärte 2025, die Vereinigten Staaten hätten seit beinahe einem Jahrzehnt kein eigenes Wolfram mehr gefördert. Das Metall steht damit exemplarisch für den Verlust heimischer Bergbau- und Raffineriekapazitäten. Der Streit um das Altmetall spiegelt somit weit mehr als einen kurzfristigen Preissprung: Er entlarvt die Verwundbarkeit westlicher Lieferketten – in einem Umfeld, in dem China gleichzeitig als größter Produzent, Verarbeiter und nun auch Käufer auftritt.

