Chinas Kupferimporte steigen auf Neunmonatshoch
Chinas Kupfermarkt zieht global Metall an: Der Importaufschlag steigt laut dem Rohstoffdatenanbieter Shanghai Metals Market (SMM) von 20 US-Dollar Ende Januar auf 100 US-Dollar je Tonne. Kupfer legt an der London Metal Exchange (LME) zeitweise um 0,6 Prozent auf 13.608 US-Dollar zu. Die Juni-Einfuhren von Raffinadekupfer erreichen 281.307 Tonnen.
Pekings Steuerkontrollen trocknen den Schrottmarkt aus
Auslöser ist Pekings Vorgehen gegen die sogenannte Rechnungswirtschaft, bei der Händler Steuerbelege zur Finanzierung von Rohstoffgeschäften einsetzen. Verschärfte Prüfungen der Mehrwertsteuer treffen besonders kleine Schrotthändler und Aufbereiter. Fehlen anerkannte Rechnungen oder die dafür nötigen Kontingente, stockt der Warenumschlag. SMM berichtet deshalb von anhaltend knappem, steuerlich anrechenbarem Kupferschrott.
Die Nationale Steuerverwaltung Chinas schuf die umgekehrte Rechnungsstellung bereits zum 29. April 2024 als legalen Kanal. Recyclingunternehmen dürfen Rechnungen für private Schrottverkäufer ausstellen, solange deren Umsatz binnen zwölf Monaten fünf Millionen CNY, umgerechnet rund 739.000 USD, nicht überschreitet. Seit dem 1. Juli 2026 sinkt die Einkommensteuer-Vorauszahlung im digital verknüpften Modell für die ersten 600.000 CNY – rund 88.700 USD – Jahresumsatz auf 0,25 Prozent. Für darüber hinausgehende Umsätze bleibt es bei 0,5 Prozent.
Für Hütten und Halbzeughersteller verschiebt sich damit die Rohstoffwahl. Anstelle von Schrott kaufen sie häufiger Kathodenkupfer, also hochreines und börsenfähiges Metall. Diese Ersatzkäufe treiben die Importnachfrage, während die Bestellungen der industriellen Endkunden in der sommerlichen Schwächephase verhalten bleiben. Der Importaufschlag signalisiert damit vor allem Knappheit beim Vormaterial. Zusätzlich beseitigte eine Vorgabe zur Bereinigung unzulässiger lokaler Steuervergünstigungen frühere Zuschüsse. Laut SMM ziehen sich seitdem vor allem kleinere und mittlere Händler zurück, wodurch das verfügbare Angebot weiter schrumpft.
Der Engpass zieht Kupfer aus den LME-Lagern
Mitte Juli lagen die Angebote für hochwertiges Kupfer laut SMM bereits zwischen 95 und 105 USD je Tonne. Das war der höchste Stand seit Mai 2025. Noch Anfang Juli hatte der durchschnittliche Aufschlag lediglich bei rund 55 USD gelegen.
Die Sogwirkung zeigt sich in den Zollzahlen: Gegenüber Mai stiegen Chinas Einfuhren von Raffinadekupfer im Juni um 0,5 Prozent und erreichten den höchsten Monatsstand seit September 2025. Im zweiten Quartal lagen die Einfuhren 42 Prozent über dem Vorquartal, während die Halbjahresmenge mit 1,41 Millionen Tonnen noch 14,3 Prozent unter dem Vorjahreswert blieb. Der Markt erlebt damit einen scharfen kurzfristigen Nachfrageschub, keine gleichmäßige Importwelle über das gesamte Jahr.
Händler ziehen inzwischen Kupfer aus den von der LME erfassten Lagerhäusern ab und liefern es nach China. Dort liegen die Vorräte am unteren Rand ihrer für die Jahreszeit üblichen Bandbreite. Auch die LME-Bestände sind auf den tiefsten Stand seit März gefallen. Der Markt für tatsächlich lieferbares Metall bietet deshalb nur einen schmalen Puffer gegen weitere Störungen.
Auch die Einfuhren von Kupferschrott stiegen im Juni auf 210.900 Tonnen, 15,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das spricht dafür, dass der Engpass weniger an fehlendem Material an der Grenze liegt als an seiner steuerlich sauberen Zirkulation im Inland. Seit Jahresbeginn hat Kupfer rund neun Prozent gewonnen; neben dem chinesischen Importbedarf stützen mögliche US-Zölle auf raffiniertes Metall sowie Erwartungen an den Kupferbedarf von Stromnetzen und Rechenzentren. Damit trifft Pekings Steuerkurs auf einen Weltmarkt, der bereits von stark verschobenen Warenströmen geprägt ist.
Die USA sammeln Metall und verstärken die Verzerrung
Während China um kurzfristig verfügbare Lieferungen ringt, liegen die von der US-Terminbörse Comex erfassten Kupfervorräte auf Rekordniveau. Die Bestände sind über acht Quartale hinweg gestiegen. Zollerwartungen haben Lieferungen nach Nordamerika gelenkt und das Preisgefälle zwischen den Handelsplätzen vergrößert. China muss deshalb höhere Aufschläge zahlen, um Metall zurück in den eigenen Markt zu ziehen.
Die US-Regierung verschärfte im April 2026 zugleich den Zollrahmen: Für bestimmte, weitgehend aus Kupfer bestehende Waren gelten seither 50 Prozent Zoll, für zahlreiche daraus gefertigte Produkte 25 Prozent. Die Proklamation von 2025 stellt für Raffinadekupfer zudem einen Zoll von 15 Prozent ab 2027 und 30 Prozent ab 2028 in Aussicht, verlangt dafür aber eine gesonderte Entscheidung des Präsidenten. Schon die Aussicht auf weitere Hürden erhöht den Anreiz, Metall frühzeitig in US-Lager zu bringen.
Zusätzlichen Druck erzeugen Wartungsarbeiten in chinesischen Kupferhütten. Nach Angaben des Satellitendatenanbieters Earth-i stieg die Inaktivitätsquote der überwachten chinesischen Hütten im zweiten Quartal auf 13,9 Prozent, nach 5,5 Prozent im Vorquartal. Weltweit erreichte sie 16 Prozent; zu den größten chinesischen Stillständen zählten die Hütten Sanmenxia, Baiyin und Gansu Nr. 2. Üblicherweise gleichen Hütten solche Ausfälle durch den Zukauf von Schrott, Barren oder Anoden – Vorprodukten für raffiniertes Kupfer – aus. Weil der Schrottmarkt zugleich unter den Steuerkontrollen leidet, fehlt diesmal ein wichtiger Ersatzkanal.
Der globale Überschuss bremst die Knappheitsstory
Die Internationale Kupferstudiengruppe (ICSG) erwartet für 2026 dennoch einen weltweiten Überschuss von rund 96.000 Tonnen und für 2027 von 377.000 Tonnen. Noch im Oktober 2025 hatte sie für 2026 ein Defizit von 150.000 Tonnen vorausgesagt. Ausschlaggebend für die Kehrtwende sind schwächeres Verbrauchswachstum und mehr Sekundärkupfer, also raffiniertes Metall aus wiederaufbereitetem Material. Die globale Nachfrage soll 2026 um 1,6 Prozent, die chinesische um 1,9 Prozent steigen. Chinas aktueller Engpass ist damit vor allem eine Frage von Ort, Zeitpunkt und handelbarer Qualität.
Die Preisentwicklung hängt nun stark davon ab, wie schnell steuerlich sauber dokumentierter Schrott wieder in den Handel gelangt und die gewarteten Hütten ihre Produktion hochfahren. Bis dahin bleibt China auf zusätzliche Importe angewiesen. Der Engpass ist damit politisch ausgelöst, wird durch Produktionsausfälle verstärkt und über die Lagerbewegungen an den Metallbörsen weltweit verteilt. Das Nationale Statistikamt Chinas liefert dafür ein gemischtes Bild: Im Juni sank die Wertschöpfung der Nichteisenmetall-Verhüttung um 3,8 Prozent, während Elektrotechnik um 7 Prozent und Elektronik um 15,7 Prozent zulegten. Die Daten deuten damit auf robuste Aktivität in zwei kupferintensiven Abnehmerbranchen hin, obwohl die Jahresbilanz des Weltmarkts rechnerisch entspannter aussieht.

