Miningscout Exklusivinterview mit Unternehmensvoratand Ian Graham

Die COVID-19-Krise hat weltweit auch den Bergbausektor merklich ausgebremst. Trotzdem geht es selbst unter erschwerten Bedingungen weiter mit Explorationen und Formalitäten. So beim kanadischen Explorer Oroco Resource Corp. (Symbol: OR6.F, WKN: A0Q2HB, ISIN: CA6870331007): Das Junior-Unternehmen ist mit seinem Projekt „Santo Tómas“ in Mexiko einer der wichtigsten Akteure bei der Erschließung neuer Kupfer-Ressourcen. Miningscout sprach mit Ian Graham, Präsident von Oroco Resource, über Unternehmensperspektiven, die nächsten Meilensteine und Erwartungen an Kursentwicklung und Investment in der zweiten Jahreshälfte.  

Miningscout: Der Fokus von Oroco Resource liegt auf Kupfervorkommen in Mexiko. Nach einem langwierigen gerichtlichen Verfahren hatten Sie zuletzt das Recht erstritten, das „Santo Tómas“-Projekt weiterzuentwickeln. Wie beurteilen Sie die Perspektive Ihres Unternehmens nach dieser Verzögerung und angesichts der aktuellen Umstände? 

Ian Graham: Der lange Prozess, der Anfang des Jahres abgeschlossen wurde, war eine Geltendmachung zur Landzusammenführung. Bestandteil war eine fortgesetzte Streitigkeit um einen Rechtsanspruch, der schließlich formaljuristisch beigelegt wurde. Ein weiterer Teil beinhaltete die Bildung von Geschäftspartnerschaften, die es Oroco ermöglichen, nicht nur die vor Gericht erstrittenen Kernimmobilien zu kontrollieren, sondern ein weitaus größeres Landpaket. Demnach decken die Oroco-Mineralkonzessionen nun den gesamten Santo-Tómas-Bezirk ab und umfassen außerdem alle möglichen vermuteten Erweiterungen der Mineralisierung, sowie genügend Platz, um sämtliche Dimensionen der Mine, die wir in Santo Tómas entwickeln möchten, zu planen.

Die örtlichen Partnerschaften, die wir während des Prozesses geschlossen haben, haben uns ferner wichtige und enge Verbindungen zur Kommune beschert. Der langwierige Rechtshandel hat sich somit zu unseren Gunsten ausgewirkt und uns die Zeit und Gelegenheit gegeben, Beziehungen zu etablieren, die sicherlich ein wertvoller Bestandteil unserer ESG-Bemühungen in Santo Tómas werden. (Anm.: ESG (Environmental, Social, Governmental).

Nachdem der Landzusammenführungsprozess Anfang des Jahres erfolgreich abgeschlossen wurde, sind wir jetzt bereit, Explorationen einzuleiten, stehen allerdings aufgrund der gegenwärtigen Lage durch COVID-19 vor gewissen Herausforderungen. Nach einer Verzögerung während der ersten beiden Quartale dieses Jahres haben die mexikanischen Behörden jedenfalls definiert, das Bergbau und Exploration relevante Sektoren sind und uns gestattet, mit dem geplanten Explorationsprogramm in Kürze fortzufahren. Derzeit planen wir, mit einer geophysikalischen 3D-IP Bodenuntersuchung zu beginnen und darüber hinaus später in diesem Jahr Bohrungen in Santo Tómas zu beginnen. (Anmerkung: IP = induzierte Polarisation, eine geophysikalische Bildgebungstechnik.)

Erwähnenswert ist, dass der lange Rechtsstreit, der Anfang des Jahres in eine rechtliche Lösung mündete, just in einen Zeitraum fiel, in dem die künftige Dynamik von Angebot und Nachfrage an Kupfer klar in den Fokus gerückt ist. Technologische Veränderungen mit hohem Kupferbedarf, etwa Batterie-Elektrofahrzeuge, sowie der Rückgang der erfolgreichen Explorationen in den vergangenen zehn Jahren haben verdeutlicht, dass eine zukünftige Balance in Angebot und Nachfrage von Kupfer dessen Produzenten begünstigen werden.

Außerdem hat es im vergangenen Jahrzehnt im Kupfersektor vermehrt Fusionen und Übernahmen gegeben, nachdem die Produzenten so gut wie alle großen, unentwickelten Kupfervermögen von Junioren übernommen haben. Sie sind damit immer noch auf der Jagd nach einem dramatisch verringerten Bestand an Anlagen. Eine Recherche von RFC Ambrian, einem internationalen Finanzspezialisten für Bergbauunternehmen zufolge, wird der dramatisch geschrumpfte Pool für solche Placements den Einsatz für verbleibende groß Kupferlagerstätten wie Santo Tómas erhöhen. Ambrian hat Santa Tómas den attraktivsten und wahrscheinlichsten Fusions- und Übernahmezielen in diesem Sektor zugerechnet.

(Siehe hierzu: https://www.rfcambrian.com/index.php/2020/01/23/cu-ma-copper-projects-review-2020/ )

Miningscout: Santo Tómas wurde bereits in der Vergangenheit exploriert. Welche Bedeutung haben diese historischen Daten für die aktuelle Arbeit?  Senken sie Kosten?

Ian Graham: Die überlieferten Daten waren ein Anker für die rechtliche Aktivität von Oroco und haben unsere sorgfältige Betreuung der Aggregation der Mineral-Ansprüche beschleunigt. Die umsichtige und differenzierte Prüfung der historischen Daten hat außerdem einen ganz offensichtlichen Mineralisierungskern in der nördlichen Zone ausgewiesen, der ein überzeugendes und beträchtliches Explorationsziel darstellt. Während wir uns um eine moderne Explorationskampagne kümmern, klärt uns das geschichtliche Projekt auf und führt zu den nächsten Schritten. Wenn unsere Phase-1-Arbeit historische Bohrergebnisse bestätigt, sind wir in der Lage, überlieferte Daten für künftige Ressourcenschätzungen zu nutzen, wodurch die Gesamtmenge erforderlicher Bohrungen sich verringert. Allerdings gehen wir davon aus, dass umfangreiche zusätzliche Bohr- und Tauchverlängerungstests im nördlichen und südlichen Bereich notwendig sind. Die „Brasiles“-Zone ist noch ungetestet, was möglicherweise ein umfangreicheres Programm erforderlich macht. Es ist also eine Menge zu tun. Die historischen Daten motivieren jedoch maßgeblich zu einem umfassenden neuen Arbeitsprogramm.

Miningscout: Um die Arbeit in Santo Tómas zu finanzieren, müssen Sie etwas mehr Geld aufbringen. Sie haben zuletzt 750.000 CAD eingenommen und dies als „ersten Teilbetrag“ bezeichnet. Welchen Eindruck haben Sie vom aktuellen Junior-Bergbaumarkt, und wie wollen Sie eine zweite Finanzierungstranche abschließen?

Ian Graham: Im Kontext des stark schrumpfenden Umfelds in der weltweiten Wirtschaftstätigkeit scheint der vorherrschende Markt erstaunlich robust zu sein. Um ehrlich zu sein, wundere ich mich, wie widerstandsfähig der Sektor anmutet, während Finanzierungen geschlossen werden. Der Markt für Oroco scheint halbwegs stabil zu sein und der Aktienkurs hat sich gut vom Rückgang angesichts der COVID-19-Befürchtungen erholt.

Im April mussten wir unseren technischen Bericht über Santo Tómas bezüglich unserer Offenlegung und Haftungsausschlüsse im Zusammenhang mit historischen Ressourcenarbeiten überarbeiten. In den wenigen Wochen, die wir für diese Änderungen gebraucht haben, ist unser Kurs verständlicherweise ein bisschen gesunken. Was die Bewältigung einer zweiten Finanzierungstranche betrifft, bleiben wir in stetigem Kontakt mit den Investoren. Ich rechne mit ein wenig mehr Klarheit darüber, wenn wir die Arbeit in größerem Umfang weiterführen können und wir uns zur Beschaffung weiteren Kapitals für das Projekt entscheiden.

Die Kupferpreise haben sich gut erholt, in der vergangen Woche lagen sie mehr als zwanzig Prozent oberhalb der Tiefstände zu Beginn des Jahres.  Globale Kaufanreize, die sich örtlich auf kupferintensive Infrastrukturprojekte, Produktionsstillstände und Verzögerung von Neuinvestitionen in die Neuproduktion fokussieren, könnten den künftigen Kupferpreis etwas abstützen. Von ihrem Tiefstand von unter 1,50 USD im Dezember 2008 während der weltweiten Finanzkrise waren die Kupferpreise in weniger als 16 Monaten um 200 Prozent gestiegen. Heute wirken vergleichbare Faktoren. Sollten sie in zu einer anhaltenden Festigung des Kupferpreises führen, können wir für Oroco eine solide Unterstützung des Sektors erwarten.

Miningscout: Die Aktivitäten Ihres Projektes wurden aufgrund des Virus gestoppt. Wann glauben Sie, die Arbeit fortsetzen zu können? Welche Ziele haben Sie für 2020?

Ian Graham: Unsere Explorationstätigkeiten verzögern sich zwar, doch wir engagieren uns weiterhin für die Unterstützung der kleineren Gemeinden rund um das Projekt und haben unsere „Schreibtischvorbereitungen“ für die Bewilligung fortgesetzt. Insgesamt haben sich unsere Ziele bislang nicht allzu sehr geändert. Wir benötigen trotzdem natürlich eine bessere Übersicht darüber, wann wir unser Programm fortsetzen können, um unsere Ziele sicher neu formulieren zu können. Mexiko hat den Bergbau als systemrelevant deklariert und die Wiederaufnahme der Arbeit seit dem 01. Juni 2020 ermöglicht. Demzufolge werden wir unsere geplante 3D-IP-Vermessung durchführen, sobald wir mobilisieren können. Ich gehe davon aus, dass wir die Arbeit in Kürze beginnen und zumindest unser Phase-1-Bohrprogramm bis zum Jahresende abschließen werden.

Miningscout: Denken Sie, das eine nicht NI43-101- angepasste Ressourcenschätzung Sie daran hindert, Santo Tómas bekannter zu machen? Glauben Sie nicht, dass eine solche Schätzung sich in der aktuellen risikofreien Umgebung positiv auf Oroco auswirken würde? Oder sind das die 1,5 Millionen Dollar nicht wert? (Anmerkung: NI43-101 ist ein nationales Instrument für die Offenlegungsstandards für Mineralprojekte in Kanada)

Ian Graham: Eine konforme Ressource wird uns auf jeden Fall helfen und hat auch nach Abschluss der 3D-IP-Untersuchung Priorität. Der Markt legt viel Wert auf eine Ressource, die durch eine aktuelle und konforme Studie validiert ist. Es ist also ein wichtiges Element, um das Projekt voranzubringen, und wird meiner Meinung nach zu einem Aufwärts-Rating der Unternehmensbewertung führen. Jüngste Untersuchungen von RBC Capital und RFC Ambrian haben das bereits quantifiziert und vorgeschlagen, dass historische Ressourcen eine um weniger als ein Drittel geringere Bewertung erhalten, die NI 43-101-konform sind. Die Ressource sollte selbst in einem risikofreien Umfeld einen signifikanten Gewinn für die Marktkapitalisierung ergeben.

Oroco beabsichtigt, tiefere Bereiche der mineralisierten Struktur zu prüfen, um die Ergebnisse des historischen Bohrprogramms und der Ressourcenschätzung zu verifizieren; zum Testen zuvor nicht überprüfter Down-Dip-Ausdehnungen und der „Brasiles“-Zone, 1,25 Kilometer nordöstlich der historischen Erforschung, wo die Mineralisierungen und Veränderungen deutlich erkennbar sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass etwa die Hälfte jener in den Neunzigerjahren gebohrten Löcher in der Mineralisierung endete. Oroco wird zusätzlich sämtliche Proben auf Edelmetalle testen. Das wurde in der historischen Arbeit nicht umfassend getan.

Oroco strebt somit nicht nur eine konforme Ressource an, sondern testet darüber hinaus das Größenpotenzial von Santo Tómas, was historisch nicht durchgeführt wurde.

Miningscout: Man sagt, dass einige große Player weltweit auf der Suche nach interessanten Kupferprojekten sind. Befürchten Sie, zu früh übernommen zu werden?

Ian Graham: Das stimmt, große Bergbauunternehmen sind derzeit auf der ganzen Welt auf der Suche nach Kupfer. Nach den Ausgaben, die für Gold-Explorationen aufgewendet werden, konzentriert sich der größte Anteil aller Explorationsbemühungen – abgesehen von Eisen – auf Kupfer. Entdeckungen sind indes im letzten Jahrzehnt schwer fassbar geworden. Das nährt Spekulationen, dass die Majors Projekte kaufen oder übernehmen müssen, weil sie in letzter Zeit weitgehend erfolglos waren.

Wir rechnen zwar mit Interesse der Akquisitoren am Santo-Tómas-Projekt. Das hohe Maß an Eigenverantwortung bei Insidern, Gründern und eng verbundenen Investoren bringt aber mit sich, dass wir versuchen, Oroco zu früh oder zu einem opportunistischen Preis zu übernehmen, widerstehen können. Gründer und Eigentümer halten einen Anteil von 35 Prozent an Oroco, wobei die engen Investoren zugleich Eigner sind und in den letzten Jahren die Hauptfinanzierungsquelle waren. Zeitpunkt und Bewertung einer Akquisition müssen demnach den Erwartungen dieser Parteien entsprechen, die sich des Wertes von Santo Tómas bewusst sind.

Miningscout: Ihre Aktie befindet sich seit etwa einem Jahr im Seitwärtshandel, was im aktuellen Marktumfeld von den Investoren geschätzt wird. Wann könnte der Kurs Ihrer Meinung nach neue Allzeithochs erreichen? Denken Sie an bestimmte Meilensteine?

Ian Graham: Die Reaktion auf die positive juristische Entscheidung im Mai 2019 hatte den Oroco-Aktienkurs auf neue Höchststände gemacht, aber die allgemein unvorteilhafte Stimmung auf dem Bergbausektor hatte sich auf die Jahresbilanz negativ ausgewirkt. Nachdem der Rechtsstreit im Januar nach zehn Jahren beigelegt wurde, wirkte sich das ebenfalls positiv auf den Aktienkurs von Oroco aus. Die Anleger erkannten den Wert der rechtlichen Risikoreduzierung für den Vermögenswert. Die Ängste, die kurz darauf im Zusammenhang mit COVID-19 aufkamen, haben herausfordernde Bedingungen für den Aktienkurs geschaffen. Trotzdem notiert Oroco aktuell nahe am letztjährigen Durchschnittswert.

Eine zurückkehrende positive Stimmung gegenüber Bergbaubetrieben sowie eine Aussicht auf wirtschaftliche Erholung treiben die Märkte derzeit aufwärts. In diesem Quartal erwarten wir den Beginn der Exploration in Santo Tómas, die Ergebnisse der 3D-IP-Untersuchung und der Bohrungen dürften im weiteren Jahresverlauf Investoren anziehen. Wichtige Meilensteine für das kommende Jahr sind die Berechnung einer konformen Ressource, die Fortsetzung von Bohrungen zur vollen Präzisierung der Ressource in Santo Tómas und aktualisierte metallurgische Tests. All das wird dazu beitragen, das Interesse an Oroco zu wecken, und normalerweise führen solche Meilensteine zu einer positiven Neubewertung von Bergbau-Junioren.

Auch die Stimmung auf dem Kupfermarkt wird ein Faktor sein. Konjunkturanreize der Regierungen weltweit, die Weiterentwicklung kupferintensiver Technologien und Prognosen zu Versorgungsengpässen könnten dabei zu einer Steigerung der Kupferpreise, verstärkten Fusionsaktivitäten und Übernahmen in Kupfervermögen führen. All diese Entwicklungen sollten Anleger im Auge behalten.