Der kanadische Explorer Lomiko Metals Inc. (TSX-V: LMR, WKN: A2DJKB; ISIN: CA54163Q409) ist in der Mineralien-Branche vor allem durch die Erforschung von „La Loutre“ ein Begriff. Das attraktive Flockengraphit-Projekt in Québec macht weiterhin gute Fortschritte, und auch die hinzugekommene Portfolio-Erweiterung durch das Lithium-Projekt „Bourier“ ist zukunftsweisend für das Unternehmen aus Surrey, Britisch Columbia. Aber die Erforschung der vornehmlich für die Batterieindustrie so wichtigen Kohlenstoff-Varietät ist nicht der einzige Geschäftsbereich. Parallel zum Bergbau gibt es bei Lomiko Metals Technologie-Felder, die sich als gewinnbringend erweisen. Aktuell geht es um 1,4 Millionen CAD frischer Geldmittel durch den Verkauf eines Tochterunternehmens und fundamentale Fortschritte bei einem Tech-Investment.

Um im Folgenden die Zusammenhänge zu verstehen, ist ein Blick in die Unternehmensstruktur nötig. Lomiko Metals besitzt aktuell (noch) eine Tochtergesellschaft, die Lomiko Technologies Inc. Dabei handelt es sich um einen hauseigenen Tech-Ableger, der sich mit elektronischen Geräten befasst. Lomiko Technologies ist wiederum etwa zu 18,15 Prozent an SHD Smart Home Devices Ltd. beteiligt, einem Entwickler und Produzenten von smarter Heimautomatisierung und Sicherheitstechnik. Zudem besitzt Lomiko Technologies 40 Prozent von Graphene Energy Storage Devices. Dieses Unternehmen entwickelt preiswerte, auf Graphen basierende Superkondensatoren.

Deal mit Promethieus: Es geht um 1,4 Millionen CAD

Bereits im August vergangenen Jahres hatte Lomiko Metals angekündigt, diese Tochtergesellschaft an Promethieus Technologies Inc. zu verkaufen. Das Geschäft hätte eigentlich bereits am 30. Juni dieses Jahres abgeschlossen sein sollen; aber auch hierbei kam es zu Verzögerungen durch COVID-19. Ein neuer Zeitrahmen soll bei der nächsten Hauptversammlung gesetzt werden.

Der mit fast hundertprozentiger Zustimmung der Lomiko-Aktionäre erfolgende Transfer von Lomiko Technologies sieht einen Kaufpreis von 1,23 Millionen CAD vor, Lomiko erhält außerdem eine Kostenerstattung von 190.000 CAD – insgesamt 1,42 Millionen CAD. Bedingung ist, das Promethieus Inc. den Börsengang (durch die Fusion mit der bereits an der SCSX gelisteten Promethieus Technologies NV) und die Finanzierung abschließt. Die 20-prozentige Beteiligung, die Lomiko Metals seinerseits an Promethieus Technologies hält, bleibt dabei unangetastet. Alle Beteiligten warten nun nur noch auf den formalen Abschluss des Deals.

Patentbewilligung für SHD – Marktmöglichkeiten für IoT-Steckdosen

 Der Lomiko-Promethieus-Deal ist im Gesamtbild jedoch nur einer von mehreren „technischen“ Schauplätzen. Denn es gibt eine weitere gute Nachricht: Dem oben erwähnten Tech-Unternehmen SHD ist dieser Tage das Patent für ein neues Internet-of-Things-Gerät bewilligt worden. Dem weltweiten IoT-Markt wird bereits bis 2023 allein für den Smart-Home und Gebäudeautomations-Sektor eine Wachstumsrate von 29 Prozent prognostiziert. Das ist enorm und bedeutet sowohl für Lomiko als auch SHD eine Menge Wachstumspotenzial.

Das USPTO (United States Patent and Trademark Office, das ist das amerikanische „Patentamt“) wird in der kommenden Woche die Erfindungsberechtigung für die wandmontierte Steckdose „IoT Power Hub“ veröffentlichen. Damit macht das Unternehmen große Schritte in Richtung Produktionsreife. Durch die Beurkundung erlangt SHD Optionen für Lizensierungs- und Herstellungsmöglichkeiten – erfreulich für Lomiko als Anteilseigner. Die Investitionen haben sich gelohnt.

SHD will nun die „Underwriters Laboratory“-Zertifizierung (eine Bescheinigung für Produktsicherheit) abschließen und auch künftig in den Segmenten Stromumwandlung, Wärmemanagement und Ladeausrüstung für Elektrofahrzeuge Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten. Mit der Patentveröffentlichung gibt es keine Hürden mehr für künftige Lizenzvereinbarungen.

Voraussichtlich wird auch Promethieus Technologies bis zu fünf Millionen CAD zur Finanzierung von SHD aufbringen.

Die Gründung von SHD und der „Spider Crawler“

Wissenswert dabei ist, dass Lomiko Metals seinerseits Mitgründer von SHD ist. Die Firma war im Jahr 2016 von Lomiko Metals und dem damaligen Startup MegaHertz Power Systems Ltd. aus British Columbia ins Leben gerufen worden, mit dem Ziel, Internet-of-Things-Technologien zu entwickeln und zu vermarkten.

Das wichtigste Produkt war damals ein USB-Wandladegerät namens „Spider Charger“. Lomiko Metals war zu diesem Zeitraum Lizenznehmer für drei Produkte vom MegaHertz Power. Mit der Gründung von SHD sollte eine Zusammenführung von Konzepten, Patenten und Lizenzen erreicht und Einnahmequellen erschlossen werden.

Zur Beschleunigung der Markteinführung hatte Lomiko am Abschluss einer Sicherheitszertifizierung für den „Spider Charger“ sowie Stromwandler für LED-Beleuchtungsgeräte für den nordamerikanischen Markt und der Koordination mit Partnern gearbeitet. Die potentiellen Hersteller waren in China, Indien und Kanada ansässig. Lomiko wollte dabei für das für SHD angestrebte Unternehmenswachstum seine Verbindungen in der Branche nutzen, SHD sollte dafür als Aktienkapital-Multiplikator fungieren. Dadurch würden gesonderte Kosten durch Engineering, IP und Produktentwicklung im Zuge der Markteinführung entfallen.

Im Rahmen einer neuen Vereinbarung sollte Lomiko SHD alle Forschungs- und Entwicklungsdienste, Marken, seine E-Commerce-Website, Kontakte und geistiges Eigentum übertragen, die zuvor im Rahmen der Lizenzvereinbarungen mit MegaHertz Power Systems erstellt wurden. Beide Parteien einigten sich einvernehmlich, die bestehenden Lizenzverträge auf SHD zu übertragen. Man wollte sich fortan Entwicklung von IoT-Produkten konzentrieren, eine Einnahmequelle entwickeln und den SHD-Börsengang einleiten. Lomiko würde danach einen Anteil von 20 Prozent an SHD halten.

Patente erteilt, Anleger gefunden

Im September 2017 wurde zunächst in Kanada das Patent für den „Spider Charger“ anerkannt, woraufhin das Interesse von Investoren geweckt war. Durch außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen wurden fünf Millionen CAD generiert, mit denen neue Geräte zur Haus- und Gebäudeautomation entwickelt werden sollten. Fast zeitgleich kam es zu Verhandlungen zwischen SHD und dem US-Unternehmen Automated Building Devices (SBD) – einem möglichen Vertriebskanal für die Spider-Geräte an Bauunternehmer in den westlichen USA. 2018 erfolgte dann auch die Anerkennung des Geschmacksmusters für den „Spider Charger“ in den USA.

Lomiko konnte im Jahresverlauf durch Optionsausübung seinen Anteil an SHD auf 25,13 Prozent erhöhen. Man dachte über Möglichkeiten über die Verwendung der Blockchain-Technologie für IoT-Software-Sicherheitsanwendungen nach.

Bühne frei für Promethieus

Währenddessen hatte Lomiko Metals gemeinsam mit SHD bereits die Gründung eines weiteren Unternehmens in die Wege geleitet: Der „Promethieus Cryptocurrency Mining Corp“. Das war ein Kryptowährungs-Mining-Unternehmen mit Fokus auf diversen Krypto-Coins, darunter Ethereum, Litecoin und Ripple, nicht aber Bitcoin. Promethieus stellte die „Golden Goose“ vor, ein Krypto-Mining-Gerät mit verbessertem Wärme- und Energiemanagement, das in größeren Setups eingesetzt werden konnte.

Die Verteilung der Unternehmensanteile ist auf den ersten Blick etwas verschachtelt: Lomiko Metals und SHD besaßen zunächst je 25 Prozent an Promethieus, wobei Lomiko seinerseits 25 Prozent an SHD hielt. Später wurde die Eigentümerstruktur dahingehend überarbeitet, dass Lomiko Metals einen Anteil von 20 Prozent an Promethieus bekam.

Etwas später kündigte Promethieus Pläne zum Börsengang in Europa an, änderte seinen Namen in „Promethieus Technologies“ und verlagerte den Unternehmensfokus vom Bitcoin-Mining auf die Themenfelder Elektromobilitäts-Infrastruktur, Blockchain, IOT und Grüne Energie.

Positive Tech-Entwicklung als Möglichkeiten für Lomiko

Nun zurück in die Gegenwart und zu Lomiko Metals, dem Graphit-Explorer. Nach vollendeter Übernahme von Lomiko Technologies durch Promethieus Technologies könnte der Verkauf von Vermögenswerten an SHD und gegebenenfalls später an Promethieus eine weitere willkommene Finanzierung für das Flaggschiff-Graphit-Projekt „La Loutre“ darstellen. Dort arbeitet man derzeit an einer vorläufigen wirtschaftlichen Bewertung („preliminary economic assessment”, kurz: PEA) welche die aktuellen Bohrergebnisse von den Zone „Graphene Battery“ und „ EV Zone“ im Norden umfassen wird.

Qualitäts-Flockengraphit aus „La Loutre“

Das aus 42 Mineralkonzessionen bestehende, insgesamt 2.500 Hektar große Gelände liegt 117 Kilometer nordwestlich von Montréal und 53 Kilometer von der Mine „Lac-des-Îles“ von IMERYS entfernt. Historische Explorationen, die allerdings auf Edel- und Basismetalle fokussiert waren, bestätigen das Vorhandensein von Graphit in Quarzit und Biotit-Gneis und in Scherzonen. Dort sind an der Oberfläche sichtbare Graphit-Flocken und ein Graphitgehalt von bis zu 10 Prozent nachgewiesen.

Ein aktuelles Stichproben- und Kartierungsprogramm hat eine graphithaltige Struktur mit bis zu 22 Prozent Graphit auf einem etwa sieben Kilometer mal einem Kilometer großen Gebiet mit mehreren parallelen Zonen nachgewiesen. Daneben gibt es ein mit zwei Kilometer mal einem Kilometer etwas kleineres Areal, ebenfalls mit mehreren Parallelzonen und Gehalten bis zu 18 Prozent. Die geschätzte Ressource von „La Loutre“ beziffert sich auf 18,4 Millionen Tonnen Kohlenstoff-Flockengraphit, wobei der Gehalt angezeigt („indicated“) bei 18,7 Millionen Tonnen mit 3,19 Prozent, vermutet („inferred“)  bei 16,7 Millionen mit 3,75 Prozent liegt; dies bei einem angesetzten Grenzgehalt von 1,5 Prozent.

Sowohl aus der „Graphen Battery“ als auch der „EV“-Zone waren in diesem Jahr bereits im Rahmen eines metallurgischen Flowsheet-Entwicklungsprogramms Proben getestet worden. Diese Untersuchung führte zu einem kombinierten Konzentrat, das 97,8 Prozent Gesamtkohlenstoffgehalt bei 93 Prozent Graphitausbeute erzeugte und damit das zuvor gesetzte Ziel – 95 Prozent Gesamtkohlenstoff – deutlich überschritt. Das sei, so kommentierte damals die Lomiko-Geschäftsleitung, ein Hinweis für die Eignung des Materials von „La Loutre“ für den industriellen Einsatz im Hochqualitätssektor.

Diversifikation mit Lithium: „Bourier“

Zwischenzeitlich erweitert Lomiko Metals sein Portfolio auf dem Gebiet der Batteriematerialien noch mehr. So hat man vor einigen Monaten in der Region James Bay (ebenfalls Québec) das Lithium-Projekt „Bourier“ erworben, ein 10.252-Hektar-Areal in einer Gegend, in der bereits mehrere andere Lithium-Lagerstätten bestätigt sind. „Bourier“ soll künftig nach Lithium und weiteren Bodenschätzen wie Nickel, Kupfer und Zink exploriert werden.

Lithium ist angesichts der im Zuge der voranschreitenden Elektrifizierung des Individualverkehrs absehbar explodierenden Nachfrage in den kommenden Jahrzehnten ein gefragtes Gut und eine sichere Zukunftsperspektive. Das sehen auch die Investoren so: Allein im laufenden Jahr hat Lomiko bereits fünf Millionen CAD durch Finanzierungen generieren können.

Québec als Batteriemetall-Hotspot

Mit den beiden Projekten in Québec ist Lomiko Metals auch räumlich optimal positioniert, schenkt man der Pallinghurst Group – einem wichtigen Private-Equity-Investor mit Hauptsitz in London – Glauben. Dort glaubt man, dass die kanadische Provinz aus der Vergangenheit gelernt habe und künftig einen ebenso wichtigen wie sicheren Beitrag zur Versorgung Nordamerikas mit den gefragten Batterie-Rohstoffen werden wird. Entsprechend hat Pallinghurst just 300 Millionen US-Dollar in zwei große Projekte investiert.

Zum einen holte man das Bergbauunternehmen Nemaska Lithium Inc. aus dem Insolvenzschutz – die Lithium-Spodumen-Mine „Whabouchi“ ist nun im Besitz von Pallinghurst und der Provinz Quebec. Zum andern erwarb Pallinghurst 15 Prozent an Noveau Monde Graphite.

Das Engagement eines so wichtigen Investors wirkt sich positiv auf das politische Standing von François Legault aus, dem amtierenden Premier von Québec. Produzierende Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette von Batteriemineralien wären ein erheblicher Bonus für die Wirtschaft in Québec. Von Regierungsseite aus arbeitet man daran, weitere Partner aus der Privatwirtschaft zu gewinnen, um eine Lithium-Ionen-Batterie-Industrie zu etablieren.

Im Augenblick nämlich ist von den Lithium-Projekten in Québec keines im Produktionsstadium und wichtige Akteure stehen vor Problemen: Nemaska stand mit „Whabouchi“ im Gläubigerschutzverfahren, North American Lithium Inc. musste Insolvenz anmelden und Lion Electric – ein Hersteller von Elektro-Nutzfahrzeugen – wird aufgrund der ihm zugebilligten staatlichen Subventionen von der Konkurrenz angegangen.

Fazit

Mit den Batteriemetall-Projekten in Québec befindet sich Lomiko Metals in einer ausgezeichneten Ausgangsposition. Der bergbaufreundliche politische Kurs vor dem Hintergrund der Batteriemetall-Nachfrage sollte sich positiv auf die Entwicklung von „La Loutre“ und „Bourier“ auswirken. Mit dem anstehenden Geldzufluss aus dem Lomiko Technologies-Promethieus-Übernahmedeal und den wichtigen Meilensteinen, die SHD mit der Bewilligung des Patentes erreicht, eröffnen sich über die jeweilige Beteiligung für Lomiko möglicherweise noch weitere Quellen zur Finanzierung der Bergbau-Projekte.

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