Gold-ETFs ziehen an, Zentralbanken stocken Reserven auf

Gold-ETFs ziehen an, Zentralbanken stocken Reserven auf Zlaťáky.cz / Unsplash

Zwischen Juli und September 2026 bauten Zentralbanken ihre Goldreserven netto um rund 321 Tonnen aus. Das waren 42 % mehr als im Vorjahresquartal. Gleichzeitig kehrten Anleger in börsengehandelte Goldfonds zurück, während die Schmucknachfrage nachließ.

Hohe Preise verschieben die Gewichte am Goldmarkt

In der weltweiten Gesamtbilanz fallen die gegenläufigen Entwicklungen zunächst kaum auf. Der World Gold Council (WGC), die internationale Branchenorganisation der Goldindustrie, beziffert die Nachfrage einschließlich außerbörslicher Geschäfte auf rund 1.369 Tonnen. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Rückgang von lediglich einem Prozent.

Von Januar bis September summierte sich die weltweite Goldnachfrage auf 3.881 Tonnen, nahezu so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum mit 3.884 Tonnen. Der Geldwert erreichte dagegen einen Rekord von 566 Mrd. USD. Ausschlaggebend war das höhere Preisniveau.

Im dritten Quartal kostete eine Feinunze nach dem maßgeblichen Londoner Goldpreis durchschnittlich 4.262 USD. Damit lag der Preis 23 % über dem Vorjahresquartal. Gegenüber dem zweiten Quartal ging er im Durchschnitt allerdings um rund fünf Prozent zurück.

Nach Einschätzung des WGC kaufen Notenbanken Gold vor allem, um ihre Reserven langfristig breiter aufzustellen und Risiken zu begrenzen. Nach rund 296 Tonnen im zweiten Quartal stiegen die Nettozukäufe auf 321 Tonnen. Seit Jahresbeginn summieren sie sich auf etwa 675 Tonnen, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allerdings sind für das dritte Quartal lediglich rund 120 Tonnen der gesamten Zentralbanknachfrage durch Ländermeldungen erfasst. Die übrigen rund 63 % beruhen auf Schätzungen nicht gemeldeter Käufe. Unter den gemeldeten Käufern lagen China mit 63 Tonnen und Polen mit rund 40 Tonnen vorn.

Fonds kaufen wieder, Anleger zögern bei Barren

Bei börsengehandelten, physisch gedeckten Goldfonds kehrte das Interesse der Anleger deutlich zurück. Nach Nettoabflüssen von rund 47 Tonnen im zweiten Quartal flossen ihnen zwischen Juli und September wieder etwa 211 Tonnen zu. Im Vorjahresquartal hatten die Zuflüsse mit rund 226 Tonnen allerdings noch um sechs Prozent höher gelegen.

Die größten Zuflüsse verzeichneten europäische Fonds mit 92 Tonnen, gefolgt von nordamerikanischen Fonds mit 81 Tonnen. Weltweit erreichten die Bestände goldgedeckter ETFs den Rekordwert von 4.256 Tonnen. Sorgen um die Tragfähigkeit staatlicher Finanzen und die Inflation könnten laut WGC zur Nachfrage beigetragen haben.

Bei physischen Anlageprodukten hielten sich die Käufer dagegen zurück. Weltweit wurden rund 268 Tonnen Gold in Form von Barren und Münzen nachgefragt, 19 % weniger als im Vorjahresquartal. Viele private Anleger warteten angesichts der unklaren Preisrichtung ab.

In zwei wichtigen Märkten verlief die Entwicklung allerdings entgegengesetzt. Während die Nachfrage nach Barren und Münzen in Indien um 40 % sank, stieg sie in China um sieben Prozent. Trotz der ETF-Erholung lag die gesamte Investitionsnachfrage mit 479 Tonnen um 14 % unter dem Vorjahr. Gegenüber dem zweiten Quartal war sie jedoch um 83 % gestiegen.

Schmuckabsatz sinkt, Goldbedarf der Technik steigt

Die hohen Preise machten sich besonders im Schmuckgeschäft bemerkbar. Weltweit sank der Goldverbrauch in diesem Bereich um 17 % auf rund 313 Tonnen. Laut WGC war das der niedrigste Wert für ein drittes Quartal seit Beginn der Erhebung.

In den beiden größten Schmuckmärkten China und Indien verringerte sich der Verbrauch um 22 beziehungsweise 20 %. Verbraucher entschieden sich verstärkt für leichtere Schmuckstücke oder Produkte mit geringerem Goldgehalt. Trotz der geringeren Absatzmenge stieg der Wert der weltweiten Schmucknachfrage um zwei Prozent auf rund 43 Mrd. USD.

Bei technischen Anwendungen nahm der Goldbedarf dagegen zu. Insgesamt wurden rund 85 Tonnen verbraucht, drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allein die Elektronikbranche benötigte etwa 73 Tonnen und damit fünf Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Nach Angaben des WGC trug vor allem die Herstellung von Technik für künstliche Intelligenz zum höheren Verbrauch bei – Gold wird aufgrund seiner Leitfähigkeit in Chips und Leiterplatten eingesetzt. Der zusätzliche Bedarf glich die Belastung durch hohe Materialpreise in anderen Anwendungen aus. Gemessen an Schmuck und Geldanlagen bleibt die technologische Nachfrage jedoch deutlich kleiner.

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Minen liefern mehr, das Gesamtangebot sinkt

Die weltweite Minenproduktion erreichte im dritten Quartal rund 1.071 Tonnen. Gegenüber dem Vorjahresquartal entsprach das einem Anstieg um drei Prozent und einem neuen Förderrekord für ein drittes Quartal.

Dennoch schrumpfte das gesamte Goldangebot um ein Prozent auf rund 1.369 Tonnen. Maßgeblich war der Rückgang beim Recycling. Die zurückgewonnene Goldmenge sank um acht Prozent auf rund 314 Tonnen und erreichte den niedrigsten Stand seit drei Jahren.

Nach Einschätzung des WGC orientieren sich Verkäufer von Altgold stärker an der jüngsten Preisentwicklung als am Vergleich zum Vorjahr. Der im Vorquartalsvergleich gesunkene Durchschnittspreis könnte daher das Angebot gedämpft haben. Auch der Abbau bestehender Preisabsicherungen durch Minenunternehmen verringerte das rechnerische Gesamtangebot um rund 17 Tonnen.

Zentralbanken und Investoren prägen den Ausblick

Für das Gesamtjahr hält der WGC inzwischen Zentralbankkäufe mindestens auf dem Niveau von 2025 für möglich. Ob diese Marke erreicht wird, entscheidet sich mit den Käufen im Schlussquartal.

Bei Fonds, Barren und Münzen rechnet der Verband weiterhin mit einer insgesamt widerstandsfähigen Nachfrage. Die Prognose für den Zuwachs der Investitionsnachfrage im Gesamtjahr wurde allerdings von 400 auf rund 200 Tonnen gesenkt. Höhere Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar könnten die Nachfrage bremsen. Inflationsrisiken und Sorgen um die Staatsfinanzen sprechen dagegen weiterhin für Gold.

Zusätzliches Angebot aus den Minen bleibt möglich, doch der WGC erwartet nur ein moderates Produktionswachstum. Auch für eine deutliche Erholung des Recyclings sieht die Organisation weiterhin wenig Anzeichen. Der Goldmarkt hängt damit weiterhin stark von den Entscheidungen großer institutioneller Käufer ab, während Verbraucher wegen der hohen Preise zurückhaltend bleiben.