Afrikas Rohstoffe ziehen neues Kapital an
Afrika hat 2025 rund 70 Mrd. USD an ausländischen Direktinvestitionen angezogen. Das lag unter dem außergewöhnlich hohen Vorjahreswert von 94 Mrd. USD, der durch wenige große Transaktionen geprägt war. Dennoch war es der dritthöchste Zufluss seit 1990.
Investoren suchen Afrikas strategische Rohstoffbasis
Die geringere Gesamtsumme spiegelt eine Verschiebung in der Qualität der Investitionen wider. Nach Einschätzung von Unctad richtet sich das Kapital zunehmend auf Energie, Infrastruktur, kritische Rohstoffe und industrielle Standorte. Afrika rückt damit stärker in Lieferketten, die Batterien, Stromnetze und moderne Fertigung absichern.
Bei neuen Greenfield-Projekten, also neu aufgebauten Standorten, Anlagen oder Infrastrukturvorhaben, sank der Gesamtwert um fast ein Drittel, während die Zahl der Vorhaben stieg. Das Kapital verteilt sich damit auf mehr, aber kleinere Projekte. Großtransaktionen verzerren einzelne Jahreswerte deutlich, wie das Ausnahmejahr 2024 zeigte.
Die Mittel fließen weiter in wenige starke Standorte
Afrikas am wenigsten entwickelte Länder, eine UN-Kategorie für besonders einkommensschwache und strukturell verwundbare Staaten, erhielten 2025 zusammen rund 33 Mrd. USD an Direktinvestitionen. Zu dieser Gruppe zählen rohstoff- oder energierelevante Volkswirtschaften wie die Demokratische Republik Kongo, Mosambik und Tansania. Innerhalb dieser Gruppe konzentrierte sich das Kapital auf wenige Länder mit Rohstoffen, Energieprojekten und ausgewählten Industrievorhaben.
Kupfer, Kobalt, Lithium, Mangan, Graphit und Seltene Erden prägen das Investoreninteresse. Diese kritischen Rohstoffe sichern Batteriechemien, Stromnetze und industrielle Vorprodukte und sind schwer ersetzbar. Ägypten, Marokko und Südafrika zogen weiter Kapital für Industrie, Wasserstoff, Logistik und erneuerbare Energien an. Namibia und andere rohstoffreiche Staaten profitieren von derselben Beschaffungslogik.
Wert entsteht erst jenseits der Förderprojekte
Rohstoff- und Energieprojekte heben die Statistik, mehr Beschäftigung und technologische Tiefe entstehen aber erst durch Verarbeitung, Zulieferer und regionale Produktionsverbünde. Fehlt diese Verbindung, bleibt der Entwicklungseffekt begrenzt. Tragfähig wird lokale Verarbeitung dort, wo Energiepreise, Fachkräfte und Absatzmärkte die zusätzliche Wertschöpfung stützen.
Globale Kapitalströme bleiben eng konzentriert
Weltweit stiegen die Direktinvestitionen 2025 um 6 % auf 1,6 Bio. USD. Ohne steuerlich, regulatorisch oder konzernintern motivierte Durchleitungsströme über große europäische Finanzzentren läge das Plus bei 4 %. Die Erholung bleibt damit schmaler, als die Hauptzahl nahelegt. Kapital floss vor allem in große Märkte und technologieintensive Sektoren.
Die 20 wichtigsten Zielländer vereinten mehr als 80 % der globalen Zuflüsse. Grenzüberschreitende Übernahmen verloren 7 % an Wert. Internationale Projektfinanzierungen legten zwar um 3 % zu, blieben aber rund 25 % unter dem Hoch von 2021. Für 2026 dürften geopolitische Spannungen und Handelspolitik neue Vorhaben bremsen.

