USA stufen Helium trotz eigener Reserven als kritisch ein
Wie das US-Energieministerium am vergangenen Donnerstag mitteilte, wurde Helium offiziell als kritisches Material eingestuft. Energieminister Chris Wright traf die Entscheidung auf Grundlage des Bundesgesetzes Energy Act of 2020. Ausschlaggebend sind laut Behörde die Bedeutung des Edelgases für die Industrie und zunehmende Risiken bei seiner Versorgung.
Helium erfüllt spezielle Aufgaben in der Industrie
In der Halbleiterfertigung ist Helium aufgrund seiner besonderen Eigenschaften in vielen Bereichen schwer zu ersetzen. Bei der Chipproduktion wird es unter anderem zur Kühlung, Reinigung und zur Herstellung reaktionsträger Prozessatmosphären eingesetzt. Nach Einschätzung des Ministeriums gibt es für zahlreiche wichtige Anwendungen keine praktikablen Alternativen.
Das Edelgas wird auch in fortgeschrittenen Energietechnologien genutzt. Die amtliche Begründung nennt darüber hinaus Dichtheitsprüfungen an Erdgasleitungen und Anwendungen im Quantencomputing. Eine gesicherte Versorgung ist damit auch über die Chipindustrie hinaus von wirtschaftlicher und industriepolitischer Bedeutung.
Wenige Produktionsländer erhöhen das Versorgungsrisiko
Nach Angaben des Energieministeriums wächst die weltweite Nachfrage nach Helium schneller als die Produktion. Für 2025 schätzt die US-Geologiebehörde U.S. Geological Survey (USGS) die globale Fördermenge auf rund 190 Mio. Kubikmeter. Davon entfielen etwa 81 Mio. Kubikmeter auf die USA und rund 63 Mio. auf Katar. Störungen bei einem dieser großen Produzenten können deshalb erhebliche Auswirkungen auf den internationalen Markt haben.
In Katar wurden die Heliumexporte nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press durch die iranische Sperrung der Straße von Hormus erheblich eingeschränkt. Auch Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes beeinträchtigten das Angebot. Konkrete Fehlmengen oder Auswirkungen auf die Heliumpreise beziffert das US-Energieministerium allerdings nicht.
Verarbeitung und Genehmigungen begrenzen Produktion
Die USA verfügen nach Darstellung des Ministeriums über erhebliche Heliumvorkommen in heimischen Erdgaslagerstätten. Das Edelgas wird überwiegend als Nebenprodukt der Erdgasförderung gewonnen und anschließend in speziellen Anlagen aufbereitet.
Begrenzte Verarbeitungskapazitäten und langwierige Genehmigungsverfahren erschweren laut der Behörde eine weitere Steigerung der amerikanischen Heliumproduktion. Zwar nahmen nach USGS-Angaben 2025 sechs neue Heliumbetriebe in den USA die Produktion auf. Die strukturellen Hindernisse für einen weiteren Ausbau bestehen jedoch fort. Wie groß die Kapazitätslücke ausfällt, quantifiziert das Energieministerium nicht.
Washington will Abhängigkeit vom Ausland senken
Die Einstufung von Helium gehört zur Rohstoffpolitik der Regierung von Präsident Donald Trump. Energieminister Wright verbindet die Entscheidung mit dem Ziel, Lieferketten abzusichern, die heimische Fertigungsindustrie zu stärken und Arbeitsplätze zu fördern. Audrey Robertson, eine hochrangige Vertreterin des Energieministeriums, betont ebenfalls, wie wichtig eine zuverlässige Heliumversorgung für amerikanische Unternehmen ist.
Auf dem internationalen Markt verfügen die USA allerdings selbst über eine starke Exportposition. Nach USGS-Daten standen 2025 Ausfuhren von 38 Mio. Kubikmetern Einfuhren von lediglich acht Millionen Kubikmetern gegenüber. Die USA waren damit Nettoexporteur, bezogen jedoch weiterhin Helium aus dem Ausland.
Die Einstufung von Helium als kritisches Material kann Produzenten zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten durch den US-Bund eröffnen, wie Associated Press berichtet. Konkrete Investitionszusagen, begünstigte Vorhaben, Förderziele oder einen Zeitplan für den Ausbau der heimischen Aufbereitung nennt das Energieministerium bislang jedoch nicht.

