Bergbau 2027: Mehr Kapital löst Betriebsprobleme nicht

Bergbau 2027: Mehr Kapital löst Betriebsprobleme nicht

Für die Bergbauindustrie wird es schwieriger, die Produktion zuverlässig zu steuern. Den Risikobericht für 2027 stellte das internationale Prüfungs- und Beratungsnetzwerk EY am 29. Oktober auf der Bergbaukonferenz IMARC in Sydney vor. Darin steht die operative Komplexität an erster Stelle der Geschäftsrisiken, gefolgt von Finanzierung und Lieferketten. Für die Untersuchung wurden 400 Führungskräfte der internationalen Bergbau- und Metallindustrie befragt.

Alternde Lagerstätten engen den Spielraum ein

Schon in der EY-Rangliste für 2026 belegte die operative Komplexität den ersten Platz. In seit vielen Jahren betriebenen Bergwerken werden die verfügbaren Abbaugebiete mitunter knapper. Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Erzqualitäten und Förderbereichen fällt dann schwerer.

Auch neu erschlossene Vorkommen können technisch anspruchsvoller in Gewinnung und Aufbereitung sein. Wie sehr sich die Bedingungen verändert haben, lässt sich am Kupfer ablesen. Der durchschnittliche Kupfergehalt weltweit geförderter Erze ist seit 1991 um etwa 40 % gesunken. Bei geringerem Metallgehalt muss für dieselbe Ausbeute mehr Gestein bewegt und verarbeitet werden. Das beansprucht Transportwege und Anlagenkapazitäten und kann die Kosten erhöhen.

Als größtes Einzelproblem innerhalb der operativen Komplexität nennen die Befragten regulatorisch bedingte Verzögerungen. Auf schwankende Erzgehalte verweisen 29 %. Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften, den Verarbeitungskapazitäten, dem Materialtransport, der Logistik und der Zuverlässigkeit technischer Ausrüstung nennen jeweils 24 bis 26 %.

Selbst sorgfältig geplante Förderabläufe können dadurch ins Stocken geraten. Fehlen alternative Abbaubereiche, schlagen Verzögerungen schneller auf die produzierten Mengen durch. Die technischen Unsicherheiten erschweren damit auch die wirtschaftliche Planung.

Bergbauunternehmen suchen alternative Kapitalgeber

Parallel zu den wachsenden betrieblichen Anforderungen werden Investoren bei der Kapitalvergabe selektiver. Sie unterscheiden stärker nach Rohstoffen und Projekten sowie deren wirtschaftlichen Aussichten. Im EY-Bericht für 2026 wurden die gewichteten Kapitalkosten des Sektors mit acht bis zehn Prozent beziffert. Darin sind sowohl die Kosten für Fremd- als auch für Eigenkapital berücksichtigt.

44 % der befragten Unternehmen bemühen sich aktiv um Finanzierungen durch Maschinen- und Ausrüstungshersteller. Jeweils 39 % werben um Kapital von Staatsfonds beziehungsweise anderen staatlichen Investoren. Eine breitere Finanzierungsbasis kann die Abhängigkeit von einzelnen Geldgebern verringern, sollten sich die Marktbedingungen ändern.

Schon im EY-Bericht für 2026 wurden weitere Modelle beschrieben, darunter langfristige Abnahmeverträge und Beteiligungen an künftigen Erlösen. Bei einem Abnahmevertrag sichert sich der Käufer den Zugang zu bestimmten Fördermengen. Das kann dem Produzenten die Finanzierungsplanung erleichtern. Im Gegenzug ist ein Teil seiner späteren Produktion vertraglich gebunden.

Auch staatliche Geldgeber spielen eine wachsende Rolle. Der Bedarf an Rohstoffen für Energiewende, Verteidigung, Rechenzentren und Halbleitertechnik erhöht nach Einschätzung von EY deren strategische Bedeutung. Laut EY stiegen die öffentlichen Finanzierungszusagen für kritische Mineralien zwischen 2023 und 2025 auf rund 65 Mrd. USD. Damit lag das Volumen zuletzt mehr als viermal so hoch wie zu Beginn des Zeitraums. Die Zusagen sind allerdings nicht mit bereits vollständig ausgezahlten Investitionen gleichzusetzen.

Für die nächsten zwölf Monate rechnen 28 % der Befragten mit direkten staatlichen Investitionen. Solche Mittel können die Projektentwicklung erleichtern, machen aber auch politische Förderbedingungen und wirtschaftliche Prioritäten für die Finanzierung wichtiger. Geopolitische Risiken stehen in der EY-Rangliste auf Platz fünf.

Veränderte Handelsbeziehungen und nationale Rohstoffstrategien beeinflussen zunehmend, unter welchen Bedingungen neue Minen finanziert und ihre Produkte verkauft werden können. Einzelne Projekte hängen dadurch mitunter von politischen Entscheidungen ab, die weit entfernt vom Bergwerksstandort getroffen werden.

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Mehr Vorräte bedeuten Sicherheit und höhere Kosten

In der EY-Rangliste für 2026 waren Lieferketten noch nicht als eigenständiger Punkt unter den zehn wichtigsten Risiken vertreten. Für 2027 stehen sie auf Rang drei. Paul Mitchell, der bei EY weltweit die Bergbau- und Metallbranche verantwortet, verweist auf die schwieriger gewordene Beschaffung aus dem Nahen Osten und komplexere internationale Transportwege.

Störungen bei der Versorgung mit Maschinen und Material können mehrere Produktionsstufen erfassen. Probleme bei der Aufbereitung oder beim Transport zu Abnehmern gefährden wiederum den Absatz geförderter Rohstoffe. Für die Betreiber zählt deshalb sowohl die Versorgung der Mine als auch der Weg ihrer Produkte zum Markt.

53 % der Unternehmen nutzen technische Lösungen, um ihre Lieferketten besser überblicken zu können. Weitere 52 % erhöhen ihre Lagerbestände oder legen strategische Materialreserven an. Digitale Systeme helfen, mögliche Engpässe früher zu erkennen, während zusätzliche Vorräte zeitweilige Lieferausfälle abfedern können.

Beide Maßnahmen verursachen allerdings Kosten. Technische Systeme erfordern Investitionen, größere Materialbestände binden Kapital und beanspruchen Lagerflächen. Dieses Geld steht dann nicht ohne Weiteres für andere betriebliche Aufgaben oder neue Projekte zur Verfügung.

Der Zielkonflikt verschärft den Kostendruck. Steigende Betriebskosten belegen in der EY-Rangliste den vierten Platz. Teurere Einsatzstoffe und zunehmend anspruchsvolle Produktionsbedingungen belasten die Rechnung, selbst wenn einzelne Rohstoffe hohe Marktpreise erzielen. Bei älteren Minen können zusätzliche technische Anforderungen den Produktivitätsdruck weiter erhöhen.

Mitchell empfiehlt deshalb, die betrieblichen Abläufe stärker bereichsübergreifend zu steuern. Isolierte Sparprogramme greifen seiner Einschätzung nach häufig zu kurz. Werden Gewinnung, innerbetrieblicher Materialtransport und Aufbereitung besser aufeinander abgestimmt, lassen sich vorhandene Kapazitäten effizienter nutzen.

Digitale Technik wird zugleich zum Sicherheitsrisiko

Mit der zunehmenden Vernetzung industrieller Steuerungen und anderer Systeme entstehen zusätzliche Angriffsflächen. Cybersicherheit gehört 2027 wieder zu den zehn wichtigsten Geschäftsrisiken der Branche.

Laut einer ergänzenden EY-Auswertung liegen 67 % der betrachteten Vermögenswerte und Anlagen des Bergbau- und Metallsektors in der sogenannten "Vulnerability Zone". Damit bezeichnet EY Bereiche mit unterdurchschnittlicher Transparenz und unzureichenden Kontrollen zum Schutz vor Cyberangriffen. Die Kennzahl beschreibt eine mögliche Verwundbarkeit, nicht den Anteil bereits angegriffener Unternehmen.

In der gesonderten EY-Cybersicherheitsstudie gaben nur 18 % der Befragten an, vollständige Transparenz bei industriellen Steuerungsanwendungen zu haben. Vollständige Schutzkontrollen für diese Systeme meldeten lediglich elf Prozent. Über solche Anwendungen werden industrielle Abläufe unter anderem überwacht und gesteuert.

Zu den weiteren Risiken zählt EY CO₂-bezogene Herausforderungen, Nachhaltigkeit, veränderte Geschäftsmodelle und die Akzeptanz der Rohstoffgewinnung in der Bevölkerung. Technische, politische, ökologische und gesellschaftliche Anforderungen hängen damit inzwischen eng zusammen.

Mitchell empfiehlt, die Annahmen hinter langfristigen Strategien und Kapitalentscheidungen regelmäßig zu überprüfen. Die Studienergebnisse legen nahe, Finanzierung, Förderplanung und Versorgungssicherheit stärker aufeinander abzustimmen. Schließlich hilft selbst eine gesicherte Finanzierung wenig, wenn eine Mine ihre geplanten Mengen auf Dauer nicht zuverlässig liefern kann.