Warum dem Bergbau trotz Milliardengewinnen das Kapital für morgen fehlt

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Die Zahlen klingen zunächst beeindruckend. Die 40 nach Marktkapitalisierung größten Bergbauunternehmen der Welt steigerten ihren Gesamtumsatz 2025 um 3,3 Prozent auf 909 Mrd. USD. Das EBITDA, also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, sprang um 23 Prozent auf 248 Mrd. USD. Der Nettogewinn erreichte 120 Mrd. USD. Die EBITDA-Marge kletterte auf 27 Prozent, nach 23 Prozent im Vorjahr. Diese Zahlen entstammen dem kürzlich erschienenen PwC-Bericht "Mine 2026″, der die Branche jährlich umfassend analysiert.

Besonders die Goldproduzenten glänzten: Ihre aggregierte EBITDA-Marge lag bei rund 71 Prozent, der sektorweite EBITDA-Zuwachs bei Gold betrug 22 Mrd. USD und war damit die größte rohstoffbezogene Ergebnisverbesserung des gesamten Jahres. Auch Kupferproduzenten schnitten stark ab: Ihr EBITDA wuchs um 80 Prozent auf 13,3 Mrd. USD, nach 7,4 Mrd. USD im Vorjahr. Kohle dagegen verlor beim Umsatz 10,7 Prozent auf 101,9 Mrd. USD, konnte das EBITDA aber um 5 Prozent auf 32,7 Mrd. USD steigern.

Starke Zahlen, schwache Investitionsbasis

Wer jedoch nur auf diese Zahlen schaut, sieht nur die halbe Wahrheit. Denn gleichzeitig wächst ein strukturelles Ungleichgewicht: Die Branche erwirtschaftet Rekordergebnisse, investiert aber zu wenig in die Projekte, die künftige Produktion sichern sollen. Das ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern ein Problem, das sich seit Jahren aufbaut und dessen Konsequenzen vor allem Anleger treffen dürften, die auf Rohstoffpreise und Versorgungssicherheit setzen.

Das Kernproblem lässt sich in einer Zahl ausdrücken: 2024 flossen lediglich rund 55 Mrd. USD in den Aufbau neuer Bergbaukapazitäten weltweit. Zum Vergleich: In Solarenergie wurde mehr als das Achtfache investiert, in den Bau von Rechenzentren sogar mehr als das Zehnfache, obwohl beide Industrien auf Rohstoffe angewiesen sind, die der Bergbau liefern muss. Prognosen zufolge dürfte die jährliche Bergbau-Investition bis 2050 zwar auf 128 Mrd. USD steigen, wächst damit aber langsamer als die Investitionen in erneuerbare Energien.

Wo Kapital ausbleibt

Besonders kritisch ist die Lage für kleinere und mittelgroße Bergbauunternehmen, die Projekte ohne eigene Bilanzstärke entwickeln müssen. Branchenkenner sprechen vom sogenannten "Valley of Death", auf Deutsch: einem Finanzierungstal, durch das jedes neue Bergbauprojekt muss, bevor es Gewinne erwirtschaftet.

Das Prinzip funktioniert so: In den frühen Phasen eines Projekts, also der Exploration und der Machbarkeitsstudie, sind die Kapitalanforderungen am höchsten. Gleichzeitig gibt es noch keine gesicherten Einnahmen, die als Sicherheit für Kredite dienen könnten. Institutionelle Kapitalanbieter wie Versicherungen oder Pensionsfonds, die den Großteil des globalen Anlagekapitals verwalten, sind in dieser Phase strukturell außen vor: Ihre internen Anlagerichtlinien erlauben keine Investitionen ohne kalkulierbare Cashflows.

Diese Lücke ist kein Zufallsprodukt, sondern ein Systemfehler. Förderinstrumente für frühe Projektphasen beschränken sich weitgehend auf Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen sowie sogenannte "Blended Finance"-Strukturen, bei denen öffentliches und privates Kapital kombiniert wird. Sobald ein Projekt jedoch in die Bau- und Produktionsphase eintritt, verbessert sich die Lage deutlich: Dann greifen klassische Projektfinanzierungen, Bankenkredite und Eigenkapitalbeteiligungen.

Kreative Finanzierungsstrukturen als Ausweg

Erfahrene Projektentwickler versuchen zunehmend, das Finanzierungstal durch kreative Strukturen zu überbrücken. Drei Ansätze haben sich im Markt etabliert.

Erstens: Joint Ventures und Earn-in-Vereinbarungen, bei denen ein größerer Partner schrittweise Anteile an einem Projekt erwirbt, indem er Explorationsausgaben übernimmt. Das gibt dem kleineren Entwickler Zugang zu Kapital und operativem Know-how, ohne sofort Unternehmensanteile zu verwässern.

Zweitens: Streaming- und Royalty-Finanzierungen. Beim Streaming verkauft ein Minenentwickler das Recht, künftig produzierte Metalle zu einem festen Preis zu erwerben, und erhält dafür sofort Kapital. Bei einer Royalty-Vereinbarung tritt der Entwickler einen prozentualen Anteil seiner künftigen Einnahmen ab. Beide Instrumente sind im Bergbaufinanzierungsmarkt gängig und erlauben es, Kapital in Phasen zu mobilisieren, in denen konventionelle Kredite nicht verfügbar sind. Unternehmen wie Franco-Nevada CA3518581051 A0M8PX oder Wheaton Precious Metals CA9628791027 A2DRBP haben dieses Geschäftsmodell auf der Kapitalgeberseite zu einer eigenen Anlagekategorie entwickelt.

Drittens: Staatlich besicherte Abnahmeverträge, sogenannte Offtake-Vereinbarungen, bei denen Regierungen oder staatsnahe Unternehmen als Abnehmer auftreten und damit die Unsicherheit über künftige Erlöse reduzieren. Das ist wohl der effektivste Hebel, den Regierungen einsetzen können: nicht direktes Kapital bereitstellen, sondern Investitionsrisiken senken, damit privates Kapital in größerem Umfang nachfolgt.

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Geologie allein reicht nicht

Ein weiterer zentraler Befund betrifft den geopolitischen Wettbewerb um kritische Mineralien. Geologische Vorkommen allein sichern keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil. China beispielsweise dominiert mehr als 50 Prozent der Produktion bei 18 verschiedenen Mineralien und hält zusätzlich bedeutende Anteile an der Verarbeitung und Raffination von Rohstoffen, die anderswo abgebaut werden. Diese Kombination aus Abbau und Weiterverarbeitung ist entscheidend für die wirtschaftliche Wertschöpfung.

Länder mit reichen Rohstoffvorkommen könnten diesen Wert ungenutzt lassen, wenn Genehmigungsverfahren zu lang dauerten, Kapital ausbleibe oder Verarbeitungskapazitäten fehlten. Umgekehrt könnten Länder mit bescheideneren Rohstoffreserven strategische Relevanz gewinnen, wenn sie attraktive Rahmenbedingungen für Bergbau und Verarbeitung schüfen. Der Wettbewerb um kritische Mineralien werde daher zunehmend über Politik, Kapitalzugang und technologische Kompetenz entschieden, weniger über pure Geologie.

Produktivität als Überlebensstrategie

Parallel zur Kapitalnot steht die Branche vor einem Produktivitätsproblem. Die Ausbringungsmenge je Mitarbeiter ist seit 2020 gesunken. Sinkende Erzgehalte, steigende Energiekosten und Fachkräftemangel belasten die Margen. 39 Prozent der Bergbauunternehmen gaben an, Schwierigkeiten bei der Talentgewinnung zu erwarten.

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz schneidet die Branche schlechter ab als jeder andere Sektor. Dabei zeigt eine parallel erhobene PwC-Studie, dass Unternehmen mit hoher KI-Reife einen 7,2-fach höheren wirtschaftlichen Effekt erzielen als Nachzügler. 40 Prozent der befragten Führungskräfte waren unzufrieden mit der eigenen Technologieleistung. Der Aufholbedarf ist erheblich, vor allem bei Dateninfrastruktur und unternehmensweiter Einbindung neuer Technologien.

Fazit: Angebotslücke als Chance

Die Branche verdient gut, investiert aber strukturell zu wenig in ihre eigene Zukunft. Für Anleger, die auf Junior- und Mid-Tier-Entwickler setzen, dürfte das mittelfristig Chancen eröffnen. Wer das Finanzierungstal erfolgreich durchquert, sei es durch clevere Kapitalstrukturierung, strategische Partner oder staatlich gestützte Abnahmeverträge, könnte in einem Markt mit absehbar wachsender Angebotslücke überproportional profitieren. Die Versorgungslücke bei Kupfer, Seltenen Erden und anderen für die Energiewende benötigten Metallen dürfte den Druck auf neue Projekte erhöhen und damit die Bewertungen erfolgreicher Entwickler stützen.