Vom Bergbau bis zum Magnet: USA Rare Earth schließt seine Lieferkette
USA Rare Earth US91733P1075 A412UH übernimmt den brasilianischen Produzenten Serra Verde in einem Bar- und Aktiendeal im Wert von 2,8 Mrd. USD. Die Transaktion verknüpft die Mine Pela Ema in Goiás mit den Verarbeitungs- und Magnetplänen des US-Unternehmens und entspricht der US-Strategie, die Versorgung mit Seltenen Erden außerhalb Chinas abzusichern. Seltene Erden sind metallische Elemente, die unter anderem in Permanentmagneten für Elektrofahrzeuge, Windkraft, Halbleitertechnik und Rüstungssysteme eingesetzt werden.
Der Deal verbindet Mine, Verarbeitung und Magnetgeschäft
Der strategische Kern des Kaufs liegt in der vertikalen Integration. USA Rare Earth baut nach eigenen Angaben eine Lieferkette von der Förderung über Verarbeitung und Aufbereitung bis zu Metallgewinnung und Magnetproduktion auf. Das Unternehmen verweist dafür auf Standorte in Texas und Colorado für Bergbau, Verarbeitung und Entwicklung, in Cheshire in Großbritannien für Metalle und Legierungen sowie in Stillwater in Oklahoma für die Magnetfertigung.
Damit geht der Deal über den Zugriff auf ein einzelnes Vorkommen hinaus. USA Rare Earth hatte zuvor bereits Less Common Metals übernommen, einen etablierten Hersteller von Seltenerdmetallen und Legierungen. Mit Serra Verde kommt nun ein produzierender Minen- und Verarbeitungsstandort hinzu. Das verdichtet die operative Basis des Unternehmens spürbar, weil USA Rare Earth die Förderung bisher noch nicht kommerziell im eigenen Round-Top-Projekt in Texas betreibt.
Serra Verde bringt Produktion und Langfristvertrag ein
Serra Verde betreibt mit Pela Ema den einzigen aktiven Produktionsstandort von Seltenen Erden in Brasilien. Die Anlage ist der einzige Produzent außerhalb Asiens, der alle vier magnetrelevanten Seltenen Erden in industriellem Maßstab liefern kann.
Das Projekt soll bis Ende 2027 eine Phase-1-Kapazität von rund 6.400 Tonnen TREO pro Jahr erreichen. TREO steht für Total Rare Earth Oxides und beschreibt den Gehalt an Seltenen Erden in Oxidform. USA Rare Earth erwartet, dass Serra Verde bis 2027 mehr als 50 % des Angebots schwerer Seltenen Erden außerhalb Chinas stellen könnte.
Hinzu kommt eine 15-jährige Abnahmevereinbarung über 100 % der Phase-1-Produktion von Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium mit einer Zweckgesellschaft, die von verschiedenen US-Regierungsstellen sowie privatem Kapital finanziert wird. Der Vertrag enthält garantierte Mindestpreise und senkt damit das Preisrisiko des Projekts. Serra Verde verfügt zudem über eine Finanzierung der US-Entwicklungsbank DFC über 565 Mio. USD für Optimierung und Ausbau.
Washington baut eine westliche Rohstoffachse auf
Die politische Dimension des Deals ist offenkundig. China dominiert die Förderung und vor allem Verarbeitung Seltener Erden. Die USA versuchen seit Jahren, für Industrie und Verteidigung eine eigenständige Lieferkette aufzubauen. USA Rare Earth gehört dabei zu den wichtigsten Projekten und verweist auf eine Absichtserklärung des US-Handelsministeriums über 1,6 Mrd. USD an möglicher Finanzierung nach dem CHIPS and Science Act sowie auf Kooperationen mit dem Energieministerium bei Separationstechnologien.
Für den Konzern ist die Übernahme auch operativ ein Sprung. Nach eigener Prognose soll Serra Verde bis Ende 2027 als Zielgröße ein Jahres-EBITDA von 550 bis 650 Mio. USD erreichen. Für den kombinierten Konzern prognostiziert USA Rare Earth bis 2030 ein hochgerechnetes Jahres-EBITDA von rund 1,8 Mrd. USD.
An der Börse wurde die Transaktion zunächst positiv aufgenommen. Die an der Nasdaq gelistete Aktie legte nach Bekanntgabe vorbörslich zu. Für den Markt ist der Deal vor allem deshalb relevant, weil er eine außergewöhnliche Marktpositionierung zusammenführt: laufende Produktion in Brasilien, Metall- und Legierungskapazitäten in Europa sowie geplante Magnetfertigung in den USA. Genau diese Kombination fehlt westlichen Anbietern bislang meist.

