Kartellbehörde prüft USA Rare Earths Milliardendeal für Serra Verde
Brasiliens Kartellbehörde Conselho Administrativo de Defesa Econômica (Cade) hat die geplante Übernahme von Serra Verde durch USA Rare Earth US91733P1075 A412UH in ein Prüfverfahren genommen. Die Wettbewerbshüter analysieren den Kaufpreis von 2,8 Mrd. USD sowie eine 15-jährige Abnahmegarantie für vier magnetrelevante Seltene Erden. Der Vorgang besitzt eine hohe strategische Relevanz: Serra Verde betreibt mit Pela Ema in Goiás die einzige größere Förderung außerhalb Asiens, die Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium liefern kann.
Cade weitet Prüfung über Kaufpreis aus
Nach Angaben der Cade hat die Generalaufsicht am 11. Mai ein Verfahren zur Kontrolle eines möglichen Zusammenschlusses eingeleitet. Die Behörde analysiert, ob die Kombination aus Übernahme und Liefervereinbarung als meldepflichtiger Konzentrationsvorgang nach brasilianischem Recht gilt.
Cade betont, dass das Verfahren noch kein Beleg für ein Wettbewerbsproblem ist. Am Ende kann die Aufsicht den Fall schließen, die Transaktion freigeben oder ein förmliches Verwaltungsverfahren eröffnen. Für USA Rare Earth stellt dies dennoch eine Hürde dar, weil der Deal als Baustein einer westlichen Lieferkette außerhalb Chinas gilt.
Serra Verde ist für den Westen strategisch wichtig
USA Rare Earth hatte im April angekündigt, die Serra Verde Group vollständig zu übernehmen. Die Gegenleistung besteht laut Investorenunterlagen aus 300 Mio. USD in bar und rund 126,8 Mio. neu ausgegebenen Aktien. Dies entsprach zum Zeitpunkt der Ankündigung einem Eigenkapitalwert von rund 2,8 Mrd. USD. Parallel wurde eine 15-jährige Abnahmegarantie für die Produktion aus Pela Ema vereinbart.
Serra Verde beschreibt Pela Ema als erste Anlage außerhalb Asiens im industriellen Maßstab für alle vier kritischen magnetischen Seltenen Erden. Diese Rohstoffe werden vor allem für Hochleistungsmagnete gebraucht, etwa in Elektroautos, Windturbinen und Rüstungstechnologie. Nach Unternehmensangaben könnte das Projekt schon 2027 rund die Hälfte der weltweiten Produktion außerhalb Chinas stellen.
Der Deal berührt auch die Rohstoffpolitik zwischen Brasilia und Washington
Das Prüfverfahren fällt in eine Phase, in der die USA und Brasilien über eine engere Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien verhandeln. Ein umfassendes Abkommen liegt bisher nicht vor. Bekannt ist bislang eine Absichtserklärung mit dem Bundesstaat Goiás, die Investitionen rund um Serra Verde erleichtern soll.
Hinzu kommt: Serra Verde hatte Anfang 2026 bereits ein Finanzierungspaket über 565 Mio. USD mit der Entwicklungsbank U.S. International Development Finance Corporation geschlossen. Dies hebt den Fall über ein gewöhnliches M&A-Verfahren hinaus, also über Fusionen und Übernahmen von Unternehmen. Es geht um Wettbewerb, aber ebenso um Zugriff auf einen Rohstoff, der in der Industriepolitik der USA als strategisch gilt.
Der Fall zeigt, wie schnell aus einem Rohstoffdeal ein geopolitischer Testfall wird. Damit markiert das Verfahren einen Wendepunkt: Die Sicherung kritischer Ressourcen unterliegt künftig nicht mehr allein betriebswirtschaftlichen Kalkülen, sondern wird zum Gegenstand nationaler Sicherheitsstrategien.

