Kali als Druckmittel: Berlin prüft Exportbeschränkungen gegen die USA
Die Bundesregierung prüft nach einem Bericht der US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg, ob die starke US-Abhängigkeit von Kali, einem kaliumhaltigen Düngerrohstoff für die Landwirtschaft, in einem Handelskonflikt zum politischen Hebel werden könnte. Im Zentrum steht dabei auch K+S DE000KSAG888 KSAG88, weil der Konzern über die Bethune-Mine in der kanadischen Provinz Saskatchewan produziert. Die Überlegung ist brisant, da bislang keine Entscheidung über etwaige Exportbeschränkungen gefallen ist.
Die USA bleiben bei Kali stark vom Ausland abhängig
Diese Anfälligkeit ist ein reales Risiko. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums unter Berufung auf die Wissenschaftsbehörde U.S. Geological Survey liegt die Nettoimportabhängigkeit der USA bei Kali bei mehr als 90 %. Besonders wichtig ist Kanada als Lieferland. Das kanadisches Rohstoffministerium beziffert die kanadischen Kaliexporte für 2024 auf rund 22,9 Mio. t und einen Anteil von gut 39 % am Welthandel. Mehr als die Hälfte dieser Ausfuhren ging demnach in die USA.
Wer den Zugang zu Kali stört, trifft nicht irgendeinen Nischenmarkt, sondern einen zentralen Rohstoff für die US-Agrarproduktion. Zugleich ist es kein Bereich mit vielen schnellen Ausweichmöglichkeiten. K+S verweist selbst auf Produktionsstandorte in Europa und Nordamerika sowie auf die Bethune-Mine in Saskatchewan. Damit ist der Konzern zwar nicht der größte Anbieter, aber Teil eines sensiblen Versorgungssystems.
Berlin erwägt laut Bericht empfindliche Gegenmaßnahmen
Nun prüfen offenbar deutsche Stellen, wie Unternehmen wie K+S ihre Lieferungen in die USA im Eskalationsfall drosseln könnten. Die Beratungen liefen laut Bloomberg intern, eine politische Entscheidung gebe es nicht. Ebenso heißt es, Berlin bevorzuge weiterhin bessere transatlantische Beziehungen statt eines wechselseitigen Eskalationskurses, der Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks schaden würde.
Für K+S ist das eine unbequeme Lage. Operativ hatte der Konzern erst im vergangenen Jahr darauf verwiesen, dass die Nachfrage aus den USA robust und Kali von US-Zöllen ausgenommen worden sei, was den Markt stütze. Sollte derselbe Markt nun selbst zum Gegenstand geopolitischer Erwägungen werden, würde sich das Umfeld deutlich verändern. Aus einer rein vertrieblichen Angelegenheit würde dann eine außenpolitische Frage.
In Kanada wächst der politische Widerstand gegen Vergeltungsmaßnahmen
Hinzu kommt, dass eine mögliche Drosselung nicht in Berlin allein entschieden würde. Die Förderung findet in Kanada statt, wo die Branche politisch und regional stark verankert ist. Natural Resources Canada zeigt, wie dominant Saskatchewan im globalen Kaligeschäft ist. Zugleich erinnert der Bloomberg-Bericht daran, dass der konservative Premier der Provinz, Scott Moe, schon Ende 2024 Exportabgaben auf Kali, Uran und Öl ablehnte. Auch Kanadas Sonderbeauftragter und voraussichtlicher Premier-Kandidat Mark Carney will Energie und kritische Rohstoffe laut Bericht nicht als Druckmittel in den Gesprächen mit Washington einsetzen.
Das macht die Lage widersprüchlich. Einerseits ist die US-Abhängigkeit von Importen offenkundig. Andererseits wäre jeder Eingriff in diesen Markt wirtschaftlich und politisch teuer. Deshalb spricht derzeit mehr für ein Szenario der Abschreckung als für eine rasche Maßnahme. Die bloße Tatsache, dass Kali in solchen Überlegungen auftaucht, zeigt aber, wie weit Handels- und Sicherheitspolitik inzwischen klassische Rohstoffmärkte durchdringen.
Washington sucht bereits Versorgungsalternativen
Parallel versucht Washington offenbar, die eigene Abhängigkeit breiter abzusichern. Bloomberg berichtet, die US-Regierung habe im März Sanktionen gegen wichtige belarussische Kaliunternehmen gelockert. Die staatliche belarussische Nachrichtenagentur Belta schrieb zudem, Präsident Alexander Lukaschenko habe den Verkauf einer Kalimine an die USA für 3 Mrd. USD angeboten. Verifiziert ist damit vor allem eines: Das Thema Versorgungssicherheit ist längst in der Spitzenpolitik angekommen. Offen bleibt, ob aus dieser Gemengelage tatsächlich handelspolitische Schritte folgen oder ob es bei einem Warnsignal bleibt.

