Chinas Einkaufsmacht setzt Fortescue zunehmend unter Druck
Fortescue AU000000FMG4 121862 stellt mögliche Änderungen im Betrieb in Aussicht, falls die Gespräche mit Chinas zentralem Eisenerzeinkäufer bis Jahresende ohne Ergebnis bleiben. Im Septemberquartal lagen die Verkäufe bereits deutlich unter den Verschiffungen, für Oktober erwartet der australische Konzern einen weiteren Anstieg seiner Erzbestände.
Verkaufsrückstand belastet Kapital und Planung
Von Juli bis September verschiffte Fortescue 46,8 Mio. Tonnen Eisenerz, sechs Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Als verkauft verbuchte der Konzern allerdings nur 42,9 Mio. Tonnen. Die Differenz von 3,9 Mio. Tonnen hängt laut Fortescue mit den laufenden Verhandlungen über künftige Lieferungen zusammen.
Verschiffungen und Verkäufe fallen allerdings nicht zwangsläufig in denselben Zeitraum. Fortescue lagert Eisenerz auch in chinesischen Häfen, sodass einzelne Lieferungen erst später als Umsatz verbucht werden können. Für den Rückgang der Verschiffungen gegenüber dem Vorjahr gab es zudem betriebliche Gründe. Nach Unternehmensangaben fand im Septemberquartal die bislang umfangreichste planmäßige Wartungsunterbrechung der eigenen Hafenanlagen statt.
Für Oktober rechnet Fortescue mit einem weiteren Bestandsaufbau von vier bis fünf Millionen Tonnen Eisenerz. Das bindet Kapital, das bei einem Verkauf schneller zur Verfügung stünde. Zugleich setzen die begrenzten Lager- und Transportkapazitäten entlang der Lieferkette dem weiteren Bestandsaufbau Grenzen. Fortescue-Manager Dino Otranto machte bei einer Analystenkonferenz deutlich, dass anhaltend steigende Bestände langfristig Auswirkungen auf den Betrieb haben könnten.
Vorerst hält der Konzern dennoch an seinem Ziel fest, im Geschäftsjahr 2026/27 zwischen 197 und 207 Mio. Tonnen Eisenerz zu verschiffen. Allerdings steht die Prognose unter dem Vorbehalt einer Einigung mit dem chinesischen Verhandlungspartner. Sollte bis zum 31. Dezember kein Vertrag zustande kommen, stellt das Management Änderungen im Betrieb in Aussicht.
Ertragslage gerät zusätzlich unter Druck
Neben den Absatzproblemen belasten niedrigere Verkaufspreise und höhere Kosten das Geschäft. Für sein Hämatit-Eisenerz erzielte Fortescue durchschnittlich 79,79 USD je Tonne Trockenmasse, zehn Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Das entsprach 82 % des von der Rohstoffpreisagentur Platts veröffentlichten Referenzpreises für Eisenerz mit 61 % Eisengehalt.
Die direkten operativen Stückkosten für Hämatit stiegen dagegen binnen Jahresfrist um 21 % auf 21,98 USD je Feuchttonne Erz. Allein die höheren Dieselpreise ließen diese Kosten nach Unternehmensangaben um rund 1,40 USD je Tonne steigen. Neben der Inflation wirkten sich geringere Mengen in der Produktions- und Transportkette auf die Kosten aus. Den Rückgang des Verkaufspreises erklärte Fortescue auch mit Veränderungen seines Produktmixes und der allgemeinen Marktlage. Der Preisrückgang lässt sich daher nicht allein auf die Verhandlungen mit CMRG zurückführen.
Der höhere Lagerbestand schränkt den finanziellen Spielraum zusätzlich ein. Ende September verfügte Fortescue über 3,2 Mrd. USD an Barmitteln, nach 5,1 Mrd. USD Ende Juni. Die Nettoverschuldung stieg im selben Zeitraum von 0,9 auf 2,8 Mrd. USD. Neben dem gestiegenen Betriebskapitalbedarf beeinflussten eine Dividendenzahlung von einer Milliarde USD und Investitionsausgaben von 916 Mio. USD die Finanzlage. Das Management prüft deshalb Möglichkeiten, die Liquidität zu sichern, bevor es die Förderung einschränkt. Finanzchefin Apple Paget zufolge untersucht Fortescue derzeit Umfang, zeitliche Planung und Abfolge seiner beeinflussbaren Betriebs- und Investitionsausgaben.
Chinas zentraler Rohstoffeinkäufer stärkt seine Position
Fortescue verhandelt mit der China Mineral Resources Group (CMRG), einem staatlich gestützten chinesischen Rohstoffeinkäufer. Die chinesische Regierung gründete die Organisation 2022, um die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen abzusichern und die Einkaufsinteressen der heimischen Industrie stärker zu bündeln.
Welche Größenordnung diese Bündelung inzwischen erreicht, verdeutlicht eine Schätzung von Wood Mackenzie. Demnach verhandelt CMRG für Stahlproduzenten über mehr als die Hälfte der jährlich über 1,2 Mrd. Tonnen chinesischer Eisenerzimporte. China kann damit einen erheblichen Teil seiner Nachfrage in gemeinsame Vertragsgespräche einbringen.
Seit Monaten bemüht sich Fortescue um eine Vereinbarung zur Fortsetzung seiner Lieferungen. Einzelheiten zu den verhandelten Preisen und Vertragsbedingungen nennt das Unternehmen nicht. Bereits im Juli gab es Berichte, wonach CMRG Abnehmer zum Einkaufsstopp bestimmter Fortescue-Produkte mit geringerem Eisengehalt aufgefordert haben soll.
Bei einer Analystenkonferenz verwies Fortescue-Manager Agustín Pichot auf die Vertraulichkeit der Gespräche und die Interessen der Aktionäre. Offen ist auch, in welchem Umfang Fortescue mögliche Preiszugeständnisse akzeptieren will. Dino Otranto, der das Metallgeschäft leitet, stellte den langfristigen Nutzen niedrigerer Preise für die australische Rohstoffindustrie infrage.
Chinas Einkaufsmacht stößt auf Widerstände
Auf chinesischer Seite wächst ebenfalls der wirtschaftliche Druck. Schwache Nachfrage und geringe Gewinnspannen erhöhen das Interesse der Stahlhersteller an günstigeren Rohstoffverträgen. Allerdings stößt die Bündelung der Einkäufe innerhalb der Branche auch auf Kritik. Nach Recherchen von Reuters beklagten einzelne Stahlunternehmen zusätzliche Gebühren und eine geringere Flexibilität, ohne entsprechend bessere Einkaufspreise erzielt zu haben.
Unterdessen bemüht sich CMRG, einen größeren Teil des Rohstoffhandels über die eigene Infrastruktur abzuwickeln. Im August forderte die Organisation nach Informationen von Reuters etwa ein Dutzend chinesische Rohstoffhändler auf, Eisenerz über ihre Handelsplattform zu beziehen. Auf diese Weise könnte ein größerer Teil der Geschäftsdaten innerhalb des chinesischen Beschaffungssystems zusammenlaufen.
Das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie untersucht bereits, inwieweit CMRG dadurch Einfluss auf internationale Referenzpreise gewinnen könnte. Ein umfassenderer Zugang zu Informationen über tatsächlich vereinbarte Preise könnte der Organisation helfen, eigene Preismaßstäbe zu etablieren.
Der Ausbau der Handelsplattform stößt allerdings noch an praktische Grenzen. Laut Reuters bezweifelten Marktteilnehmer im August, dass darüber bereits ausreichende Mengen für sämtliche teilnehmenden Händler bereitgestellt werden könnten. Auch die bislang erzielten Preisvorteile gelten keineswegs als gesichert.
Der Konflikt erfasst weitere große Bergbaukonzerne
Während der langwierigen Verhandlungen zwischen CMRG und dem australischen Bergbaukonzern BHP AU000000BHP4 850524 waren bestimmte Eisenerzqualitäten zeitweise vom Verkauf nach China ausgeschlossen, berichtete die britische Wirtschaftszeitung Financial Times.
Im April 2026 erzielten beide Seiten schließlich eine Vereinbarung, deren Konditionen zunächst nicht veröffentlicht wurden. Dem Abschluss gingen politische Kontakte auf australischer Regierungsebene und ein China-Besuch von BHP-Chef Brandon Craig voraus.
Auch der Bergbaukonzern Rio Tinto AU000000RIO1 855018 führte Vertragsverhandlungen mit CMRG. Am 22. Oktober berichtete Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise, dass beide Seiten bereits Anfang des Monats eine längerfristige Liefervereinbarung erzielt hätten. Sie soll von November 2026 bis Mai 2028 gelten. Eine offizielle Bestätigung der konkreten Vertragsbedingungen lag nicht vor.
Rio Tinto verweist auf seine langjährigen Kundenbeziehungen in China, äußert sich jedoch nicht zu vertraulichen Verhandlungen. Für die großen australischen Produzenten ist der chinesische Stahlmarkt seit Jahren ein entscheidender Absatzkanal.
Nach Angaben von Reuters bezweifeln Rohstoffexperten, dass CMRG den Eisenerzmarkt vollständig kontrollieren kann. Zwar bündelt die Organisation große Nachfragemengen, doch das weltweite Angebot und dessen Einfluss auf die internationale Preisbildung entziehen sich ihrer Kontrolle. Dieses Kräfteverhältnis spielt auch bei künftigen Vertragsverhandlungen eine wichtige Rolle.
An der Börse hat die Unsicherheit bereits Spuren hinterlassen. Im frühen Handel in Sydney verlor die Fortescue-Aktie am vergangenen Donnerstag rund drei Prozent. Seit Jahresbeginn summierte sich der Kursrückgang damit auf mehr als ein Drittel.
Für den Konzern wächst nun der Druck, vor Jahresende eine Vereinbarung über die künftigen Lieferungen zu erreichen. Bleiben die Lagerbestände hoch und die Verhandlungen ergebnislos, muss Fortescue seine operative Planung möglicherweise an geringere Verkaufsmengen anpassen.

