Rio Tinto zwischen Einkaufsmacht und Lithiumhürde

Rio Tinto zwischen Einkaufsmacht und Lithiumhürde Yasin Hemmati / Unsplash

Rio Tinto GB0007188757 852147 sieht sich gleichzeitig mit zwei Hürden aus China konfrontiert. CMRG hat einige Stahlwerke angewiesen, Verhandlungen über Lieferungen ab September auszusetzen. Zugleich verzögert sich die chinesische Kartellprüfung für ein Lithiumprojekt mit dem staatlichen chilenischen Bergbauunternehmen ENAMI um mehrere Monate.

CMRG bündelt Chinas Eisenerzeinkauf

Die Position der CMRG folgt einem klaren staatlichen Auftrag. Der 2022 gegründete Konzern soll Chinas Versorgung mit wichtigen Mineralien absichern und zugleich internationale Rohstoffquellen besser erschließen. Chinas Staatsaufsicht nennt die Eisenerzbeschaffung ausdrücklich als eine zentrale Aufgabe des Konzerns. Dadurch erhält die aktuelle Verhandlungstaktik einen strategischen Rahmen, der über einzelne Lieferverträge hinausreicht.

CMRG verhandelt laut dem Rohstoffanalysehaus Wood Mackenzie über mehr als die Hälfte der jährlichen chinesischen Eisenerzimporte. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sollen Stahlwerke mit eigenen Verhandlungsrechten stärker in die zentrale Beschaffung eingebunden werden. Dadurch wächst das Volumen, über das CMRG verhandelt, und damit der Einfluss gegenüber den großen Produzenten. Ähnliche Einkaufsbeschränkungen setzte die Gruppe zuvor bereits gegenüber anderen australischen Lieferanten ein.

Mehr Angebot stärkt die Käuferseite

Der Zeitpunkt erhöht den Druck auf Rio Tinto. Matthew Holcz, Leiter der Eisenerzgeschäfte des Konzerns, sieht wegen wachsender Angebote die Käufer bereits in einer stärkeren Position. Rio Tinto meldete im April die ersten Verkäufe von hochwertigem Erz aus Simandou. Dieses zusätzliche Angebot aus Guinea trifft auf einen ausgeglicheneren Eisenerzmarkt. Dadurch verbessert sich die Ausgangslage großer Käufer wie China bei Preis- und Lieferverhandlungen.

Simandou verdeutlicht zugleich die enge Verflechtung von Rio Tinto mit chinesischen Partnern. Die Projektgesellschaft SimFer entwickelt die Blöcke drei und vier des Großprojekts. An SimFer Jersey, die 85 % an der Minengesellschaft SimFer hält, besitzt Rio Tinto 53 %. Das chinesische Staatskonsortium Chalco Iron Ore Holdings hält 47 %. Der chinesische Staatskonzern Chinalco führt dieses Konsortium. Trotz dieser Verbindung setzt CMRG Rio Tinto nun auch bei den laufenden Einkaufsverhandlungen unter Druck.

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Prüfung durch China verzögert das Lithiumprojekt

Beim Lithiumprojekt Salares Altoandinos liegt der zentrale Engpass derzeit bei der chinesischen Kartellprüfung. Die chilenische Wettbewerbsbehörde FNE hat die Partnerschaft am 17. Juli 2026 ohne Auflagen freigegeben. Die Behörde sah keine wesentliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs bei Lithium oder Kupfer. Rio Tinto hatte den Abschluss ursprünglich für das erste Halbjahr 2026 erwartet. Die Verzögerung in China verschiebt damit bereits den geplanten Zeitrahmen.

An dem Gemeinschaftsunternehmen soll Rio Tinto 51 % halten, ENAMI die übrigen 49 %. Rio Tinto hat Geld- und Sachleistungen von bis zu 425 Mio. USD zugesagt. Darin enthalten sind die Finanzierung von Studien sowie Beiträge zur Technologie für die direkte Lithiumextraktion. Davon getrennt wird der Kapitalbedarf für die vollständige Entwicklung von Salares Altoandinos auf rund 3,2 Mrd. USD geschätzt. ENAMI erwartet den Produktionsstart 2032. Die Jahresproduktion soll zunächst bei 35.000 Tonnen liegen und innerhalb von drei Jahren auf 75.000 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent steigen.

Salares Altoandinos gewinnt für Rio Tinto an Gewicht

Die Bedeutung des Projekts ist durch neue Ressourcendaten weiter gewachsen. ENAMI bezifferte die Lithiumressourcen in La Isla und Aguilar im März 2026 auf 4,46 Mio. Tonnen. Rio Tinto baut parallel sein Geschäft mit Kupfer, Aluminium und Lithium aus. Diese drei Bereiche lieferten im ersten Halbjahr 2026 mehr als die Hälfte des bereinigten EBITDA. Dadurch gewinnt Salares Altoandinos zusätzliches Gewicht innerhalb der langfristigen Rohstoffstrategie des Konzerns.

Beide Fälle folgen unterschiedlichen Mechanismen. Im Eisenerzgeschäft setzt CMRG seine gebündelte Einkaufsmacht direkt in laufenden Vertragsverhandlungen ein. Beim Lithiumprojekt bestimmt eine verzögerte kartellrechtliche Prüfung den weiteren Zeitplan. Beide Vorgänge treffen damit zentrale Interessen von Rio Tinto, allerdings über voneinander getrennte Wege.

Gemeinsam zeigen die Vorgänge die Reichweite chinesischer Entscheidungen im Rohstoffgeschäft des Konzerns. Als Großabnehmer beeinflusst China Konditionen im wichtigsten Absatzmarkt für Eisenerz. Über seine Kartellprüfung kann China zugleich den Zeitplan eines großen Lithiumprojekts in Chile mitbestimmen. Für Rio Tinto wächst dadurch die Abhängigkeit von chinesischen Entscheidungen in etablierten und neuen Rohstoffmärkten.