Streiks & Unwetter belasten Chiles Kupferminen

Streiks & Unwetter belasten Chiles Kupferminen BigstockPhoto

Der für Mittwoch angekündigte Streik in Escondida, der größten Kupfermine der Welt, wurde vorerst verschoben. Der australische Bergbaukonzern BHP AU000000BHP4 850524 und die Gewerkschaft der Führungskräfte und Angestellten erzielten am Mittwochvormittag eine vorläufige Einigung. Nach Angaben des Unternehmens läuft der Betrieb im Norden Chiles normal weiter. Ob daraus jedoch ein neuer Tarifvertrag wird, hängt von der Zustimmung der Gewerkschaftsmitglieder ab.

Für die Abstimmung über den neuen Vorschlag verlängerten die Verhandlungspartner die staatlich begleitete Vermittlung um einen Tag. Die Onlineabstimmung war für Mittwochvormittag angesetzt. Bei einer Zustimmung kann der neue Tarifvertrag unterzeichnet werden. Bis Mittwochabend um 19 Uhr deutscher Zeit lag allerdings noch kein offiziell bestätigtes Abstimmungsergebnis vor.

Escondida gewinnt Zeit, der Konflikt bleibt

Noch am Dienstag hatte die Gewerkschaft nach ergebnislosen Verhandlungen den Beginn des Arbeitskampfes angekündigt. Rund 95 % der abstimmenden Mitglieder hatten sich zuvor für einen Streik ausgesprochen. Der betroffenen Gewerkschaft gehören etwa 1.020 Führungskräfte und Angestellte an.  Erst in weiteren Gesprächen über Nacht gelang eine vorläufige Verständigung. In den Verhandlungen ging es um höhere Gehälter, monatliche Produktionsprämien und objektive Leistungsbewertungen. Die Gewerkschaft kritisierte außerdem Regelungen zum Umgang mit biometrischen Daten und zum Einsatz anderer Beschäftigter während eines Streiks.

Nach Berichten aus dem Verhandlungsumfeld hatte die bisherige Offerte Leistungen von insgesamt 29,5 Mio. chilenischen Pesos (rund 30.000 USD) je Beschäftigtem vorgesehen. Das Paket enthielt einen Abschlussbonus, einen Darlehensanteil und einen Urlaubszuschuss. Nach Angaben der Gewerkschaft sieht der neue Vorschlag Verbesserungen bei den Leistungen und Abschlussbedingungen vor. Konkrete Zahlen lagen dazu zunächst nicht vor.

Wie viel bei einem längeren Streik auf dem Spiel stünde, zeigt die Förderleistung des Bergwerks. Im bis Juni 2026 laufenden Geschäftsjahr produzierte Escondida rund 1,26 Mio. Tonnen Kupfer. Das waren drei Prozent weniger als im Vorjahr, obwohl die Verarbeitungsanlagen mehr Erz durchsetzten. Zugleich sank der Kupfergehalt des aufbereiteten Gesteins von 1,02 auf 0,90 %. Die Fördermenge stand somit bereits vor dem Tarifkonflikt unter Druck.

Bei Centinela hat der Streik betriebliche Folgen

In der nordchilenischen Kupfermine Centinela dauert der Arbeitskampf dagegen bereits seit einer Woche an. Die beiden beteiligten Gewerkschaften vertreten 709 Beschäftigte und damit 22 % der direkt beim Bergwerk angestellten Belegschaft.

Nach Gewerkschaftsangaben stellen die Streikenden mehr als die Hälfte der Bediener wichtiger Fördergeräte und über 60 % des Instandhaltungspersonals. Infolge des Ausstands sei die Zahl der eingesetzten Transportlastwagen bereits um die Hälfte gesunken. Ein entsprechender Rückgang der Kupferproduktion ist bislang allerdings nicht nachgewiesen.

Im Kern verlangen die Arbeitnehmervertretungen gleiche Leistungen für Beschäftigte mit vergleichbaren Tätigkeiten, unabhängig von ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit. Der britisch-chilenische Kupferkonzern Antofagasta GB0000456144 867578 erklärt die Unterschiede mit Tarifabschlüssen aus verschiedenen Verhandlungsrunden. Nach Unternehmensangaben wurden die Verträge mit drei Gewerkschaften 2017 noch parallel ausgehandelt. Seit 2020 finden die Verhandlungen zu unterschiedlichen Terminen statt.

Antofagasta hatte eine reale Lohnerhöhung um zwei Prozent sowie einen einmaligen Tarifabschlussbonus von 22,5 Mio. chilenischen Pesos (rund 22.900 USD) je Beschäftigtem angeboten. Hinzu kam ein vergünstigtes, rückzahlbares Darlehen über 3,5 Mio. Pesos (rund 3.600 USD) pro Person. Am Dienstag nahmen die Parteien unter freiwilliger Vermittlung ihre Gespräche wieder auf. Drei Gewerkschaftsmitglieder haben nach Angaben ihrer Organisation zudem einen Hungerstreik begonnen.

Wie stark der Ausstand die Produktion beeinträchtigt, ist weiterhin umstritten. Die Gewerkschaften rechnen für November mit einem möglichen Rückgang um bis zu 50 %, falls der Streik andauert. Antofagasta hatte dagegen zu Beginn erklärt, die Produktionsziele seien nicht gefährdet.

Im vergangenen Jahr produzierte Centinela rund 240.400 Tonnen Kupfer. Für 2026 hatte Antofagasta bereits vor dem Streik lediglich 195.000 bis 215.000 Tonnen vorgesehen. Als Ursache für den erwarteten Rückgang nennt das Unternehmen niedrigere Erzgehalte. Dieser Effekt ist von möglichen Streikfolgen zu unterscheiden. Wie viel Produktion durch den Arbeitskampf tatsächlich verloren geht, lässt sich bislang nicht beziffern.

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Schneelawine unterbricht Arbeiten in El Teniente

Neben den Tarifkonflikten belastet ein schwerer Unfall den chilenischen Kupferbergbau. In der Mine El Teniente des chilenischen Staatskonzerns Codelco kamen am vergangenen Sonntag zwei Beschäftigte eines Subunternehmens ums Leben. Ein dritter Arbeiter konnte gerettet werden. Die Männer waren mit einer Kontrolle im Tagebaubereich Rajo Sur beschäftigt, als nach schweren Unwettern eine Schneelawine niederging. Die regulären Arbeiten in diesem Bereich waren wegen der Wetterbedingungen bereits eingestellt worden. Nach dem Unglück blieb der betroffene Abschnitt gesperrt. Die Behörden untersuchen zurzeit die Umstände des Unfalls.

Wie stark sich die aktuelle Sperrung auf die gesamte Förderung auswirkt, ist noch nicht beziffert. Chiles Wirtschafts- und Bergbauminister Daniel Mas rechnet kurzfristig allerdings nicht mit wesentlichen Produktionsausfällen. Die schweren Niederschläge hatten in Santiago und Umgebung bereits Überschwemmungen und Erdrutsche verursacht. Für die östliche Hauptstadtgemeinde Las Condes erklärte Chile den Katastrophenzustand.

El Teniente liegt etwa 75 Kilometer südöstlich von Santiago und zählt zu den größten unterirdischen Kupferminen der Welt. Im Jahr 2025 wurden dort rund 310.000 Tonnen Kupfer gewonnen. Damit lag die Produktion 13 % unter dem Vorjahreswert. Damals hatte ein tödlicher Unfall zu betrieblichen Einschränkungen geführt.

Chiles Kupferförderung steht bereits unter Druck

Als weltweit wichtigstes Förderland besitzt Chile erheblichen Einfluss auf die Versorgung mit Kupfer. Von Januar bis August 2026 sank die nationale Minenproduktion gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,7 % auf rund 3,25 Mio. Tonnen. Im August allein lag der Rückgang bei 12,7 %. Die vorläufigen Zahlen stammen von der chilenischen Kupferkommission Cochilco. Die aktuellen Arbeitskämpfe fallen damit in eine Phase, in der die Förderung ohnehin rückläufig ist.

Besonders angespannt ist die Versorgung der Kupferhütten mit Konzentrat, einem aus Erz angereicherten Zwischenprodukt. Geht das Angebot zurück, müssen die Verarbeiter stärker um das verfügbare Material konkurrieren. Laut Cochilco stammten 2025 etwa 23 % des weltweit erzeugten Kupferkonzentrats aus Chile. Längere Ausfälle großer Minen hätten deshalb Folgen weit über das Land hinaus.

Verschärft wird die Situation durch zusätzliche Schmelzkapazitäten, die vor allem in China und Indonesien entstanden sind. Das Angebot an Kupferkonzentrat wuchs jedoch nicht im gleichen Umfang. Dadurch fielen die Vergütungen für die Verarbeitung im kurzfristigen Handel zeitweise sogar unter null. Für die Hütten bedeutet das wirtschaftlichen Druck, wobei ihre Rentabilität auch von anderen Erlösen und bestehenden Verträgen abhängt.

Der Markt für raffiniertes Kupfer kann sich dennoch anders entwickeln als der Markt für Konzentrate. Die Branchenstatistikorganisation International Copper Study Group erwartet in ihrer am 14. Oktober veröffentlichten Prognose für 2026 einen geringen Überschuss von rund 104.000 Tonnen raffiniertem Kupfer. Im April hatte sie noch mit rund 96.000 Tonnen gerechnet. In diese Bilanz fließen neben der Minenproduktion auch die Nachfrage und das Kupferangebot aus Recycling ein. Spätere Produktionsausfälle können die Prognose allerdings verändern.