Sturmwarnung versetzt Chiles Kupferminen in Alarmbereitschaft
Eine ungewöhnliche Wetterlage versetzt Chiles Bergbausektor in Alarmbereitschaft. Wirtschafts- und Bergbauminister Daniel Mas rief Vertreter des Staatskonzerns Codelco sowie der Privatunternehmen Antofagasta GB0000456144 867578 und Teck Resources CA8787422044 858265 zu einem Krisentreffen zusammen, um Notfallpläne für die Minen durchzugehen. Die Bergbaubehörde Sernageomin aktivierte parallel ihren Krisenstab, um das Risiko von Erdrutschen und Muren zu überwachen.
Ein "atmosphärischer Fluss" als seltene Bedrohung
Meteorologen erwarten einen sogenannten atmosphärischen Fluss, ein Wettersystem mit anhaltendem Starkregen, das in dieser Woche auf Zentralchile trifft. Solche Ereignisse treten in Chiles Süden regelmäßig auf, in den nördlichen und zentralen Bergbauregionen dagegen selten. Die dortigen Minen sind auf trockene Bedingungen ausgelegt, weshalb plötzlicher Starkregen Tagebaue fluten, Zufahrtsstraßen beschädigen und den Hafenbetrieb unterbrechen kann. Nicht ein einzelner Sturm, sondern die erwartete Dauer des Regens berge das größte Risiko für Bergbaubetriebe und Transportwege, erklärten Behörden laut Bloomberg. Wegen der Unwettergefahr gilt in zehn Regionen des Landes bis zum 21. Juli ein präventiver Ausnahmezustand.
Ein ohnehin angespannter Kupfermarkt
Chile deckt knapp ein Viertel der weltweiten Kupferförderung, entsprechend genau beobachten Händler die Entwicklung. Die Warnung trifft einen Markt, der bereits unter Druck steht. Die chilenische Kupferproduktion lag im Mai rund 13 % unter dem Vorjahreswert. Operative Probleme und sinkende Erzgehalte zwingen die Bergbaukonzerne bereits zu hohen Zusatzinvestitionen, nur um die Fördermenge zu halten. Goldman Sachs hob seine Kupferpreisprognose für die London Metal Exchange kürzlich auf 13.735 USD je Tonne zum Jahresende an, UBS rechnet für 2026 mit einem globalen Angebotsdefizit von rund 520.000 t Raffinadekupfer.
Vorbilder aus 2015 und 2017
2015 zwangen Überschwemmungen im Norden Chiles den Staatskonzern Codelco zu Betriebsunterbrechungen, die Regierung rief den Katastrophenzustand aus. Betroffen waren unter anderem die Minen Chuquicamata, Ministro Hales und Radomiro Tomic sowie Escondida, zusammen rund die Hälfte der damaligen nationalen Kupferproduktion. 2017 legten erneute Überschwemmungen den Betrieb in der Region Antofagasta teilweise lahm. Wie stark die aktuelle Wetterlage die Förderung beeinträchtigt, hängt davon ab, wie weit der Regen nach Norden in die Kernregionen des Bergbaus vordringt.

