Newmont-Chefin fordert Augenmaß im Goldboom
Hohe Goldpreise machen neue Bergbauprojekte attraktiv. Doch der US-Goldbergbaukonzern Newmont US6516391066 853823 warnt davor, den finanziellen Spielraum vorschnell auszuschöpfen. Auf einer Bergbaukonferenz im südafrikanischen Johannesburg forderte Konzernchefin Natascha Viljoen strenge Kostendisziplin und sorgfältig abgewogene Investitionen. Nur wenn die Branche ihre Ausgaben im Griff behält, könnten Anleger und andere Beteiligte von steigenden Gewinnmargen profitieren.
Hohe Goldpreise treffen steigende Förderkosten
Nach Angaben des World Gold Council – der Branchenorganisation der Goldindustrie – erreichten die umfassenden Förderkosten im ersten Quartal 2026 durchschnittlich 1.785 USD je Unze. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 16 %. Verantwortlich waren vor allem höhere Förderabgaben und Verwaltungsausgaben. Der Kostenanstieg schmälert somit den zusätzlichen Ertrag, den höhere Verkaufspreise ermöglichen.
Bei Newmont sind die finanziellen Dimensionen besonders groß. Im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftete der Konzern nach Abzug der Investitionen einen freien Zahlungsmittelüberschuss von 2,2 Mrd. USD. Die laufenden Gesamtkosten einschließlich der Erhaltungsaufwendungen beliefen sich auf 1.621 USD je verkaufte Goldunze. Angesichts dieses Überschusses stellt sich für Investoren umso dringlicher die Frage, wie das Geld verwendet wird.
Newmont muss abwägen, wie viel Kapital in den Erhalt bestehender Betriebe und wie viel in zusätzliche Wachstumsprojekte fließen soll. Für 2026 plant der Konzern rund 1,95 Mrd. USD an Erhaltungsinvestitionen und weitere 1,4 Mrd. USD für die Entwicklung von Projekten. Nach eigenen Angaben sollen dabei Vorhaben mit besonders hohen erwarteten Renditen Vorrang erhalten. Aus Sicht der Konzernchefin besteht die Gefahr, dass hohe Erlöse auch weniger rentable Projekte attraktiv erscheinen lassen.
Zwischen Goldrekorden und Zinssorgen
Wie rasch sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen verändern können, verdeutlicht die jüngste Preisentwicklung. Nach einer kräftigen Rally im Jahr 2025 erreichte Gold laut Reuters im Januar 2026 einen Rekordwert von 5.595 USD je Feinunze. Bis zum 7. Oktober hatte das Edelmetall dem Bericht zufolge im Jahresverlauf dennoch 4,7 % an Wert verloren. Im frühen asiatischen Handel am 8. Oktober 2026 lag der Spotpreis zeitweise bei rund 4.107 USD je Feinunze. Belastend wirken vor allem Erwartungen, dass die Zinsen länger auf erhöhtem Niveau bleiben.
Anders als Anleihen oder Bankeinlagen wirft Gold selbst keine laufenden Zinsen ab. Steigen die Renditen anderer Anlagen, wird der Besitz des Edelmetalls im Vergleich weniger attraktiv. Im zweiten Quartal 2026 verzeichneten börsengehandelte, mit Gold hinterlegte Fonds weltweit Abflüsse von rund 45 Tonnen. Zentralbanken kauften im selben Zeitraum dagegen netto rund 289 Tonnen Gold hinzu. Bei Barren und Münzen, einem wichtigen Markt für Privatanleger, lag die weltweite Nachfrage bei rund 307 Tonnen, drei Prozent unter dem Vorjahreswert.
Auch bei geopolitischer Unsicherheit bleibt der Goldpreis erheblichen Schwankungen ausgesetzt. Dennoch rechnen Branchenexperten laut Reuters damit, dass das Edelmetall innerhalb der kommenden zwölf Monate auf 5.013 USD je Feinunze steigen könnte. Eine solche Prognose kann Investitionsentscheidungen begünstigen. Für langfristige Bergbauprojekte besteht allerdings das Risiko fort, dass die Metallpreise in den folgenden Jahren wieder deutlich nachgeben.
Projektlaufzeiten begrenzen das Goldangebot
Selbst bei hohen Verkaufspreisen können Bergbauunternehmen ihre Förderung nur schrittweise ausweiten. Laut World Gold Council stieg die weltweite Minenproduktion im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum lediglich um zwei Prozent. Lange Entwicklungszeiten neuer Projekte und betriebliche Einschränkungen dürften auch künftig eine rasche Ausweitung der Förderung erschweren. Entsprechend wichtig bleiben die bestehenden Minen und deren Kostenstruktur.
Für die Produzenten entsteht daraus eine doppelte Herausforderung. Neue Bergbauprojekte erfordern langfristige Planung, während Goldpreise und Finanzierungskosten innerhalb kurzer Zeit erheblich schwanken können. Wer seine Investitionsentscheidungen allein am aktuellen Metallpreis ausrichtet, riskiert dauerhaft höhere Kosten, falls der Markt wieder nachgibt.
Viljoen betrachtet Gold angesichts der geopolitischen Unsicherheiten weiterhin als langfristigen Wertspeicher. Auf der Konferenz bezeichnete sie das Edelmetall als risikoarme Anlage. Außerdem verwies sie darauf, dass Regierungen, Fondsmanager und Privatanleger physisches Gold zunehmend als Bestandteil ihrer Reserven und Portfolios halten. Für die Bergbauunternehmen bietet dieses Interesse allerdings keinen Schutz vor den wirtschaftlichen Folgen überteuerter Projekte.
Ob die geplanten Projekte auch bei niedrigeren Goldpreisen noch ausreichende Erträge abwerfen, wird für Anleger zum maßgeblichen Prüfstein. Schließlich fließt das Kapital heute, während sich die Wirtschaftlichkeit vieler Minen erst über Jahre erweist.

